Was der digitale Staat leisten sollte

Die öffentliche Hand wird anders aussehen – und anders re(a)gieren

Keyfacts

  • Auch in der Verwaltung ist die Digitalisierung durch die Corona-Krise dringender geworden.
  • Der öffentliche Sektor steht neuen technologischen Möglichkeiten offener als bisher gegenüber.
  • Ein digitaler öffentlicher Dienst erfordert eine neue Art des Regierens und Verwaltens.
Dr. Ferdinand Schuster
  • Geschäftsführer Institut für den öffentlichen Sektor e.V.
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Kitas und Schulen über Wochen geschlossen, Behördenbesuche untersagt, Treffen in größeren Gruppen ebenfalls: Zu Beginn der Corona-Krise lag das öffentliche und teilweise auch das wirtschaftliche Leben in Deutschland nahezu brach. Eine Alternative wurde schnell gefunden: Die Flucht ins Digitale. Freunde, Kita- und Schulkinder, Lehrer und Erzieher, Ärzte und Patienten trafen sich im Videochat. Und auch Behörden nutzten digitale Lösungen.

Digitalisierung bringt tiefgreifende Änderungen mit sich

Die Krise hat uns gezeigt, digitale Kommunikation und Interaktion können das wirtschaftliche, soziale und öffentliche Leben auch im Lockdown zumindest in Teilen aufrechterhalten. Viele Digitalisierungsprozesse sind durch die Krise beschleunigt worden. Das hat sich auch bei Staat und Verwaltung gezeigt. In den kommenden Jahren wird es dank der Digitalisierung zu tiefgreifenden Veränderungen kommen. Eine aktuelle Umfrage des Instituts für den öffentlichen Sektor liefert hierzu erste Indizien. Drei Viertel der Befragungsteilnehmer erwarten, dass sich die Digitalisierung der eigenen Tätigkeit beschleunigen wird.

Wie aber werden Staat und Verwaltung am Ende aussehen, was wird von deren heutigen Bild und von den derzeitigen Aufgaben noch bleiben? Ein Expertenpanel hat hierzu Antworten geliefert.

Wie sehen Staat und Verwaltung im digitalen Zeitalter aus?

Die drei wichtigsten Punkte:

  1. Die Digitalisierung kann in Zeiten des demografischen Wandels die Leistungsfähigkeit der öffentlichen Verwaltung aufrecht erhalten.
  1. Die Digitalisierung kann die Attraktivität der Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst erhöhen.
  1. Die Digitalisierung verbessert den Zugang zur öffentlichen Verwaltung für Bürger und Unternehmen.

Flexibilität wird zunehmen

Die Rolle der öffentlichen Verwaltung wird sich im digitalen Zeitalter verändern: Die Abarbeitung von Vorgängen wird noch stärker automatisiert. Mitarbeitern der Verwaltung bleibt dann mehr Zeit für persönliche Betreuung, Organisatorisches, Kommunikation und Partizipation. Und sie können deutlich flexibler arbeiten. Das wirkt sich auf Arbeitszeiten und Arbeitsorte aus. Während der Corona-Krise haben bereits viele Beschäftigte aus dem Homeoffice heraus gearbeitet.

Digitaler Zugang soll zum Standard werden

Die befragten Sachverständigen schätzen, dass die Verwaltung in den kommenden Jahren offener als bisher gegenüber technischen Lösungen ist. Der digitale Zugang zu öffentlichen Angeboten soll für Bürger und Unternehmen zum Standard werden. Antragsprozesse und Fachverfahren laufen zwar digital ab, der persönliche Kontakt zu Verwaltungsmitarbeitern ist trotz aller digitaler Möglichkeiten aber weiter möglich, gewollt und wichtig.

Neue Regeln für den digitalen Staat

Ein digitaler, technologisch hochgerüsteter und agiler öffentlicher Dienst erfordert meiner Meinung nach aber auch eine neue Art des Regierens und Verwaltens – eine Digital Governance. Die bringt keinen „neuen“ Staat mit sich, sondern einen, der sich zum besseren Vollzug seiner Aufgaben der ganzen Bandbreite digitaler Verfahren und Hilfsmittel bedient.

Digital Governance kann auch bedeuten, neue Verfahren einzuführen, etwa virtuelle Bürgerbeteiligungen oder Gefahrenabwehr mithilfe digitaler Tools. Hier gibt es mit der Corona-App bereits ein praktisches Beispiel. Und eine digitale Verwaltung sollte auch sicherstellen, dass sensible Daten geschützt und vor Angriffen gesichert werden. Nur so wird das Vertrauen in digitale Prozesse gestärkt.

Eine Digital Governance sollte auch mit der Herausforderung umgehen, trotz neuer Möglichkeiten der Überwachung, zum Beispiel die Ermittlung von Bewegungsprofilen durch Verknüpfung von Service- mit Geodaten, die Freiheit und Privatheit nach westlichen Maßstäben zu sichern. Die Digital Governance hat also die immer noch recht neue Aufgabe, die digitale Welt so zu regulieren, dass offener Wettbewerb und Innovationsfreude nicht abgewürgt werden.

Dr. Ferdinand Schuster
  • Geschäftsführer Institut für den öffentlichen Sektor e.V.
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