Den ökologischen Fußabdruck verringern: Wie nachhaltig ist die Cloud?

Von Design über Beschaffung bis Betrieb: Mit 10 Maßnahmen zur grünen Cloud

Key Facts:

  • Nahezu die Hälfte der CO2-Ausstöße im Banken- und Versicherungssektor werden durch die IT in Unternehmen verursacht.
  • Die Cloud ist Teil der Lösung – sie kann eine nachhaltige und energieineffiziente Alternative zu On-Premise-IT sein.
  • Wir stellen zehn Maßnahmen vor, die dabei helfen, Nachhaltigkeitspotenziale der Cloud umzusetzen.

Nachhaltigkeit als Megatrend im Bankensektor

Gerade in der Finanzindustrie lohnt sich der Blick auf die IT, wenn es um Potenziale für den Wandel zu einem nachhaltigen Unternehmen geht. Studien zeigen: Fast die Hälfte der Co2-Ausstöße in Banken und Versicherungen entfallen auf die Unternehmens-IT. Damit liegt der Finanzsektor im Branchenvergleich sogar vor energieintensiven Branchen wie der industriellen Produktion.

Abhilfe verspricht die Public Cloud (zum Beispiel von Anbietern wie AWS, Google Cloud, Microsoft Azure). Sie kann den durchschnittlichen Energieverbrauch (etwa für den Betrieb und das Kühlen von Servern) senken und die Effizienz in der Erstellung von Dienstleistungen und Produkten steigern.

Grüne Lösungen sind für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit längst erforderlich. Schließlich legen immer mehr Verbraucher:innen großen Wert auf nachhaltige Finanzprodukte. Und das Anfang des Jahres in Kraft getretene Lieferkettengesetz sowie die Vorgaben aus der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) verstärken den regulatorischen Druck auf die Unternehmen, nachhaltig zu wirtschaften und transparent darüber Rechenschaft abzulegen. Wie also gelingt die „Green Cloud“?

„Green Cloud“ – nicht auf die Anbieter verlassen

Um die Energiesparpotenziale der Cloud realisieren zu können, sollten sich Verantwortliche in Unternehmen nicht allein auf die Nachhaltigkeitsbemühungen der Cloudanbieter verlassen. Denn sie richten ihre Services insbesondere aufgrund der niedrigeren Preise für Strom und Wasser an den Standorten der Rechenzentren nicht notwendigerweise energie- und wassereffizient aus.

Darüber hinaus verwenden Cloudanbieter häufig keine nachhaltige Energie und Hardware. Eine ineffizient gestaltete Anwendung kann in der Cloud außerdem einen ebenso hohen Stromverbrauch erzeugen wie im On-Premise-Server. Die größte Annäherung an einen grünen Cloud-Betrieb erreichen IT-Abteilungen nur mit weiteren, selbst verantworteten Maßnahmen, die in die Prozesse hineinwirken – von Design über Beschaffung bis hin zu Wartung und Weiterentwicklung.

Unsere Top 10 Maßnahmen für einen nachhaltigen Cloud-Betrieb

Bei der Realisierung der Nachhaltigkeitspotenziale der Cloud sollten Banken vor allem diese zehn Aspekte beachten:

Interne Maßnahmen (insbesondere bei IaaS und PaaS)

  1. Beziehen Sie Überlegungen zu Performance und Energieeffizienz beim Design Ihrer Anwendungen in der Cloud ein (zum Beispiel Codeeffizienz).
  2. Überwachen Sie die Energieeffizienz Ihrer Anwendungen im Zeitverlauf mit Hilfe von Big Data (etwa über das Messen von Energieverbrauchsspitzen).
  3. Stellen Sie Ihren Mitarbeitenden nachhaltig produzierte Endgeräte (Laptops, Smartphones) zur Verfügung.

Maßnahmen im Anbietermanagement (bei SaaS, IaaS und PaaS)

Stellen Sie sicher, dass Cloudanbieter

  1. Nachhaltigkeitsaspekte im gesamten Wertschöpfungsprozess berücksichtigen (von der Beschaffung bis zur Entsorgung der Server),
  2. energieeffiziente und nachhaltig produzierte Hardware verwenden,
  3. einen Ansatz für die Erhöhung der Nachhaltigkeit bei der (Weiter-) Entwicklung aller ihrer SaaS-, IaaS- und PaaS- Lösungen verfolgen – etwa mit Blick auf die zunehmende Automatisierung,
  4. auf erneuerbare Energien setzen (unter anderem Wind und Solar),
  5. ein intelligentes Energiemanagement einsetzen, indem sie zum Beispiel ungenutzte Server herunterfahren,
  6. die Wassereffizienz der Serverkühlung berücksichtigen (zum Beispiel durch die regelmäßige Instandhaltung der Kühlsysteme),
  7. ein angemessenes Ressourcenmanagement vom Load Balancing bis zum Ressourcenmonitoring betreiben, zum Beispiel mittels moderner ERP-Systeme.

Um die Nachhaltigkeit der Cloudlösungen messen und überwachen zu können, bietet sich ein Nachhaltigkeitsreporting an. Erkundigen Sie sich danach, wie Sie der Anbieter regelmäßig über die wichtigsten Nachhaltigkeits-KPIs informiert. Schon bei der Auswahl des Anbieters sollten die Möglichkeiten eines solchen Reportings im Ausschreibungsprozess mit hoher Priorität berücksichtigt werden. Mit Zertifizierungen wie „Trusted Site Energy Efficiency“ des TÜVIT oder ISO 20400 können Cloudanbieter ihre Nachhaltigkeit bestätigen lassen – achten Sie als Auftraggeber auf solche Labels.

Der Einsatz lohnt sich – im Sinne der Nachhaltigkeit und der Kosten: Durch die Umsetzung dieser Maßnahmen können bei der Implementierung der Cloud große Energieeinsparungen und deutliche Verringerungen der Kohlenstoffemissionen erreicht werden.

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Die Cloud ist aus der Finanzbranche in Deutschland nicht mehr wegzudenken: Bereits 82 Prozent der Finanzdienstleister nutzten 2022 Cloud-Lösungen – weitere 14 Prozent planten oder prüften ihren Einsatz für die kommenden Jahre.

Damit hat sich das Cloud-Computing nach anfänglichem Zögern auch in der Finanzbranche innerhalb weniger Jahre fest etabliert, wie weitere Ergebnisse aus dem KPMG Cloud-Monitor 2023: Financial Services zeigen. Mehr noch: Die Cloud-Nutzung entwickelt sich rasant weiter, und die Euphorie hält an: Finanzdienstleister, die die Cloud-Technologie bereits nutzen, betreiben heute durchschnittlich 40 Prozent ihrer Anwendungen in der Cloud – und wollen diesen Anteil bis 2025 auf 75 Prozent erhöhen. Einige Institute streben für die kommenden Jahren sogar eine vollständig Cloud-basierte Arbeitsweise an.

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