Welche Neuerungen 2021 wichtig werden

Diese wesentlichen Veränderungen kommen in den nächsten Monaten auf Unternehmen zu

Keyfacts

  • Die globale Bewältigung der Covid-19-Pandemie wird das neue Jahr maßgeblich prägen.
  • Hinzu kommt eine Vielzahl an neuen Entwicklungen, Gesetzen und Regulationen für die Wirtschaft.
  • Worauf Unternehmen achten sollten, beschreiben die Expertinnen und Experten unserer Fachbereiche.
Klardenker- Redaktion
  • KPMG
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Wie wird 2021? Für Unternehmen hängt diese Frage nicht allein von der globalen Pandemiebewältigung ab. Wichtig ist auch, welche Neuerungen in diesem Jahr auf Organisationen zukommen.

Welche Entwicklungen, Veränderungen und Vorhaben sollten Unternehmen im Blick behalten? Welche neuen Gesetze, Regulationen und Vorschriften werden besonders einflussreich sein? Wir haben unsere Expertinnen und Experten zu ihren Fachbereichen gefragt.

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International Business

International tätige Unternehmen sollten sich 2021 auf eine Vielzahl an Veränderungen einstellen. Die wichtigsten Entwicklungen im Überblick:

Covid-19-Pandemie: Aufgrund der Mutationen des Virus besteht die Gefahr weiterer Infektionswellen. Die damit verbundenen Reiseeinschränkungen und Lockdowns werden in variierendem Umfang voraussichtlich bis zur zweiten Jahreshälfte andauern. Zudem zeichnet sich bereits heute eine massive Insolvenzwelle in Deutschland und wohl auch diversen anderen Ländern ab, die durch Dominoeffekte insbesondere im Bankensektor verschärft werden könnte.

Impfstoff: Die Verteilung der verschiedenen Vakzine ist in den Industrienationen in vollem Gange. Die Erreichung von Herdenimmunität in der Bevölkerung ist die Voraussetzung für das Überwinden der globalen Pandemie. Auf dem Weg dahin gibt es jedoch Hürden: etwa Verzögerungen bei der Bereitstellung der Impfstoffe, eine mangelnde Impfbereitschaft in Teilen der Bevölkerung und eine unzureichende Versorgung mit Impfstoffen in Entwicklungsländern. In Deutschland ist davon auszugehen, dass ungefähr Ende des Sommers, wenn jeder ein Impfangebot bekommen hat, die Politik wieder zum Normalbetrieb zurückfindet. Das dürfte auch der Zeitpunkt sein, zu dem die Wirtschaft sektorübergreifend wieder in Gang kommt. Wir erwarten für 2021 ein über vierprozentiges Wachstum in Deutschland (nach einem sechsprozentigen Rückgang in 2020), ein zehnprozentiges Wachstum in Indien (nach einem ebenso großen Rückgang im Vorjahr) und ein achtprozentiges Wachstum in China (nach einem zweiprozentigen Wachstum in 2020). Auch die USA und die EU insgesamt werden stark wachsen.

Brexit: Hindern könnte das Wachstum unter anderem der Brexit. Schon wenige Wochen nach seinem Wirksamwerden ist offensichtlich, dass die vielfältigen Folgen des Ausstiegs Großbritanniens aus der EU unterschätzt wurden. So kommen auf Unternehmen auf beiden Seiten des Ärmelkanals erhebliche Herausforderungen zu: umfangreiche Zoll-, Einfuhrumsatzsteuer- und Visa-Formalitäten, die Erstellung von Ursprungsnachweisen für Güter, längere Lieferzeiten, steigende Zoll-, Administrations- und Logistikkosten sowie weiterhin fehlende Regelungen im Dienstleistungssektor. Für agile Unternehmen können sich aber auch Chancen bieten, etwa neue Kooperationen auf Drittmärkten oder in den Bereichen Start-ups oder Smart Cities, die Nutzung attraktiver neuer Handelsabkommen des Vereinigten Königreichs mit anderen Ländern oder potenziell sinkende Steuern im Vereinigten Königreich. Bislang konzentrieren sich deutsche Unternehmen aber erst einmal auf die Umsetzung der diversen neuen administrativen Vorschriften und haben noch keinen Blick für mögliche Chancen. Aber auch für internationale Konzerne – gerade aus Japan, USA und China –, die bislang UK häufig als Ihren präferierten Zugang zu Europa nutzen, könnten Sitzverlagerungen ihrer Europa-Holdings von Großbritannien nach Kontinentaleuropa stattfinden. Der Standort Deutschland könnte hiervon profitieren.

US-chinesischer Handelsstreit: Das „decoupling“ der US-amerikanischen und der chinesischen Volkswirtschaften könnte auch nach dem Amtsantritts Joe Bidens insbesondere im Bereich Technologie weiter an Fahrt gewinnen. Diese Entkopplung birgt noch größere wirtschaftliche Risiken als der weiter schwelende Zollkonflikt. Zudem greifen die Spannungen zwischen beiden Ländern zunehmend auch auf die Verbündeten der USA über. So könnte das Streben der Volksrepublik nach Autarkie und der Stärkung ihrer Rolle in Asien auch auf deutsche Unternehmen Einfluss haben, die in China und zugleich in den USA aktiv sind.

Europa: Mit der Überwindung der Pandemie werden 2021 die Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung stärker in den Fokus der europäischen Politik geraten: ESG- (Environment, Social und Governance)-Investments erobern die Kapitalmärkte. Die Entwicklung umweltfreundlicher Produktionstechniken sowie zukunftsweisender Innovationen rückt ins Zentrum der Forschung. Und die Wirtschaft erlebt eine an den Sustainable Development Goals der UN ausgerichtete grüne Reform.

Deutschland: Die Bundesrepublik wird sich in diesem Wandel positionieren und sich auch mithilfe des Konjunkturpakets mit einem Gesamtfördervolumen von fast 60 Milliarden Euro weiter als globaler Investitions-, Innovations- und Forschungsstandort behaupten – etwa mit der Transformation der deutschen Automobilindustrie hin zu umweltfreundlichen Antriebsalternativen oder mit der Ansiedlung der Batterietechnologie in Deutschland. Dies bietet auch internationalen Konzernen neue Chancen am Standort Deutschland, wie zuletzt die massiven „greenfield investments“ mehrerer internationaler Hightech-Konzerne aus den USA und China bezeugten.

Andreas Glunz, Bereichsvorstand International Business

Risk & Compliance

Im Jahr 2021 setzt sich der Trend zu steigenden Compliance-Anforderungen für Unternehmen fort. Zwar wurden einige Gesetzesvorhaben (noch) nicht wie geplant auf den Weg gebracht. Inwieweit vor der anstehenden Bundestagswahl Gesetzesvorhaben wie das Lieferkettengesetz oder das Verbandssanktionengesetz, d.h. de facto ein Unternehmensstrafrecht, umgesetzt werden, bleibt abzuwarten. Dennoch werden ESG-Themen, insbesondere die Aspekte Ökologie und Soziales, in der Regulatorik in diesem Jahr eine entscheidende Rolle spielen.

Seit 1. Januar 2021 ist die EU-Verordnung 2017/821 („Konfliktmineralien“) in Kraft. Sie schreibt Sorgfalts- bzw. Prüfpflichten entlang der Lieferkette für EU-Importeure von Zinn, Tantal, Wolfram und Gold vor. Die betroffenen Unternehmen sind zu einem Risikomanagement beim Rohstoffeinkauf verpflichtet, um sicherzustellen, dass sie diese vier Mineralien bzw. Metalle lediglich von verantwortungsvollen und konfliktfreien Quellen beziehen.

Auch die EU-Verordnung 2020/852 („EU-Taxonomie“), die ab 1. Januar 2022 anzuwenden ist, wird 2021 zu erheblichem Vorbereitungsaufwand in den Unternehmen führen. Die Verordnung schreibt neben der Verfolgung von Umweltzielen auch soziale sowie Governance-Mindestanforderungen in den Bereichen Arbeitsstandards und Menschenrechte vor. Sie bildet den Rahmen für ein Klassifikationssystem für nachhaltige Investments und beinhaltet auch erweiterte Offenlegungspflichten für bestimmte Marktteilnehmer.

Daneben wirken sich die Vorkommnisse bei Wirecard und die daraus resultierenden Gesetzesvorhaben, wie beispielsweise das Finanzmarktstabilisierungsgesetz, aus. Viele Unternehmen stehen damit vor der Herausforderung, ihre Governance-Systeme gleichzeitig effektiver und effizienter zu gestalten. Hierbei wird in der Praxis aktuell verstärkt über eine Integration der verschiedenen Corporate-Governance-Elemente diskutiert.

Dr. Jan-Hendrik Gnändiger, Head of Risk & Compliance Services

Healthcare

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig eine digital unterstützte Patientenversorgung in Krankenhäusern für eine qualitativ hochwertige und moderne Gesundheitsversorgung ist. In den vergangenen Jahren wurde in Deutschland zu wenig in diese Vorhaben investiert.

Deshalb hat das Bundesministerium für Gesundheit zur Digitalisierung der deutschen Kliniklandschaft im Sommer 2020 das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) auf den Weg gebracht. Es soll Krankenhäusern ein lange notwendiges, digitales Update verschaffen. Kliniken können im Rahmen des „Zukunftsprogramms Krankenhäuser“ aus einem Krankenhauszukunftsfonds Fördermittel beantragen.

Insgesamt steht ein Fördervolumen von bis zu 4,3 Milliarden Euro zur Verfügung. Gefördert werden elf konkrete Vorhaben:

  • Notfallkapazitäten,
  • Aufnahme- und Entlassmanagement, Kommunikation,
  • Digitale Dokumentation von Pflege- und Behandlungsleistungen,
  • Entscheidungsunterstützungssysteme,
  • Medikationsmanagement,
  • Prozess- und Ablauforganisation,
  • Optimierung der Angebotsstruktur,
  • Versorgungsnachweissysteme,
  • IT-Sicherheit,
  • Telemedizin,
  • Anpassung von Patientenzimmern.

Dabei sollen 15 Prozent der geförderten Maßnahmen zur Verbesserung der IT-Sicherheit verwendet werden.

Aktuell stehen Verantwortliche vor der Aufgabe, den individuellen Bedarf ihrer Klinik zu identifizieren und ihre konkreten Digitalisierungsprojekte mit den förderungsfähigen Vorhaben abzugleichen. Anträge können die Krankenhausträger bzw. Hochschulkliniken bis zum 31. Dezember 2021 bei den zuständigen Ländern stellen. Krankenhäuser benötigen Prozess- und Rechtssicherheit rund um die Themen Fördermittelmanagement und Digitalisierung. Wir stehen den Verantwortlichen mit unserer umfassenden Krankenhausexpertise bei der Identifizierung, Beantragung und Umsetzung der Fördertatbestände zur Seite, um fristgerecht einen KHZG-konformen Fördermittelantrag einzureichen.

Thorsten Weber, Sales Director, Healthcare und Public

Öffentlicher Sektor

Covid-19 wird auch das Jahr 2021 prägen. Die Pandemie-Situation und ihre Auswirkungen stellen insbesondere den öffentlichen Sektor vor große Herausforderungen – zum Beispiel bei den Bescheiden und Auszahlungen der Überbrückungshilfen für kleine und mittelständische Unternehmen, aber auch im Bereich der Gesundheitsversorgung und Hygienemaßnahmen sowie Impfungen. Dabei wurde sehr deutlich, dass noch erhebliche Potenziale gehoben werden können. Auch mit dem Blick auf bestehende innovative Lösungen aus der Wirtschaft und einer engeren Zusammenarbeit kann der öffentliche Sektor Schwung mitnehmen und somit gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Die vergangenen Monate haben aber auch deutlich gemacht: Es ist wichtiger denn je, das Onlinezugangsgesetz (OZG) zügig umzusetzen. Flexible Arbeitsweisen und eine flächendeckende Digitalisierung des öffentlichen Sektors sind unerlässlich, um die Arbeitsfähigkeit der öffentlichen Verwaltung jederzeit zu sichern und Deutschland auch für zukünftige Krisensituationen resilient zu machen. Bis Ende 2022 sollen 575 Verwaltungsleistungen digital zur Verfügung stehen. Die Frist ist ambitioniert, aber der öffentliche Sektor ist bereits auf gutem Weg. Hierbei unterstützen wir bei verschiedenen Projekten.

Smart City und Smart Mobility bleiben für Städte und Kommunen relevante Themen. Die Corona-Krise hat einen Innovationsschub gebracht: Immer mehr Menschen arbeiten im Homeoffice, Dienstleistungen werden zunehmend online in Anspruch genommen, das Mobilitätsverhalten wandelt sich. Trotz der schwierigen finanziellen Lage vieler Kommunen sollte die begonnene digitale Transformation fortgesetzt werden, um auf lange Sicht krisenfest und wettbewerbsfähig zu sein. Für die Entwicklung der smarten Stadt sind in dem 2020 aufgelegten Konjunkturpaket 500 Millionen Euro vorgesehen. Darüber hinaus stehen Kommunen weitere Smart-City-Förderprogramme zur Verfügung.

Mathias Oberndörfer, Bereichsvorstand Öffentlicher Sektor

Energie

Mit dem Klimaschutzgesetz und dem Klimaschutzprogramm 2030 setzt die Bundesregierung kontinuierlich mit verschiedenen Maßnahmen auf die Reduktion von klimaschädlichen Gasen bis hin zum erklärten Ziel der Treibhausgasneutralität in 2050. In diesem Jahr sind für die Energiewirtschaft aus regulatorischer Sicht vor allem die nationale CO2-Abgabe und der Markthochlauf einer Wasserstoffwirtschaft interessant.

Nationaler Emissionshandel erfordert Handlungsbedarf

Insbesondere der Verkehrs- und Wärmesektormarkt in Deutschland sollen zukünftig mehr CO2-Emissionen vermeiden. Dafür wurde ab 2021 ein nationaler Emissionshandel mit der Pflicht zur Abgabe von Emissionsberechtigungen eingeführt. Die Preise für Mobilität und Heizen auf Grundlage fossiler Brennstoffe werden entsprechend steigen. Was sich für betroffene Unternehmen ändert:

• Die Inverkehrbringer der Brennstoffe müssen ihre Emissionen ermitteln und jährlich nach den Regeln des Brennstoffemissionshandelsgesetzes (BEHG) an die Deutsche Emissionshandelsstelle berichten.

• Die Inverkehrbringer der Brennstoffe müssen unterjährig einen Großteil der benötigten Emissionsberechtigungen zur Deckung der Emissionen erwerben und nach Ablauf des Jahres beim Umweltbundesamt abgeben.

Was als Brennstoff und wer als Inverkehrbringer und damit als Verpflichteter im Sinne des BEHG anzusehen ist, bestimmt sich nach einschlägigen Vorschriften des Energiesteuergesetzes. In der Regel werden hier die Steuerschuldner der Energiesteuer verpflichtet sein, entsprechende Zertifikate zu erwerben und die Verpflichtungen zu erfüllen.

Alle Verbraucher der Brennstoffe sollten sich schon jetzt auf kontinuierlich steigende Zusatzkosten für den Erwerb der Emissionsberechtigungen vorbereiten und Handlungsstrategien entwickeln, u.a. indem sie Kosten weitergeben und CO2-Emissionen reduzieren.

Regulierungsansätze für eine zukünftige Wasserstoffinfrastruktur

Um langfristig weitere CO2-Emissionen einsparen zu können, setzt die Bundesregierung im Rahmen der Nationalen Wasserstoffstrategie auf grünen Wasserstoff als zukünftigen Energieträger. In der ersten Phase bis 2023 soll der nationale Markthochlauf mit bis zu 2,1 Milliarden Euro gefördert werden. Zudem stehen aus dem Konjunktur- und Zukunftspakt weitere 9 Milliarden Euro und aus dem Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie zusätzliche 1,4 Milliarden Euro zur Verfügung, um Forschung, Technologien und internationale Zusammenarbeit beim Thema grünem Wasserstoff zu stärken.

Vor dem Hintergrund eines prognostizierten Wasserstoffbedarfs von ca. 100 TWh im Jahr 2030 – das entspricht in etwa dem Doppelten der deutschen Solarstromerzeugung in 2020 – ist ein Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur unabdingbar. Neben zusätzlicher Power-to-X-Erzeugungsanlagen und Importmöglichkeiten spielt vor allem die Entwicklung eines leitungsgebundenen Transportnetzes eine wesentliche Rolle. In unserem neuen Whitepaper Wasserstoffnetze – Regulierungsansätze für die verschiedenen Phasen der Marktentwicklung“ sehen wir

• in der Phase der Inselnetze kaum Regulierungsbedarf. Hier liegt der Fokus auf einheitlichen Standards und Interoperabilität, die die Netzerweiterung fördern.

• in der Phase von regionalen Clustern empfehlen wir eine Regulierung nach dem Cost-plus-Ansatz. Eine jährliche Genehmigung der Kosten auf Basis eines Plankostenansatzes und die Umwidmung von nicht mehr benötigten Leitungen sollten im Vordergrund stehen.

• in der Phase eines Verbundnetzes im eingeschwungenen Zustand präferieren wir einen Ansatz angelehnt an die bestehende Anreizregulierung. Das Schaffen von Anreizen für Prozess- und Effizienzinnovationen sollte das Regulierungsziel eines vollentwickelten Energienetzes darstellen.

Außerdem skizzieren wir ein mögliches Wasserstoffnetz für Deutschland und Europa, das die Grundlage für eine europäische Wasserstoffwirtschaft der Zukunft legen könnte.

Daniel Peter Breloer, Senior Manager, Energy Markets and Regulation, und Frieder Frasch, Senior Manager, Risk & Compliance Services

Tax

Politisch steht das Jahr 2021 im Zeichen der Bundestagswahl. Mit Spannung erwartet werden die steuerpolitischen Vorhaben der einzelnen Parteien sowie letztlich der Regierungskoalition. Zu wichtigen Themen könnten bereits im Wahlkampf die Gegenfinanzierung von Ausgaben im Rahmen der Corona-Hilfen, von Klimapolitikmaßnahmen oder eine mögliche Unternehmenssteuerreform werden. Voraussichtlich sind es aber folgende Themen, die auf jeden Fall Fahrt aufnehmen:

ATAD-Umsetzungsgesetz: Die Umsetzung der von der EU im Jahr 2016 beschlossenen Anti-Steuervermeidungs-Richtlinie (kurz: ATAD) in das deutsche Steuerrecht zieht sich nun seit mehreren Jahren hin. Bereits seit Dezember 2019 kursieren verschiedene – teils inoffizielle – Fassungen eines Referentenentwurfs des Finanzministeriums (BMF). Auch wenn bis heute das Bundeskabinett einen Regierungsentwurf nicht beschlossen hat, kann mit einem Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens bis zum Ende der Legislaturperiode gerechnet werden. Sofern das Gesetz entsprechend dem aktuellen Entwurf umgesetzt wird, müssen sich Unternehmen auf zahlreiche Verschärfungen insbesondere im Bereich der Hinzurechnungsbesteuerung, der Behandlung von hybriden Finanzierungen und Gesellschaften sowie der Wegzugbesteuerung einstellen.

OECD Base Erosion and Profit Shifting (BEPS) 2.0 / Digitalsteuer: Das internationale Unternehmenssteuerrecht befindet sich in einem fundamentalen Wandel. Neben der Umsetzung der ATAD sorgt das BEPS 2.0-Projekt der OECD schon seit längerem für Diskussionsstoff, es soll in diesem Jahr abgeschlossen werden. Ein erklärtes Ziel ist eine wirksame Lösung der steuerlichen Herausforderungen der Digitalisierung, ein weiterer Bestandteil die Einführung einer effektiven globalen Mindestbesteuerung. Die EU hat erklärt, die Ergebnisse des OECD-Projekts umzusetzen. Sofern auf OECD-Ebene keine Einigung erzielt werden kann, ist mit eigenen Maßnahmen der EU oder weiteren unilateralen Digitalsteuern zu rechnen. Multinationale Konzerne sollten sich frühzeitig mit den möglichen Auswirkungen von BEPS 2.0 auseinandersetzen.

Reform der Grunderwerbsteuer mit Blick auf Share Deals: Dieses Vorhaben stockt bereits seit über einem Jahr. Im Juli 2019 wurde ein entsprechender Regierungsentwurf veröffentlicht, der erhebliche Verschärfungen beinhaltet. Der Bundesrat hat bereits mehrfach angemahnt, dass entsprechende Regelungen gegen „Steuergestaltungen zur Vermeidung von Grunderwerbsteuer“ in Form von Share Deals erforderlich sind. Derzeit ist nicht absehbar, ob das Gesetz noch vor Ende der Legislaturperiode abgeschlossen wird.

Grundsteuerreform: Ende 2019 wurde das neue Gesetz verkündet. Grundstücke sind erstmals zum Stichtag 1.1.2022 nach den neuen Regeln zu bewerten. Die neuen Grundsteuerwerte gelten dann erstmals für die Besteuerung im Jahr 2025. Allerdings können die Bundesländer aufgrund einer Öffnungsklausel von den bundeseinheitlichen Regelungen abweichen und eigene Bewertungsmodelle einführen. Erste Bundesländer haben bereits eigene Modelle angekündigt. Auf Grundstückseigentümer kommt entsprechender Verwaltungsaufwand aus der Bewertung der Grundstücke (ggf. nach verschiedenen Modellen) und der Abgabe von Steuererklärungen zu. Immobilienbesitzer sollten sich deshalb frühzeitig mit der neuen Rechtslage auseinandersetzen und sich vorbereiten. Dazu gehört vor allem die Sammlung der nicht immer einfach zu beschaffenden relevanten Daten für die Wertermittlung.

Marko Gründig, Bereichsvorstand Tax

Telekommunikation

Deutschlands Netzbetreiber haben ihre Infrastrukturen 2020 nicht nur stabil gehalten, sondern sie deutlich ausgebaut. Das wird sich voraussichtlich in diesem Jahr fortsetzen.

So nimmt der 5G-Ausbau Fahrt auf. 16 Millionen Menschen in Deutschland sind bereits an das 5G-Netz angeschlossen. Bis zum Jahresende 2021 soll das Echtzeit-Netz doppelt so groß sein. Dann könnten es mindestens 30 Millionen Menschen nutzen.

Das wird auch in puncto Klimaschutz positive Auswirkungen haben. Denn 5G überträgt die gleiche Datenmenge mit fast 80 Prozent weniger Energie als sein Vorgänger 4G (LTE). Auf diese Weise konnten allein in 2019 mehr als 31 Gigawattstunden Energie eingespart werden. Dies entspricht dem Jahresverbrauch von etwa 9.000 Haushalten.

Überhaupt gewinnt Nachhaltigkeit in der Branche insgesamt immer mehr an Bedeutung: Die Netze bekommen zunehmend Grünstrom, in Mobilfunk-Masten werden häufig Wind- und Solaranlagen integriert und neue Technologien machen diese noch effizienter.

Weiterhin wichtig in diesem Jahr: Europas große Telekommunikationskonzerne wollen den Mobilfunknetz-Standard Open RAN weiter voranbringen. Das könnte die Netze grundlegend verändern. Denn mit offenen Schnittstellen an einer Mobilfunk-Station können Netzkomponenten verschiedener Anbieter miteinander kombiniert werden.

Damit öffnen sich die Tore für neue Technologie-Experten, die auf neue Entwicklungen besser reagieren können. Open RAN öffnet also den Markt für neue Akteure, die potenziell den Wettbewerb fördern, Kosten senken und Innovation forcieren. Netzbetreiber werden durch größere Flexibilität bei der Wahl der besten Lösungsanbieter profitieren.

Dr. Markus Kreher, Head of Technology, Media & Telecommunications (TMT)

Consumer Goods & Retail

Die Corona-Krise hinterlässt bleibende Spuren im Handel und Konsumgütermarkt, stößt aber auch wichtige Entwicklungen für das Jahr 2021 an. Die relevantesten Veränderungen im Überblick:

Customer Journey

Das gedämpfte Kaufverhalten und die prognostizierte steigende Preissensitivität der Verbraucher zwingen Händler und Hersteller dazu, sich zukünftig noch intensiver mit dem Thema Kundenbindung auseinanderzusetzen, damit Konsumenten beim Kauf nicht ein kostengünstigeres oder leichter zugängliches Produkt bevorzugen. Eine zielgruppengerechte Ansprache ist dabei wichtiger denn je. Werkzeuge, wie beispielsweise die Warenkorbanalyse, helfen Händlern und Herstellern dabei, den Kunden besser kennenzulernen und zu verstehen.

D2C & E-Commerce

Das Konsumverhalten wurde durch die Pandemie stark verändert. Insbesondere E-Commerce hat auch in Bereichen, die bislang keinen großen Marktanteil im Onlinehandel hatten, wie z.B. E-Food, immens an Bedeutung gewonnen. Konsumenten haben diese Bequemlichkeit kennen und schätzen gelernt, sodass sich der Trend auch nach der Pandemie fortsetzen wird.

Auch Hersteller haben diese Veränderung erkannt und möchten durch eigene Vertriebsstrukturen direkt mit dem Kunden in Kontakt treten (D2C). Durch den direkten Vertrieb haben Hersteller die Möglichkeit, Primärkundendaten zu erheben und erhalten dadurch weitaus mehr Informationen als durch den Handel, Reduzierung der Kosten durch „Zwischenhändler“ und die Möglichkeit, eigene auf die Kundenbedürfnisse abgestimmte Online-Sortimente aufzubauen.

Nachhaltigkeit

Der Aspekt Nachhaltigkeit und die Sensibilisierung für Regionalität und Fairness zeigen sich in vielen Bereichen von Handel und Konsumgüterindustrie und werden künftig zum „Hygienefaktor“ und somit essenziell für jedes Unternehmen. Im Fashionmarkt lassen sich diese Themen besonders gut am Beispiel von Re-Commerce und Kreislaufwirtschaft veranschaulichen. Der Trend von Secondhand wird auch von großen Plattformen erkannt und hat das Potenzial zu einem signifikanten Marktsegment aufzusteigen.

Gerade aber der boomende Onlinehandel bringt Nachteile mit sich, wie beispielsweise erhöhter CO2-Ausstoß, Verpackungsmaterial und die Vernichtung von Neuware durch Retouren. Unter Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit sind regulatorische Maßnahmen nötig und absehbar.

Lieferkettengesetz

Das 2021 in Kraft tretende Lieferkettengesetz wird den gesetzlichen Rahmen zur Sorgfaltspflicht im Hinblick auf die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltschutz entlang der gesamten Lieferkette bilden. Die geforderte Transparenz stellt Hersteller und Händler vor die Herausforderung in jedem Wertschöpfungsabschnitt der Lieferkette, die eigenen Vorlieferanten zu kennen und entsprechend auszusuchen sowie Datenflüsse über Geschäftsmodelle hinweg zu organisieren. Schließlich wird alles in unterschiedliche, aber jeweils standardisierte Betrachtungs- und Analyseblickwinkel einmünden.

Food Tech

Vor dem Hintergrund des Klimawandels und problematischen Anbau- und Herstellungsmethoden der Ernährungswirtschaft und der generellen Überlegung, wie eine stetig wachsende Bevölkerung zukünftig überall auf dem Planeten ernährt werden kann, hinterfragen viele Konsumenten grundsätzliche ihre Ernährungsweise. Dieses wachsende Bewusstsein der Konsumenten hinsichtlich einer nachhaltigeren und umweltbewussteren Ernährung führt zu alternativen Ernährungsmustern. Im kommenden Jahr werden wir weitere Innovationen und bedeutende Durchbrüche in der Nahrungsmittelherstellung erleben.

Stephan Fetsch, Head of Retail, Head of Consumer Goods

Audit

Im Rechnungswesen wird das Jahr 2021 insbesondere von einer Neuerung geprägt sein: dem Finanzmarktintegritätsstärkungsgesetz (kurz: FISG), das voraussichtlich am 1. Juli 2021 in Kraft tritt.

Das Gesetz soll das System der Bilanzkontrolle stärken, um das Vertrauen in den deutschen Finanzmarkt nachhaltig zu verbessern.

Gemäß des Regierungsentwurfs vom 16. Dezember 2020 sind unter anderem die folgenden wesentlichen Neuerungen zu erwarten:

Corporate Governance: Die Aufsichtsräte von Unternehmen von öffentlichem Interesse sollen zur Einrichtung eines Prüfungsausschusses verpflichtet werden. Zudem ist es erforderlich, dass jeder Prüfungsausschuss künftig mindestens zwei Finanzexperten hat – ein Mitglied mit Sachverstand auf dem Gebiet der Rechnungslegung und mindestens ein weiteres Mitglied mit Sachverstand auf dem Gebiet der Abschlussprüfung.

Abschlussprüfung: Bei Unternehmen von öffentlichem Interesse wird die Rotationsperiode auf generell 10 Jahre verkürzt. Mit weiteren Regelungen soll die Unabhängigkeit von Abschlussprüfern gestärkt und ihre Haftung verschärft werden.

Enforcement-Verfahren: Eine privatrechtlich organisierte Prüfstelle soll weiterhin Teil des Enforcement-Systems sein. Ihre Tätigkeit wird sich dann allerdings auf stichprobenartige Prüfungen beschränken. Anlassbezogene Prüfungen sollen allein durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) durchgeführt werden.

Christian Sailer, Audit, Mitglied des Vorstands

Fertigungsindustrie

Welche Entwicklungen werden die Fertigungsindustrie 2021 prägen? Auch wenn die wirtschaftliche Dynamik aufgrund der anhaltenden Covid-19-Pandemie derzeit nicht vollumfänglich absehbar ist, zeichnet sich das Fortschreiten langjähriger Trends ab. Insbesondere die Individualisierung der Kundenbedürfnisse, die Automatisierung, der demografische Wandel sowie die Veränderung der Arbeitswelt sind hier zu nennen.

Bestimmend für das Jahr 2021 werden die Themen Regulatorik und Nachhaltigkeit, die digitale Transformation sowie Industrial Data Management sein. Zum einen, da voraussichtlich neue gesetzliche Regularien die ohnehin stetig steigenden Anforderungen an Nachhaltigkeit komplexer werden lassen. Zum anderen, da die Pandemie der Digitalisierung weiteren Schub verleiht.

Regulatorik und Nachhaltigkeit

Insbesondere stellen anstehende gesetzliche Regularien und steigende Nachhaltigkeitsanforderungen die Unternehmen vor neue Herausforderungen. Das Thema Lieferkettengesetz, welches voraussichtlich 2020/21 zur Umsetzung kommt, wird dabei vermutlich zu einem großen Aufwandstreiber für Unternehmen werden.

Das Gesetz hat zum Ziel, die Transparenz und das Monitoring von Nachhaltigkeitsanforderungen entlang der gesamten Lieferkette der Unternehmen zu erhöhen. Bei vielen Unternehmen, abhängig von ihren Produkten, wird der Nachverfolgungsaufwand enorm sein, ebenso wie die daraus resultierenden administrativen Abläufe.

Digitale Transformation

Um den beschleunigten, dynamischeren Marktbedingungen zu begegnen, bedarf es immer kürzerer Innovationszyklen und pragmatischer Lösungen. Durch die Entwicklung einer ganzheitlichen Digitalstrategie können Innovationsprojekte und Transformationsvorhaben miteinander abgestimmt, koordiniert und zielgerichtet realisiert werden.

Die Notwendigkeit zu entscheidenden Veränderungen in der strategischen Ausrichtung und der Organisation, wird durch die Corona-Krise verstärkt. Allerdings bietet dies auch die Chance, sich neu und zukunftsfähig aufzustellen und Wettbewerbsvorteile nachhaltig zu sichern. So sollten zum Beispiel Remote-Lösungen weiterentwickelt und der Ausbau digitaler Services konsequent vorangetrieben werden. Denn, ein Zurück in Vor-Pandemie-Zeiten wird es nicht geben.

Industrial Data Management

Um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, sollten produzierende Unternehmen die riesigen Datenmengen ihrer Fertigung gezielt erfassen und zum eigenen strategischen Vorteil nutzen, zum Beispiel mit einem Manufacturing-Execution-System. Der Einsatz von neuen Technologien in der Produktion, der kompletten Lieferkette oder auch dem Vertrieb bietet die beste Grundlage zur effizienten Entscheidungsfindung unterstützt durch Predictive Analytics.

Bedacht werden sollten dabei auch Cyber-Security-Themen, gerade in Bezug auf Maschinen und Anlagen. Denn neben dem Diebstahl von geistigem Eigentum kann der Ausfall der Produktion durch Sabotage oder der erzwungene Stillstand durch Erpressung zur Existenzbedrohung für Unternehmen werden.

Ulrich Ackermann, Head of Industrial Manufacturing

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