Was kann KI schon leisten?

Viele kurzfristige Erwartungen sind überhöht. Langfristig wird KI allerdings unterschätzt.

Keyfacts

  • Potential erkannt: Immer mehr Wissenschaftler, Unternehmen und auch Staaten arbeiten an KI.
  • Datenmenge und -qualität sind entscheidend für die Anwendungsmöglichkeiten von KI-Systemen.
  • Unternehmen, die KI nutzen wollen, brauchen eine klare Datenstrategie und -infrastruktur.
Ushananthan Ganeshananthan
  • Partner, Head of Lighthouse Germany - Center of Excellence for Data & Analytics
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Das Thema Künstliche Intelligenz (KI) ist in aller Munde. Viel wird über Konsequenzen für die Arbeitswelt von morgen und über den ethischen Rahmen des Einsatzes diskutiert. Wenn man allerdings tief in die Labore und Abteilungen der Unternehmen aus dem öffentlichen oder privaten Sektor, von Mittelstand bis DAX, hineinschaut, merkt man schnell: KI wird zumeist noch auf einer recht grundsätzlichen Ebene diskutiert oder es wird noch mit KI-Proof-of-Concepts experimentiert. Der kurzfristige Mehrwert von KI ist bislang noch eher gering.

Aber auch wenn man den Anwendern eine gewisse Ernüchterung anmerken mag, was die KI-Technologie momentan kann, beziehungsweise noch nicht kann, scheint das Potential der Technik erkannt worden zu sein. Wissenschaftler, Unternehmen und mittlerweile auch Staaten arbeiten intensiv an der stetigen Verbesserung der Technologie, so dass deren Effektivität kontinuierlich steigt. Eine Entwicklung, die stark begünstigt wird durch fallende Kosten für Datenspeicherung, Rechenleistung und Datenübertragung.

Durch das Wachstum der Datenmengen durch das Internet im Allgemeinen, in Zukunft auch vermehrt durch das Internet der Dinge oder Industrie 4.0, werden zunehmend mehr Trainingsdaten für die selbstlernenden Algorithmen zur Verfügung stehen.

  • Künstliche Intelligenz wird auch eines der prägenden Themen auf der wichtigsten Digitalkonferenz der Welt sein, der South by Southwest. Sie startet am Freitag. KPMG wird mit einem Team vor Ort sein. Wir berichten aktuell über die Konferenz. Unsere Eindrücke sammeln wir hier.

Künstliche Intelligenz – was ist das?

Oftmals wird der Begriff KI recht schwammig genutzt und auch auf das einfache Verwalten und Auswerten von Daten angewandt. KI ist aber viel mehr. Es handelt sich um ein Computersystem, das keiner expliziten Programmierung anhand von zum Beispiel einer „Wenn-Dann“-Logik bedarf. Es lernt eigenständig aus Trainingsbeispielen oder Feedback und verbessert und organisiert sich selbst.

Daraus resultiert auch die populäre Erwartung an KI-Systeme, dass sich diese nahezu sofort auf jede neue Umgebung, jeden neuen Kontext und Änderung in der Umgebung anpassen – und hierauf „vernünftig“ reagieren. Schließlich ist dies ja ein markantes Zeichen menschlicher Intelligenz, dass wir uns in den verschiedenen Rollen und Kontexten als Bürger, Kollege, Familienmitglied oder auch Freund souverän bewegen. Die aktuellen KI-Systeme können dies momentan noch nicht leisten, da sie zum Beispiel zu viele Trainingsdaten benötigen oder wir noch keine erfolgreichen algorithmischen Methoden haben, Wissen zu abstrahieren und von einer Domäne auf eine andere zu transferieren.

Klare Datenstrategie steigert Anwendungsmöglichkeiten

KI feiert jedoch in eingegrenzten Anwendungsfeldern bereits bedeutende Erfolge. Das Go-Turnier von „AlphaGo“, gegen den als brillant geltenden Go-Spieler Lee Sedol, ging in die Informatikgeschichte ein.

Aber auch im Wirtschaftsleben steigen bereits die Anwendungsmöglichkeiten: So können inzwischen aus komplexen Verträgen relevante Informationseinheiten automatisch extrahiert werden – bislang konnte dies nur durch menschliche Arbeit geschehen. Ein anderes Beispiel sind Vorhersagen über Absätze auf Einzelproduktebene.

Alle diese Applikationen haben gemein, dass sie besser werden je umfangreicher ihre Trainingsdaten und je höher die nutzbare Datenqualität sind. Deshalb rückt auch verstärkt die Datenstrategie von Unternehmen in den Vordergrund. Denn ohne eine wohldurchdachte Dateninfrastruktur macht der Einsatz von KI keinen Sinn, beziehungsweise ist er gar nicht möglich.

Ich bin davon überzeugt, dass Künstliche Intelligenz die Prozesse und Strukturabläufe in mittleren und größeren Unternehmen zukünftig nachhaltig unterstützen wird. Diese werden dadurch präziser und effizienter zu steuern sein – und wohl auch zuverlässiger, als dies ein Mensch je könnte. Allerdings wird dies nicht von heute auf morgen geschehen. Denn KI muss sich intelligent auf die Bedürfnisse des Menschen einstellen können. Dies wird kommen, noch sind wir aber nicht so weit.

Ushananthan Ganeshananthan
  • Partner, Head of Lighthouse Germany - Center of Excellence for Data & Analytics
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