Ein nachhaltiger WM-Rückblick

Das Umweltbewusstsein hat zugenommen – auch bei der Planung von Großveranstaltungen.

Keyfacts

  • Das Umweltbewusstsein hat zugenommen – auch bei der Planung von Großveranstaltungen.
  • Eine Norm kann negative finanzielle und soziale Folgen eindämmen.
  • Die Norm bildet einen guten Rahmen für die Planung unterschiedlicher Events.
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Gerd Krause
  • Senior Manager, Governance & Assurance Services
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Eigentor, Elfmeter, strömender Regen – mit einem ereignisreichen Finale ist die Fußball-WM in Russland zu Ende gegangen. Am Ende haben die Franzosen die weltweit größte Einzelsportveranstaltung für sich entschieden und den Pokal in die Höhe gereckt. Veranstaltungen wie die Fußball-Weltmeistermeisterschaft sind für die Planer eine Mammutaufgabe. Wie wird der Müll entsorgt, wie kommen die Fans von A nach B und wer sorgt für die Sicherheit? Das sind nur drei von vielen Fragen. Eine weitere ist die nach der Nachhaltigkeit. Hier lohnt ein Blick nach München – die Anwohner haben dort die Austragung der Olympischen Winterspiele in einem Bürgerentscheid abgelehnt. Die Gegner der Spiele argumentierten auch mit umweltpolitischen Gründen und haben viele Skeptiker auf ihre Seite gezogen.

Wie nachhaltig ist eine Fußball-WM?

Die Bevölkerung ist in Russland zwar nicht befragt worden. Doch bereits in der Planungs- und Vorbereitungsphase ist Kritik laut geworden. Unter anderem wegen ausbeuterischer Arbeitsbedingungen bei den Stadien-Bauarbeiten und der Missachtung von Menschenrechten.

Viel Geld ist investiert worden, um die Fußball-WM überhaupt möglich zu machen: Bei mehr als zehn Milliarden Euro liegen die  Kosten für die Um- und Neubauten der zwölf Stadien und die Modernisierung der Infrastruktur. Die Weltmeisterschaft in Russland gilt damit als die teuerste aller Zeiten. Es bleibt die Frage: Welchen Nutzen werden diese Investitionen künftig haben?

Nachhaltigkeit soll negative Folgen verhindern

Um negative soziale, wirtschaftliche und ökologische Folgen zu verhindern, haben die FIFA und das Local Organising Committee eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie konzipiert. Sie basiert auf drei Standards und Leitlinien:

  • ISO 26000:2010 – Leitfaden zur gesellschaftlichen Verantwortung
  •  AA1000 – Stakeholder Engagement Standard
  • ISO 20121 – für nachhaltige Veranstaltungsmanagementsystem

 

Für das Turnier in Russland ist laut FIFA ein nachhaltiges Managementsystem eingeführt worden, das sich an der ISO 20121 orientiert. Sie wurde für die Olympischen Spiele von 2012 in London ins Leben gerufen und angewendet. Die Norm war auch eine Reaktion auf das gestiegene Umweltbewusstsein der Bevölkerung. Auch das größte Heavy-Metal-Festival der Welt in Wacken will grüner werden und plant umweltfreundliche Lösungen – zum Beispiel bei der Energieversorgung.

Das steckt hinter der ISO-Norm

Die Norm steht für „Nachhaltiges Veranstaltungsmanagement – Anforderungen mit Anleitung zur Anwendung“ und definiert Anforderungen für Events. Von kleineren Konferenzen über Konzerte bis hin zu Großveranstaltungen wie eben der Fußball-WM. Und es ist definiert, wie ein nachhaltiges Managementsystem aufgebaut, umgesetzt, gepflegt, dokumentiert und verbessert wird. Zum Beispiel, wenn es um die Wahl eines sinnvollen Veranstaltungsortes geht oder darum, wie der Transport der Besucher ökologisch und ökonomisch sinnvoll organisiert wird.

Ein Ziel der Norm: Umweltbelastungen durch die Veranstaltung und das Drumherum so gering wie möglich zu halten. Eine weitere Absicht: soziale Verwerfungen und Unmut in der Bevölkerung verhindern. Zum Beispiel beim Bau neuer Stadien oder Sportstätten. Hier sollte immer so geplant werden, dass dafür keine Wohnhäuser abgerissen werden und die neuen Gebäude auch nach der Veranstaltung noch genutzt werden können. Die ISO-Norm 20121 bietet für die Planer einer Großveranstaltung also einen guten Rahmen. Und sie hat den Vorteil, dass sie während des ganzen Projektzeitraums angewendet werden kann. Veranstalter können flexibel und schnell auf neue Anforderungen oder Kritik reagieren.

Ausblick für „grüne“ Veranstaltungen – FIFA-WM 2022 in Katar?

In vier Jahren will Frankreich seinen Titel in Katar verteidigen. Die Kritik am Austragungsort ist auch in diesem Fall groß. Bemängelt werden ähnliche Punkte wie in Russland: schlechte Arbeitsbedingungen und missachtete Menschenrechte.  Ob die neue Infrastruktur und die neue Stadien in Katar dauerhaft genutzt werden, wird die Zeit zeigen. Davor wird sich noch zeigen, ob sich die in Russland getätigten Investitionen tragen oder Erinnerungen an die zum Teil verwaisten Stadien in Brasilien wach werden – den Spielstätten der Fußball-WM 2014.

Was die Nachhaltigkeit angeht, besteht für die Veranstalter noch viel Spielraum nach oben. Eines ist klar: Eine Fußball-WM, die ein Milliardenpublikum erreicht, hat durch diese globale Reichweite einen Vorbildcharakter. Die Berücksichtigung der ISO 20121 kann den Anstoß geben, der Nachhaltigkeit eine größere Bedeutung beizumessen.

Gerd Krause
  • Senior Manager, Governance & Assurance Services
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