Auf dem Weg zum Wolken-Inventar

Wie Namenskonventionen das Cloud Asset Management verbessern

Keyfacts:

 

  • Eine leistungsfähige Namenskonvention trägt wesentlich zu einer effizienten Verwaltung von Cloud-Assets bei.
  • Eine allgemeingültige, standardisierte Namenskonventionen gibt es bisher nicht – daher sind Finanzinstitute gefordert, eigene Benennungssystematiken zu entwickeln.
  • Um eine Namenskonvention erfolgreich zu entwickeln und durchzusetzen, empfiehlt sich ein Vorgehen in sechs Schritten.

    Cloud Computing setzt sich im Finanzsektor immer mehr durch. Mit der zunehmenden Nutzung steigt jedoch auch die Komplexität, die bereitgestellten IT-Ressourcen erfolgreich zu managen. Insbesondere die konsistente und effiziente Verwaltung der Cloud-Assets stellt mittlerweile eine der größten Herausforderungen beim Aufbau und der Pflege von Cloud-Umgebungen dar.

    Dabei kommen der Entwicklung und Durchsetzung einer leistungsfähigen Namenskonvention eine große Bedeutung zu. Denn eine klar definierte und standardisierte Benennung der verschiedenen Assets einer Cloud-Umgebung kann das Ressourcenmanagement, die Zusammenarbeit, die Benutzerfreundlichkeit und die Compliance erheblich erleichtern – und so helfen, Kosten zu sparen.

    Standardisierte Namenskonvention fehlt

    Eine allgemeingültige Namenskonvention – nach internationalen Standards oder ähnlichem – hat sich für Cloud-Assets noch nicht durchgesetzt. Dabei hätte ein branchen- und länderübergreifend einheitlicher Ansatz zur Benennung von Cloud-Assets zahlreiche Vorteile. Er würde insbesondere die Herausforderungen in Multi-Cloud-Umgebungen reduzieren, da verschiedene Cloud-Plattformen nicht selten unterschiedlich organisiert und verwaltet werden. Und auch der Einsatz von Multi-Cloud-Management-Tools würde sich durch eine einheitliche Namenskonvention wesentlich erleichtern.

    Jedes Institut ist daher heute (noch) gefordert, eine eigene Namenskonvention für die von ihm genutzten Cloud-Ressourcen zu entwickeln und durchzusetzen. Für ein solches Inventar sind nicht nur die institutsspezifischen Anforderungen zu berücksichtigen, sondern auch die von den Plattformbetreibern vorgegebenen Restriktionen. So lassen beispielsweise einige Plattformen bestimmte Sonderzeichen oder Namenslängen nicht zu.

    ITAM- und NSN-Prinzipien als Orientierungshilfe

    Um eine zweckmäßige Namenskonvention zu entwickeln, bieten die Prinzipien des IT Asset Management (ITAM) beziehungsweise der National Stock Number (NSN) eine Orientierungshilfe. Mit ihnen ist es möglich, die Benennung von Assets zu standardisieren und jedem Asset, zum Beispiel einer virtuellen Maschine oder einem Speicherplatz, eindeutige Identifikatoren zuzuordnen.

    Darüber hinaus gelingt so auch eine Benennung von Dimensionen zur Kategorisierung und Organisation von Ressourcen, die beispielsweise Auskunft über die Umgebung (Entwicklung, Staging, Produktion), den Applikationstyp, die Abteilung, die Kostenstelle und vieles mehr geben. Auch einfache Filterungen und Auswertungen können so mit vergleichsweise geringem Aufwand vorgenommen werden.

    In sechs Schritten zur funktionierenden Namenskonvention

    Ob diese oder andere Prinzipien zur Entwicklung einer Namenskonvention herangezogen werden, hängt von zahlreichen institutsspezifischen Rahmenbedingungen ab. Eine individuelle Analyse dieser Bedingungen ist daher Voraussetzung. Das grundsätzliche Vorgehen bei der Definition und Umsetzung einer Namenskonvention ist dabei stets sehr ähnlich. Aus unserer Sicht sind sechs Schritte zentral auf dem Weg zu einer funktionierenden Namenskonvention:

    Schritt 1: Bestimmen der Dimensionen

    Welche Informationen sollten im Ressourcennamen enthalten sein, damit er eindeutig und klassifizierbar ist? Dazu zählen zum Beispiel die Umgebung (DEV, QS, PROD), die Anwendung (Portal, DWH, WAWI, ERP), die Funktion (WebServer, Applikationsserver, Archiv) und die Nummerierung (etwa: dev-KDPortal-WebSrv-01 oder prod-KDPortal-DB-04).

    Schritt 2: Definition verschiedener Benennungssysteme

    Wie viele verschiedene Benennungssysteme müssen aufgrund spezifischer Anforderungen der verschiedenen Ressourcentypen entwickelt werden? Je nach den spezifischen Anforderungen der verschiedenen Ressourcentypen (erlaubte Zeichensätze, maximale Zeichenlänge) müssen unterschiedliche Benennungssysteme entwickelt werden.

    Schritt 3: Festlegen von Struktur und Format des Ressourcennamens

    Wie soll der Ressourcenname aufgebaut sein? Welche Trennzeichen, Präfixe und Suffixe sollen wie und wo verwendet werden? Diese müssen festgelegt werden, um Ressourcennamen eindeutig und klassifizierbar zu machen.

    Schritt 4: Erstellen einer Liste von Abkürzungen und Akronymen

    Wie können die Dimensionen sinnvoll und eindeutig abgekürzt werden? Hier sind zwei Dinge zu beachten: Zum einen sollten sich die Namen effizient verwalten lassen – zum anderen sollten sie lesbar bleiben.

    Schritt 5: Überprüfen der Namenskonvention

    Welche Restriktionen bestehen und welche verbotenen Zeichen und Wörter sind vor der Umsetzung der entwickelten Namenskonvention zu beachten?

    Schritt 6: Kommunikation der Namenskonvention

    Mit welchen Botschaften und Maßnahmen soll die entwickelte Namenskonvention bei allen Beteiligten und dem Management bekannt gemacht werden? Um sicher zu stellen, dass alle über das notwendige Wissen verfügen, sollten verpflichtende Schulungen für die Entwickler über die Anwendung der Namenskonvention und des Taggings erfolgen. Außerdem sollte die Namenskonvention allen Beteiligten, die mit den Systemen arbeiten, an einem für alle zugänglichen Ort abgelegt und leicht auffindbar sein – etwa in einer Wiki-Anwendung oder in der gemeinsam genutzten Dokumentenablage.

    Ein weiteres hilfreiches Feature für die Namenskonvention zur Verwaltung von Cloud-Assets ist das Taggen der Ressourcen. Über Tags können Ressourcen gefiltert und ausgewertet werden. Tags können beispielsweise Informationen über die Umgebung, den Applikationstyp, die Abteilung, die Kostenstelle und vieles mehr enthalten.

    Nach der Einführung: laufende Überprüfung und Verfeinerung des Wolken-Inventars

    Mit der Entwicklung und Einführung einer Namenskonvention ist es allein allerdings noch nicht getan: Entscheidend ist, dass die Namenskonvention auch eingehalten wird. Um die korrekte Verwendung der Namenskonvention durchzusetzen, sind daher klare Richtlinien und Schulungen für User und Entwickler bereitzustellen sowie automatische Prüfungen und Validierungen zu implementieren. Regelmäßige Audits und Reviews können dazu beitragen, Namensfehler oder Inkonsistenzen aufzudecken und zu korrigieren.

    Zu guter Letzt ist es für ein effizientes Cloud-Asset-Management wichtig, dass die Namenskonvention parallel zur sich ständig verändernden Cloud-Umgebung weiterentwickelt und verfeinert wird. Eine regelmäßige Überprüfung der bestehenden Strukturen, Richtlinien und genutzten Ressourcen ist daher unerlässlich.

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    Die Cloud ist aus der Finanzbranche in Deutschland nicht mehr wegzudenken: Bereits 82 Prozent der Finanzdienstleister nutzten 2022 Cloud-Lösungen – weitere 14 Prozent planten oder prüften ihren Einsatz für die kommenden Jahre.

    Damit hat sich das Cloud-Computing nach anfänglichem Zögern auch in der Finanzbranche innerhalb weniger Jahre fest etabliert, wie weitere Ergebnisse aus dem KPMG Cloud-Monitor 2023: Financial Services zeigen. Mehr noch: Die Cloud-Nutzung entwickelt sich rasant weiter, und die Euphorie hält an: Finanzdienstleister, die die Cloud-Technologie bereits nutzen, betreiben heute durchschnittlich 40 Prozent ihrer Anwendungen in der Cloud – und wollen diesen Anteil bis 2025 auf 75 Prozent erhöhen. Einige Institute streben für die kommenden Jahren sogar eine vollständig Cloud-basierte Arbeitsweise an.

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