Zinstief: Vorsicht vor Überbewertungen

Warum Unternehmen heute Kapitalmarktdaten permanent beobachten sollten

Keyfacts

  • Der Basis-Zinssatz bewegt sich Richtung Null und es kriselt an den Kapitalmärkten.
  • Diese Entwicklungen erschweren die Unternehmensbewertung.
  • Um unrealistische Einschätzungen zu vermeiden, sollten Unternehmen Größen wie die Marktrisikoprämie ständig im Blick behalten.
Dr. Andreas Tschöpel
  • Partner, Deal Advisory
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Deutsche Staatsanleihen weisen negative Renditen auf – und das allgemeine Zinssatzniveau sinkt Richtung Null.

Schon diese Entwicklungen zeigen: Es kriselt am Kapitalmarkt. Und die Marktakteure nehmen das wahr.

In dieser Situation sollten Unternehmen Kapitalmarktdaten äußerst genau im Blick behalten.

Deckelung der Marktrisikoprämie

Cashflows geteilt durch Kapitalkosten: So bestimmt man traditionellerweise den Wert von Unternehmen. Dabei berechnen sich die Kapitalkosten aus dem Basis-Zinssatz und der Marktrisikoprämie – einer rechnerischen Größe, die Überbewertungen verhindern soll.

Das Problem derzeit: Die Gremien, die die Bewertungsstandards setzen, empfehlen momentan eine Marktrisikoprämie zwischen 5,5 bis 7 Prozent. In Zeiten der Nullzinspolitik zeigen Beobachtungen der Kapitalmärkte jedoch, dass die Risikoprämie viel höher liegt. Überbewertungen könnten drohen.

Dass es derzeit zu Verzerrungen kommt, zeigt sich auch an der Börse. Dort steigen die Kurse bei weitem nicht so stark wie die errechneten Unternehmenswerte – eher stagnieren sie und entwickeln sich vereinzelt sogar rückläufig.

Besser selbst berechnen

Die deutsche Wirtschaft könnte sich schon bald in einer Rezession wiederfinden. In der Folge sollten Firmen sehr genau darauf achten, dass ihr eigener Wert oder der Wert ihrer Tochterunternehmen nicht zu hoch geschätzt wird.

Denn die vergangenen Wirtschaftskrisen haben gezeigt: Wer sich kurz vor dem Konjunktureinbruch noch besonders gute Bilanzen testieren lässt, die sich dann als unrealistisch erweisen – der steht später umso schlechter da.

Deshalb sollten Unternehmen die Marktrisikoprämie regelmäßig selbst berechnen. Am besten gelingt das mit aktuellen Lösungen, die einen permanenten Zugang zu verlässlichen Daten bieten – und stichtagsbezogene Ableitungen von Kapitalmarktparametern ermöglichen.

Fazit

Kapitalkosten – vor ein paar Jahren war das noch ein Thema, mit dem man sich in der Geschäftswelt nur am Rande zu beschäftigen hatte.

Dass sich das grundlegend geändert hat, kann auch eine Chance sein. Denn Unternehmen, die den eigenen Wert heute realistisch schätzen, schaffen sich auch einen Vertrauensvorsprung für bessere Zeiten – wenn der Basis-Zinssatz wieder steigt.

Dr. Andreas Tschöpel
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