Was passiert, wenn Ötzi umzieht?

Geoanalyse unterstützt Entscheidungsträger durch die Simulation von Zukunfts-Szenarien

Keyfacts

  • Geoanalyse berechnet durch Simulation möglicher Szenarien die Auswirkungen von Veränderungen in der Gewerbelandschaft, bei öffentlichen Einrichtungen und Infrastruktur.
  • Durch Auswertung von Massendaten liefert Geoanalyse Ergebnisse, die Stadtentwicklern und Gewerbetreibenden als Entscheidungshilfe dienen kann.
  • Die Stadt Bozen ermittelt mit Hilfe der Geoanalyse die Folgen einer Verlegung des Ötzi-Museums an einen neuen Standort.
Sebastian Wilde
  • Manager, Consulting
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Ötzi, die kleine Gletschermumie aus der Jungsteinzeit, ist der Touristenmagnet in Bozen. Er lockt jährlich bis zu 300.000 Besucher in das Archäologiemuseum. Eine immense Anziehungskraft, von der nicht nur die öffentliche Hand profitiert, sondern Handel und Dienstleistung der historischen Altstadt von Bozen gleichermaßen.

Nun gibt es Umzugspläne für Ötzi: Er soll zurück auf den Berg – erreichbar nur per hochmoderner Seilbahn. Die Talstation der Bahn ist direkt am Eingang eines Kaufhauses geplant, das ein Unternehmer in Bozen eröffnen möchte. Von ihm kommt auch die Idee des Ötzi-Umzugs. In Südtirol diskutiert man kontrovers: Stärkt uns dieses Vorhaben wirtschaftlich oder verlieren wir dadurch die Attraktivität für die Altstadt und gefährden etablierte Arbeitsplätze?

Auswirkungen von geplanten Veränderungen

Geoanalyse soll helfen, dass diese Diskussion faktenbasiert geführt werden kann. Damit sollen möglichst schnell die Auswirkungen der „teuersten Umbettung Südtirols aller Zeiten“ untersucht werden. Mithilfe von Daten und Algorithmen möchte man ermitteln, wie hoch ein touristischer Gewinn oder Verlust maximal ausfallen kann. So eine Untersuchung hätte früher viel Zeit in Anspruch genommen – Zeit, die heutzutage bei vielen Projekten gar nicht zur Verfügung steht. Bei der Einschätzung der Zukunftsträchtigkeit von Maßnahmen und der Konsequenzen spielt das Bauchgefühl vielerorts noch immer eine nicht zu unterschätzende Rolle. Geoanalyse ersetzt das Bauchgefühl durch Prognosen und Fakten. Mit einer Vielzahl von Daten werden Simulationen durchgeführt und so wertvolle Erkenntnisse zur Unterstützung der Entscheidungsfindung gewonnen – und das in sehr kurzer Zeit.

Grundlage dieser innovativen Analysemöglichkeit sind moderne Technologien und Massendaten: Geodaten, soziodemografische Daten, Infrastrukturmerkmale, Online-Bewertungen etc. Durch Zusammenführung dieser Daten können mittels komplexer Algorithmen Passantenströme nachgebildet und damit die Kaufkraftverteilung innerhalb einer Stadt oder einer Region simuliert werden.

Weniger Touristen in der Altstadt, aber mehr einheimische Besucher

Für das Südtirol-Szenario „Was passiert, wenn Ötzi auf den Berg zieht“ hat das Ergebnis gezeigt: Bis zu 20 Prozent weniger Touristen würden in die Bozener Altstadt kommen. Aber es gäbe andererseits einen Gewinn von einheimischen Besuchern. Bis zu fünf Prozent mehr etablierte Besucher könnten es werden, die von einer verbesserten öffentlichen Infrastruktur auf ihren Wegen in die Stadt profitieren würden. In absoluten Zahlen betrachtet ist Zu- und Abfluss einheimischer und touristischer Passanten fast ein Nullsummenspiel. Aber wenn die Pläne realisiert werden und die Touristen für den Besuch bei Ötzi zukünftig auf den Berg fahren, dann bedeutet das für die Händler und Dienstleister um das derzeitige Archäologiemuseum auf jeden Fall, dass sie sich auf neue Kundenstrukturen einstellen und ihre Angebote neu ausrichten müssten.

Der digitale Blick in die Zukunft

Der geplante Ötzi-Umzug in Südtirol ist nur ein Beispiel, wie Geoanalyse als Entscheidungshilfe für Gewerbetreibende und Stadtentwickler eingesetzt werden kann. Jede Region, jede Kommune hat die Notwendigkeit zu verstehen was passiert, wenn sie Änderungen an bestehenden Strukturen, am bestehenden Angebot vornimmt oder wenn sich die Bedarfslage verschiebt. Das gilt im Bereich Handel genauso wie für die Versorgung mit Ärzten, für das Transportwesen, für Infrastrukturmaßnahmen – selbst Straßensperrungen für Dieselfahrzeuge könnten mithilfe der Geoanalyse simuliert und die Auswirkungen auf die Passanten- und Verkehrsströme berechnet werden. Man könnte sagen, dass die Forecast-Fähigkeit von Geoanalyse es Entscheidern ermöglicht, einen Blick in die Zukunft zu werfen und so die Attraktivität von Standorten zielgenau zu verbessern.

Sebastian Wilde
  • Manager, Consulting
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