Wer in Prävention investiert, der spart

Wirtschaftskriminalität - so wird klug in Prävention investiert.

Keyfacts

  • Eine ausführliche Risikoanalyse ist notwendig.
  • Hochwertige Expertenhilfe gibt es nicht zum Dumping-Preis.
  • Die Unternehmensleitung sollte den Präventivgedanke vorleben.
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Alexander Geschonneck
  • Partner, Head of Compliance & Forensic
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Ein Blick ins Internet oder in deutsche Tageszeitungen genügt – beinahe täglich findet sich dort ein Bericht über Wirtschaftskriminalität. Mal über den Sparkassenmitarbeiter, der über Jahrzehnte seinen Arbeitgeber um mehrere Millionen Euro betrogen hat, um seine Spielsucht zu finanzieren. Oder die Mitarbeiterin aus der öffentlichen Verwaltung, die Geld unterschlagen hat, um ihr Haus renovieren zu können. Und dann gibt es da noch den Fall einer großen Klinik, der sensible Daten gestohlen worden sind – Patientendaten und Informationen über die Finanzsituation. Man könnte diese Aufzählung fortsetzen. Aber diese drei Beispiele zeigen, wie allgegenwärtig Wirtschaftskriminalität ist und welch unterschiedliche Facetten sie hat. Und sie zeigen, wie wichtig es ist, dass Firmen klug in Prävention investieren.

Besonders große Unternehmen betroffen

Dazu passen die Ergebnisse der neuen Studie zur Wirtschaftskriminalität, die mittlerweile seit 19 Jahren erscheint. Die Befragung unter mehr als 700 Unternehmen zeigt deutliche Zahlen – rund ein Drittel aller deutschen Unternehmen war in den vergangenen zwei Jahren von Wirtschaftskriminalität betroffen. Besonders häufig sind große Unternehmen, solche mit einem Umsatz von mehr als drei Milliarden Euro, das Ziel von Kriminellen. 40 Prozent haben negative Erfahrungen gemacht. Meistens ging es um Betrug, Untreue, Diebstahl oder Unterschlagung. Mit immensen Folgen – der finanzielle Schaden beträgt in einzelnen Fällen mehr als eine Million  Euro.

Positiv: Firmen agieren zunehmend präventiv

Am stärksten von Wirtschaftskriminalität ist die Finanzbranche betroffen. Hier kommt es besonders häufig zu Betrugs- oder Untreuefällen. Der Blick auf die Finanzbranche lohnt sich auch aus einem anderen Grund. Hier lässt sich ein positiver Trend der Befragung ablesen – obwohl die Branche sich oft Attacken von Kriminellen ausgesetzt sieht, ist sie immer besser gegen die kriminellen Handlungen gewappnet. Unternehmen der Branche verfügen aufgrund der vorhandenen Ressourcen und dem hohen Grad an Regulierung über eine große Bandbreite an Präventionsmaßnahmen wie die regelmäßige Durchführung von Schulungen oder die Erfassung und Bewertung von Risiken wirtschaftskrimineller Handlungen im Rahmen des Risikomanagements.

Investitionen in externe Unterstützung sind noch gering

Diese Maßnahmen zeigen, dass Unternehmen gut darin beraten sind, präventiv zu agieren und sich von Experten beraten zu lassen. Die Bereitschaft nimmt zwar zu, die tatsächlichen Investitionen sind noch gering. 45 Prozent der Befragten geben an, dass sie nur bis zu 10.000 Euro in externe Unterstützung investiert haben, lediglich zehn Prozent der Befragten haben mehr als 50.000 Euro ausgegeben. Dabei hat es mehrere Vorteile, vorausschauend zu handeln. Es gilt der Grundsatz: Prävention ist günstiger als der entstehende Schaden. Die Unternehmensspitze sollte den Präventionsgedanken vorleben. Zum Beispiel mit Leitbildern oder Verhaltensgrundsätzen. Die Mitarbeitersensibilisierung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Schulungen und Trainings, die vermitteln, wie man in Verdachtsfällen vorgeht, sind essentiell. Nur wer angemessen sensibilisiert ist, kann frühzeitig mögliche Risiken erkennen und angemessen reagieren.

Ausführliche Risikoanalyse ist wichtig

Es kann sinnvoll sein, bei den angeführten Präventionsmaßnahmen auf Hilfe von externen Experten zu setzen. Investitionen von bis zu 10.000 Euro werden dafür aber nicht ausreichend sein. Unternehmen sollten nicht an der falschen Stelle sparen, denn hochwertige Unterstützung gibt es nicht zum Dumping-Preis. Bevor man sich Hilfe holt, ist eine ausführliche Risikoanalyse notwendig. Firmen sollten für sich in einem ersten Schritt die Fragen beantworten, welchen Risiken sie ausgesetzt sind. Schließlich können diese von Betrug und Geldwäsche, über Cyberattacken bis hin zu Korruption reichen. Kann möglichen Gefahren auch mit internen Maßnahmen begegnet werden, wo könnte externe Hilfe sinnvoll sein und welchen Effekt kann sie erzielen? Diese Fragen sollten dann im zweiten Schritt beantwortet werden.

Frischer Blickwinkel statt Scheuklappen

Sich Hilfe von außen zu holen, mag für viele Firmen noch ungewohnt sein, ist aber sinnvoll. Es ist nur logisch, dass nicht alle Herausforderungen mit internen Ressourcen bewältigt werden können. Externe bieten oft eine höhere Spezialisierung und können auf Erfahrung mit ähnlichen Projekten verweisen. Eine der wichtigsten Vorteile externer Hilfe ist der unvoreingenommene Blick eines Dritten. Diesen frischen Blickwinkel gibt es bei externer Hilfe kostenlos mit dazu – firmenintern agiert man eben doch häufiger mit Scheuklappen.

Alexander Geschonneck
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Wirtschaftskriminalität in Deutschland 2018

Mehr als 700 Unternehmen geben Auskunft zu Wirtschaftskriminalität

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