ESG-Reporting-Tools als strategischer Hebel für Governance und Performance in Banken

Warum Banken ESG-Reporting-Tools nutzen sollten

Keyfacts

  • Nach den ersten CSRD-Berichten und ihrer Aktualisierung rückt für Banken die Effizienz ihrer ESG-Prozesse in den Mittelpunkt.
  • ESG-Reporting-Tools entfalten ihren vollen Nutzen nur, wenn sie in klar definierte Prozesse und eine konsistente Governance eingebettet sind.
  • Automatisierung stärkt Prüfungsfähigkeit und ermöglicht die Integration von ESG in die Banksteuerung.

Viele Finanzinstitute haben im vergangenen Jahr ihren ersten CSRD-Bericht veröffentlicht und aktualisieren diesen bereits erneut. Der hohe manuelle Aufwand, enge Fristen und komplexe Abstimmungen haben dabei strukturelle Schwächen in bestehenden ESG-Prozessen offengelegt. Mit der Veröffentlichung der Berichte ist diese Phase jedoch nicht abgeschlossen – im Gegenteil: Die eigentliche Herausforderung beginnt jetzt.

ESG-Daten werden in vielen Instituten weiterhin manuell erhoben und aus unterschiedlichen Quellen zusammengeführt. Einheitliche Prozessstandards fehlen, Verantwortlichkeiten sind nicht klar dokumentiert, Freigaben erfolgen teilweise außerhalb definierter Governance-Strukturen. Dieses fragmentierte Vorgehen erhöht die Fehleranfälligkeit, erschwert die Nachvollziehbarkeit und verursacht hohe Prozesskosten. Zugleich entstehen operative und regulatorische Risiken, die unter den Anforderungen von BCBS 239, den EBA-Guidelines für ESG-Risiken sowie der CSRD künftig kaum noch tragfähig sind.

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ESG-Reporting-Tools setzen genau an diesen Schwachstellen an. Ihr Mehrwert entsteht jedoch nicht allein durch Technologie. Ohne harmonisierte Abläufe, klar definierte Rollen und eine konsistente Datenarchitektur bleiben sie isolierte Insellösungen. Erst wenn Prozesse standardisiert, Schnittstellen automatisiert und Governance-Strukturen eindeutig verankert sind, entsteht ein robustes, prüfsicheres Reporting. Gleichzeitig stärkt dieser Ansatz die regulatorische Resilienz und schafft Transparenz für weiterführende Steuerungsanfragen.

Drei Ebenen der Wirkung eines ESG-Reporting-Tools

Quelle: KPMG in Deutschland, 2026

In der Praxis zeigt sich, dass Reporting-Lösungen häufig bereits nach kurzer Zeit messbaren Nutzen liefern. Sie reduzieren Nacharbeiten und externe Prüfleistungen, verringern das Risiko regulatorischer Abweichungen – und häufig amortisieren sie sich schnell. Gleichzeitig entsteht Freiraum für strategische Aufgaben wie die Integration von ESG-Daten in die Banksteuerung und das kontinuierliche Monitoring zentraler ESG-Kennzahlen. So entwickelt sich Reporting von einer reinen Pflicht zur aktiven Steuerungskomponente.

Vielfältiger Markt, hohe Anforderungen an die Auswahl

Der Markt für ESG-Reporting-Tools ist breit und heterogen. Anbieter unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Funktionalität, Workflow-Automatisierung, Audit-Trail, regulatorischer Konformität sowie Anforderungen an IT-Sicherheit und Schnittstellen. Für eine erfolgreiche Einführung ist zudem die enge Zusammenarbeit aller relevanten Fachbereiche entscheidend. Diese Vielfalt an Lösungen und Anforderungen macht die Auswahl komplex: Entscheidend ist eine Lösung, die klare Governance-Strukturen unterstützt und sich nahtlos in bestehende Prozesse integrieren lässt.

Warum digital gestütztes ESG-Reporting jetzt strategisch relevant bleibt

Auch wenn ESG zeitweise weniger Aufmerksamkeit erhält, bleibt das Thema für die Aufsicht und damit auch für die Banksteuerung zentral. Regulatorische Anforderungen zielen zunehmend auf eine konsistente, nachvollziehbare und institutionell verankerte Behandlung von Nachhaltigkeitsaspekten. Genau hier zeigen sich bei vielen Instituten erhebliche Lücken.

Manuelle Prozesse, dezentrale Datenerfassung und fehlende systemgestützte Kontrollen sind unter diesen Bedingungen nicht mehr tragfähig. Erste Prüfungen zeigen bereits, dass durchgängige Freigabestrecken, dokumentierte Verantwortlichkeiten und belastbare Governance-Strukturen mangelhaft sind. Institute, die diese Anforderungen nicht erfüllen, müssen mit zunehmenden Prüffeststellungen, zusätzlichen Datennachlieferungen und einem erhöhten Revisionsaufwand rechnen.

Ein strukturiertes, digital unterstütztes ESG-Reporting reduziert den manuellen Aufwand deutlich, senkt Fehlerquoten und verkürzt Durchlaufzeiten spürbar. Validierungen erfolgen automatisiert, Abstimmungen werden nachvollziehbar und die Konsistenz zwischen Risiko-, Kredit- und Nachhaltigkeitsdaten steigt messbar. Damit verbessert sich nicht nur die Vorbereitung auf Prüfzyklen, sondern auch die Widerstandsfähigkeit gegenüber neuen regulatorischen Anforderungen – und das ESG-Reporting wird vom Pflichtprogramm zum echten Stabilitäts- und Leistungsfaktor für die Gesamtbank.

Dieser Text entstand unter Mitwirkung von Sofiène Cherif und Anna Goldmann.