Wie Sie Belohnungssysteme richtig einsetzen

Teamziele fördern den Zusammenhalt der Mitarbeiter und schützen vor Verstößen

Keyfacts

  • Vom Pförtner bis zum Manager: jeder Mitarbeiter sollte über die Incentives Bescheid wiss
  • Teamziele sind besser als Einzelziele – sie wirken als Korrektiv
  • Compliance-Management-Systeme helfen bei der Incentivierung
Jens Hartke
  • Director Audit
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Astronautentraining, High-Tech-Schnitzeljagd, Reise an den Polarkreis, ein üppige Prämie – wenn es um Belohnungen für Mitarbeiter geht, ist die Auswahl inzwischen schier endlos. Unternehmen lassen sich immer neue Anreize einfallen, um ihre Belegschaft zu motivieren. Es lässt sich sicher darüber diskutieren, ob das noch zeitgemäß ist. Doch in manchen Bereichen, wie dem Vertrieb, geht es nicht ohne Incentivierung, oder schlicht Anreizsysteme. Die Frage ist also eher, wie man dieses Mittel richtig einsetzt und nicht, ob man es einsetzt.

Wichtig ist vor allem, nicht Einzel-, sondern Teamziele festzulegen. Was sonst passieren kann, zeigt folgendes Beispiel: Ein Unternehmen aus der Pharmabranche gab nur Einzelziele für die Incentivierung aus und vergaß auch noch festzulegen, auf welche Weise diese Ziele erreicht werden sollten. Das führte am Ende dazu, dass Mitarbeiter plötzlich sehr aggressiv im Markt auftraten und sich teilweise sogar regelwidrig verhielten, weil sie vergleichende Werbung einsetzten. Das ist gefährlich für den Ruf des Unternehmens und fördert auch nicht den Zusammenhalt.

Alle Mitarbeiter sollten vom Erfolg profitieren

Ein solches Gebaren lässt sich vermeiden, wenn das Ziel nur gemeinsam erreicht werden kann. Das Team selbst wirkt dann als Korrektiv. Zudem hilft eine Offenlegung und Kommunikation der Grundlagen. Das heißt: Im besten Fall weiß auch der Pförtner, was eine Abteilung auf welchem Weg erreicht hat und was sie dafür bekommt. Noch besser ist es, wenn auch die Mitarbeiter eines Unternehmens profitieren können, die nicht unmittelbar am Vertrieb beteiligt sind, beispielsweise die Entwicklungsabteilung oder das Marketing. Schließlich haben alle Anteil am Erfolg der Firma, auch die Assistentin, die den Termin beim Kunden vereinbart. Das setzt allerdings voraus, dass die Wertschöpfung im ganzen Unternehmen erfasst wird, dass transparent darüber berichtet wird und alles sauber dokumentiert wird. Das ist aufwendig, doch die Anstrengung zahlt sich aus.

In letzter Zeit hat sich die Einstellung zu dem Thema stark gewandelt. In der Vergangenheit gingen Firmen schon mal das Risiko ein, gegen Gesetze zu verstoßen, sie haben sozusagen ihre Incentivierungs-Ziele über die Compliance-Ziele gestellt. Das ging vor allem deshalb, weil sich die Strafe für eine solche Ordnungswidrigkeit mit einem maximalen Bußgeld in Höhe von einer Million Euro in Grenzen hielt. Verstöße gab es viele. Die Öffentlichkeit bekam davon kaum etwas mit, weil die Verfahren oft gegen die Zahlung einer Geldbuße eingestellt wurden. Doch seit sich die rechtliche Situation verschärft hat, sind auch die Unternehmen achtsamer geworden. Ein Verstoß kann inzwischen das Zehnfache kosten – für Unternehmen ein erheblicher Verlust. Und zehn Millionen Euro haben die Firmen nicht einfach so übrig. Hinzu kommt noch, dass Länder wie die USA und Großbritannien extrem aufgerüstet haben und nun auch weltweit gegen Compliance-Verstöße ermitteln können.

Ein Compliance-Management-System hilft auch bei der Incentivierung

Wer also auf der sicheren Seite sein will, sollte sich Hilfe holen. Unternehmen die ein sachgerechtes Compliance-Management-System eingeführt haben, können auch über eine sachgerechte Incentivierung verfügen. Die Anforderungen an die Unternehmen werden immer komplexer, egal, ob es um steuerliche Belange, die Bekämpfung von Korruption oder den Datenschutz geht. Mit Hilfe des Systems lässt sich das Vorgehen im Unternehmen für alle Ebenen aufbohren – was für diese eine erhöhte Sicherheit bedeutet. Wo laufen wir Gefahr einen Verstoß zu begehen, was würde das kosten und welche Auswirkungen hätte es? Es geht hier nicht nur um einen finanziellen Schaden, sondern auch um die langfristige Reputation eines Unternehmens.

Wichtig ist, dass das eingeführte CMS und die Incentivierung einheitlich sind. So lässt sich die Incentivierung darüber hinaus auch für die Sanktionierung von Fehlverhalten nutzen. Wenn beispielsweise der Leiter Vertrieb Europa dafür zuständig ist, dass alle seine Führungskräfte einmal im Jahr geschult werden und diese Maßnahme an das Vergütungsmodell geknüpft ist, hat das einen negativen Einfluss, wenn er dem nicht nachkommt. Das wird er sich gut überlegen. Und es motiviert ihn vermutlich mehr als die Aussicht auf ein Astronautentraining.

Jens Hartke
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