Future of Risk

Umweltrisiken unter Aufsicht: Banken im Klimastresstest

EZB und Institute starten gemeinsam in eine neue Klimadatenwelt

Keyfacts:

  • Der EZB-Klimastresstest verlangt umfangreiche Daten von Banken.
  • Er bewertet, wie gut Institute auf Klimarisiken und die daraus resultierenden finanziellen und wirtschaftlichen Effekte vorbereitet sind.
  • Er markiert den Startpunkt in eine neue Klimadatenaufsicht, die Banken langfristig bewegen wird.

Es ist eines der großen Themen für Banken in diesem Jahr: der Klimastresstest der Europäischen Zentralbank (EZB). Seit Monaten sind die Institute damit beschäftigt, die notwendigen Daten zu aggregieren und aufzubereiten. Absehbar ist: Auch nach Einreichen der Unterlagen bleibt das Management von Klimarisiken ganz oben auf der Bankenagenda.

Als die EZB Ende 2021 ihre aufsichtsrechtlichen Prioritäten für die Zeit bis 2024 vorstellte, war die hervorgehobene Erwähnung von Umwelt- und Klimarisiken keine Überraschung. Das Jahr 2022 markiere mit Blick auf die Betrachtung von Klima- und Umweltrisiken einen Wendepunkt, hieß es – zumal viele Banken laut EZB in der Sache noch ein Stück des Weges vor sich hätten.

Ein Workshop im Dezember und neue Unterlagen brachten die Gewissheit zur Methodologie und dazu, welche Daten-Templates und Szenarien zum Einsatz kommen. Seit Ende Januar läuft der Stresstest, mit dem die Aufsicht bewerten will, wie gut die Banken auf finanzielle und wirtschaftliche Schocks aufgrund von Klimarisiken vorbereitet sind. Er besteht aus drei Modulen: einem Fragebogen zu Stressfähigkeiten hinsichtlich Klimarisiken, einer Benchmark-Analyse mit vergleichbaren Banken und einem Bottom-Up-Stresstest.

Test ja – durchfallen nein

Alle EZB-beaufsichtigten Banken müssen am Test teilnehmen und die Unterlagen zur Verfügung stellen. Kleinere Institute sind nicht verpflichtet, Stresstestprojektionen – also Simulationen – vorzulegen. Die Veröffentlichung der Ergebnisse hat die EZB für den 6. Juli angekündigt.

Der Test soll ein gemeinsamer Lernpfad für die Banken und die Aufsicht sein. Er zielt darauf ab, Schwachstellen, bewährte Praktiken und Herausforderungen zu ermitteln, mit denen Banken beim Management klimabezogener Risiken konfrontiert sind. Ein Test in dem Sinne, dass Banken durchfallen oder bestehen, ist es nicht – und die Ergebnisse werden auch keine direkten Auswirkungen auf die Eigenkapitalausstattung der Banken haben.

Risiken durch Hitze, Überschwemmung und den Wandel zur grünen Wirtschaft

Der Stresstest konzentriert sich lediglich auf bestimmte Anlageklassen, die dem Klimarisiko ausgesetzt sind, nicht auf die Gesamtbilanzen der Banken. Die verwendeten Szenarien spiegeln mögliche zukünftige Klimapolitiken wider und bewerten sowohl physische Risiken wie Hitze, Dürren und Überschwemmungen als auch kurz- und langfristige Risiken, die sich aus dem Übergang zu einer grüneren Wirtschaft ergeben.

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Der Stresstest ist erst der Anfang

Die Botschaft, die aus dem Stresstest spricht: Die EZB misst ESG-Risiken und ESG-Daten eine hohe Bedeutung zu. Und: Jetzt wird es konkret. Das Methodenpapier der EZB zum Klimastresstest setzt wichtige Leitplanken für die Quantifizierung finanzieller Auswirkungen von Klimaszenarien.

Außerdem ist davon auszugehen, dass die Maßnahme eine zweite Botschaft enthält: Der erste Klimastresstest der EZB wird nicht der letzte sein. Er markiert vielmehr den Startpunkt einer zunehmend engmaschigen Aufsicht über Umwelt- und Klimarisiken in den Banken. Nach dieser ersten Lernübung werden die Institute zum Teil deutliche Schritte unternehmen müssen, um die Zuverlässigkeit der Zahlen zu verbessern. Schließlich ist mit Kapitalanforderungen zu rechnen.

Für diese aufsichtsrechtliche Übung haben die Banken einen großen Sprung bei der Beschaffung von Klimadaten, der Entwicklung von Methoden zur Risikoquantifizierung und der Erweiterung von IT-Systemen gemacht.

Aufbau einer verlässlichen Datenbank und Lieferkette für ESG-Daten

Wie geht es nun für die Banken weiter, nachdem sie die ersten Stresstestergebnisse an die EZB übermittelt haben? Neben der Begleitung des Qualitätssicherungsprozesses der EZB blicken die Banken nach vorn und fokussieren sich auf den Aufbau ihrer internen Stresstestkapazitäten.

Erforderlich ist der Aufbau einer verlässlichen Datenbank für Klimadaten, zum Beispiel Emissionsdaten und Energiezertifikate sowie eine Art Lieferkette für ESG-Daten. Vielfach wird das die Zusammenarbeit mit externen Datenprovidern bedeuten – all das vor einem Hintergrund, in dem Vorbilder aus der Vergangenheit fehlen.

Was die Methoden und Szenarien angeht, haben die Banken noch einen weiten Weg vor sich, um die Wirkungskanäle von Klimarisiken in ihrem ganzen, komplexen und zusammenhängenden Umfang zu quantifizieren. Für Banken und Bankenaufsicht werden Klima- und Umweltrisiken also auch in absehbarer Zukunft eine hohe Priorität haben.

 

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