Zur Herz-OP nach Deutschland

Klinikbetreiber und Dienstleister setzen verstärkt auf Medizintourismus

Keyfacts

  • Aus Medizintourismus hat sich ganze Wirtschaftsbranche entwickelt
  • Neuer Berufsabschluss: Assistent für Medizintourismus
  • Behandlung ausländischer Patienten ist oft nicht profitabel
Prof. Dr. Volker Penter
  • Partner, Niederlassungsleiter
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Einige Unternehmen der Gesundheitswirtschaft haben in den vergangenen Jahren ein sehr spezielles Geschäftsfeld für sich entdeckt: Den Markt für ausländische Patienten. Doch die erste Welle der Euphorie ist vorbei.

Deutsche Ärzte genießen im Ausland einen hervorragenden Ruf. Viele Patienten schätzen die fachärztliche Expertise von Gesundheitseinrichtungen. Das haben auch einige Klinikbetreiber und Dienstleister erkannt. Sie setzen verstärkt auf den zunehmenden Medizintourismus.
Der Markt ist gut: Viele Patienten finden in ihren Ländern bestimmte medizinische Möglichkeiten nicht vor. Oder sie können lange Wartezeiten mit einer Behandlung in Deutschland umgehen.
In Kuwait sieht der Staatssekretär Dr. med. Mohammed Al-Mashaan die Gründe vor allem in der Unerfahrenheit des medizinischen Personals bei schweren und komplexen Fällen. Deutsche Krankenhäuser werden vor allem wegen ihrer sehr großen Erfahrung in orthopädischen Fragen geschätzt.
Der Medizintourismus hat sich zu einem weltweiten Trend entwickelt. In bis zu vierzig Ländern buhlen Gesundheitseinrichtungen aktiv um gut betuchte Patienten – denn diese müssen sich eine lange Reise erst einmal leisten können.
Im Dunstkreis des angebotenen stationären und ambulanten Tourismus, des so genannten Incoming-Tourismus, hat sich eine ganze Wirtschaftsbranche entwickelt: Touristikunternehmen haben sich auf die Organisation von medizinischen Reisen spezialisiert. Patientenvermittler sorgen für die passgenaue Unterbringung in deutschen Kliniken. Sie alle wollen von den Synergieeffekten profitieren. Ihr Ruf ist oftmals schlecht, die ZEIT spricht sogar von Krankenschleppern. Inzwischen gibt es in Deutschland die Möglichkeit, einen Berufsabschluss als Assistent für Gesundheitstourismus zu erwerben.

Die anfängliche Goldgräberstimmung ist verflogen.

Zwar verzeichnet der Incoming-Medizintourismus immer noch leichte Zuwächse. Doch das Geschäftsfeld ist nur auf den ersten Blick profitabel. Die ökonomischen Risiken sind hoch. Oft unterschätzen die Anbieter die hohen Nebenkosten – Behandlungserfolg und hohe Qualität allein stellen die anspruchsvollen Patienten nicht zufrieden.
Medizintouristen aus verschiedenen Kulturkreisen erwarten auch ein entsprechendes kulturelles Umfeld. Dolmetscher zur Überbrückung der Sprachbarrieren, Übernachtungs- und Aufenthaltsmöglichkeiten für Angehörige und die Beachtung kulturspezifischer Ernährungsgewohnheiten gehören noch zu den kleineren Problemen.
Auch wenn komplexe und qualitativ hochwertige Behandlungen auf den ersten Blick stattliche Honorare und Gewinne versprechen, so sieht die Realität meist anders aus. Hohe Forderungsausfälle erhöhen den ökonomischen Druck und das Risiko für die Leistungserbringer.

Dass sich deutsche Kliniken auf Kosten ausländischer Patienten sanieren, trifft schlichtweg nicht zu.

Ausländische Patienten sind aus meiner Sicht nur dann eine sinnvolle zusätzliche Einnahmequelle, wenn sich die ökonomischen Risiken so gering wie möglich halten. Viele Krankenhäuser haben vielfältige und auch schmerzhafte Erfahrungen gemacht.
Wer neben der Krankenhausbehandlung noch zusätzliche teure Dienstleistungen in Anspruch nehmen will, muss bereits vorher in die Tasche greifen. Wer die entsprechende Anzahlung nicht leisten will, muss auf die Limousine am Flughafen verzichten und ins Taxi steigen. Aus dem Butler wird dann der gewöhnliche Pfleger.
Für deutsche Gesundheitseinrichtungen ist der Medizintourismus nur dann sinnvoll, wenn er finanziell geregelt ist und fair bleibt.

Prof. Dr. Volker Penter
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