Wirtschaftskriminalität in Deutschland 2014

Kriminelle Firmen haben es leicht

Unternehmen unterschätzen das Risiko eines wirtschaftskriminellen Angriffs

Keyfacts über Wirtschaftskriminali

  • Jedes dritte Unternehmen ist betroffen
  • Ursache ist menschliches Fehlverhalten
  • Unternehmen betreiben zu wenig Prävention
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Geht es um die eigene Verwundbarkeit, leben Unternehmen in einer Blase. Knapp 70 Prozent stufen ihr Risiko als niedrig sein, doch jedes dritte Unternehmen wurde bereits Opfer einer wirtschaftskriminellen Attacke. Unsere aktuelle Studie Wirtschaftskriminalität in Deutschland 2014 belegt: Die meisten Unternehmen unterschätzen den Einfluss und die Tragweite von Wirtschaftskriminalität. Mit einem Vorfall können sie nicht angemessen umgehen.

Zum sechsten Mal hat die KPMG in Zusammenarbeit mit dem renommierten Sozialforschungsinstitut TNS Emnid eine Studie zur Wirtschaftskriminalität in Deutschland durchgeführt. Erneut wurde festgestellt: Unternehmen sind viel zu wenig vorbereitet und empfinden sich als unverwundbar.

Immer mehr Unternehmen kämpfen gegen wirtschaftskriminelle Handlungen

Laut Bundeskriminalamt verursacht Wirtschaftskriminalität etwa die Hälfte des Schadens, der durch Kriminalität in Deutschland entsteht. Das steht in einem bemerkenswert Kontrast zur Anzahl der Delikte: Wirtschaftskriminelle Tatbestände machen nur einen Bruchteil der insgesamt in Deutschland verübten Straftaten aus.

Es überrascht, dass Unternehmen wirtschaftskriminelle Delikte kaum mit sich selbst assoziieren. Fast 70 Prozent empfinden das Risiko für sich laut Wikri-Studie 2014 als niedrig oder sehr niedrig. Wohingegen sie es zu 82 Prozent als hoch oder sehr hoch für deutsche Unternehmen generell betrachten. Gleichzeitig sind ebenso viele Befragten der Ansicht, dass ihr Schutz vor solchen Delikten gut oder sogar sehr gut sei.

33 %

der Unternehmen wurden in den letzten zwei Jahren Opfer einer wirtschaftskriminellen Tat.

Die tatsächliche Betroffenheit belegt den Irrtum

Die meisten Befragten sehen in menschlichen Faktoren den größten Einfluss auf die Begehung einer wirtschaftskriminellen Handlung – und nicht etwa technische oder organisatorische Schwachstellen. Mangelndes Unrechtsbewusstsein, Unachtsamkeit und Nachlässigkeit nennen die Unternehmen als die häufigsten Gründe. Die logische Konsequenz sollte sein diese Faktoren einzudämmen, zum Beispiel durch Schulungen und entsprechende Vorgaben im Unternehmen.

Umso erstaunlicher ist es, dass nur rund ein Fünftel diesen Faktoren eine Bedeutung einräumt. Fehlende Leitlinien oder die Vorbildfunktion der Geschäftsführung, scheint die wenigsten zu kümmern. Mehr als 40 Prozent führen keine Schulungen respektive Kommunikation zur Vermeidung wirtschaftskrimineller Sachverhalte durch. All dies wirft die Frage auf, woran sich die Beschäftigten denn orientieren sollen. Der Tone from the Top oder anderen Vorgaben der Geschäftsführung sind von elementarer Bedeutung in jedem Unternehmen. Es ist alarmierend, dass sich dies nicht in der Bewertung durch die Befragten widerspiegelt.

Das gilt auch für die Bewertung von Schulungen. Diese sind ein im Vergleich kostengünstiges und effektives Mittel, um die Risiken wirtschaftskrimineller Handlungen einzudämmen. Es ist unverständlich, dass fast die Hälfte der Unternehmen dieses Mittel nicht nutzt. Hier besteht Handlungsbedarf.

Die Chancen für einen Angriff auf das eigene Unternehmen stehen gut

Erschreckend sind die Ergebnisse auch bei der Investitionsbereitschaft im Umgang mit wirtschaftskriminellen Sachverhalten sowie bei den Angaben zu Präventionsmaßnahmen der Unternehmen. So ist die Hälfte der Befragten nicht bereit, mehr als 10.000 Euro in externe Unterstützung zur Verbeugung zu investieren. Nach unserer Erfahrung reicht diese Summe niemals aus, um in angemessenem Maß Prävention zu betreiben. Angemessene präventive Maßnahmen sind in der heutigen Wirtschaft eine absolute Notwendigkeit. Die Kosten dafür tragen sich in der Regel von selbst, da sie den Fall des Schadenseintritts deutlich mindern und geringere Gesamtschäden entstehen.
Wer im Nachhinein versucht, den Brand zu löschen, zahlt drauf. Prävention bedeutet gesundes Wirtschaften und ist kein reiner Selbstzweck.

08. Dezember 2014
Zusammengefasst

»In den letzten zwei Jahren wurde jedes Dritte Unternehmen Opfer einer wirtschaftskriminellen Tat.«

Wirtschaftskriminalität verursacht die Hälfte der Kriminalitätsschäden in Deutschland. Jedes dritte Unternehmen innerhalb der vergangenen zwei Jahre ist betroffen, trotzdem übersehen Unternehmer oft ihre eigene Verwundbarkeit und nennen menschliche Faktoren als Auslöser. Es fehlt an Vorbildern in der Geschäftsführung und Richtlinien für die Mitarbeiter, das zeigt eine KPMG-Studie zum Thema. Zudem setzt man zu wenig auf Prävention, dabei werden dadurch Risiken eliminiert und Schäden vermindert.  

Alexander Geschonneck Partner, Forensic
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Kommentare

Woher rührt die Fehleinschätzung der Unternehmen?

Kommentar von Pavel Krämer
11. Dezember 2015 | 10:50 Uhr

Ich glaube, mit der Wirtschaftskriminalität hat irgendwie fast jeder Unternehmer mal zu tun. In welchen Themen auch immer. Leider gibt es einfach zu viele Leute, die das ausnutzen und auch ausweiten. Das ist sehr schade und natürlich auch schädlich für andere Firmen, die ehrliche Arbeit verrichten. Was in den meisten Fällen ja auch gewollt ist. Beste Grüße

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