Wie KI das Security Operations Center in Finanzinstituten effizienter macht

Warum regulatorischer Druck, Kosten und Komplexität ein Update des SOC erfordern

Keyfacts:

  • Regulatorische Anforderungen wie BAIT und DORA machen ein leistungsfähiges SOC für Finanzinstitute verpflichtend.
  • Hohe Kosten und operative Engpässe bremsen viele SOCs und erschweren schnelle, fundierte Entscheidungen.
  • Künstliche Intelligenz kann Analyse, Priorisierung und Reaktion unterstützen – vorausgesetzt, Planung und Integration stimmen.

Viele Finanzinstitute betreiben seit den frühen 2000er Jahren ein Security Operations Center (SOC) – als zentrale Steuerungszentrale und operatives Cockpit der Unternehmenssicherheit. Spätestens mit der BAIT-Novelle von 2021 wurde eine ständig besetzte Sicherheitsfunktion verbindlich verankert. Mit DORA wurden die Resilienz- und Meldeanforderungen europaweit weiter verschärft und der Druck auf Effizienz und Standardisierung im Betrieb erhöht.

Trotz dieser klaren Rahmenbedingungen ist der Reifegrad vieler SOCs weiterhin niedrig. Prozesse sind häufig komplex, Analysen zeitaufwendig und Reaktionen nur begrenzt skalierbar. Gleichzeitig sehen sich Finanzinstitute einer wachsenden Bedrohungslage, einer Flut von Sicherheitsmeldungen und hohem Zeitdruck bei Entscheidungen gegenüber.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, warum viele SOCs heute als kostenintensiv und ineffizient wahrgenommen werden – und weshalb ein strukturelles Update notwendig ist.

Warum SOCs häufig teuer und ineffizient sind

In vielen Finanzinstituten ist das Security Operations Center ein erheblicher Kostenblock. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  1. Regulatorische Vorgaben erfordern eine verlässliche 24/7‑Besetzung. Schichtmodelle und hochqualifiziertes Personal treiben die Personalkosten dauerhaft nach oben.
  2. Lizenzen und Betrieb zahlreicher Sicherheitssysteme wie SIEM, EDR, TI, SOAR verursachen hohe laufende Kosten. Hinzu kommen Aufwände für Datenhaltung und gesetzlich vorgeschriebene Aufbewahrungsfristen.
  3. Regulatorische Vorgaben erhöhen die Prozess‑ und Reportinglast.

Parallel dazu bleibt der Kostendruck im Banking hoch: Laut der KPMG-Studie „Generative KI in der deutschen Wirtschaft“ geben 91 Prozent der Führungskräfte an, klare Kostenziele zu verfolgen, und 85 Prozent sehen Kostenmanagement als kritischen Bestandteil ihrer Strategie.

Hinzu kommen externe Faktoren wie steigende Einlagenkosten, die Margen belasten und Effizienzziele zusätzlich verschärfen.

Operative Herausforderungen im SOC-Betrieb

Neben den Kosten erschweren vor allem operative Probleme den effizienten Betrieb vieler Security Operations Center:

1

Monitoring

Die Interpretation und Vereinheitlichung von Ereignissen ist komplex. Protokolle stammen aus unterschiedlichen Quellen und werden oft unzureichend aufbereitet. Zwar lassen sich große Datenmengen an zentrale Auswertungssysteme weiterleiten, doch fehlt im Alltag die Zeit zu prüfen, ob alle relevanten Informationen korrekt verarbeitet werden.

2

Transparenz

Besonders kritisch ist der fehlende Überblick über geschäftskritische Systeme. Oft ist unklar, welche Daten diese Systeme tatsächlich protokollieren und ob sie angemessen überwacht werden. Dadurch entstehen Erkennungslücken, und sicherheitsrelevante Vorfälle könnten unentdeckt bleiben.

3

Reaktionsdruck

Im Response-Bereich stehen Analystinnen und Analysten unter hohem Zeitdruck. Entscheidungen müssen oft auf Basis unvollständiger Informationen getroffen werden. Neue Angriffsmuster oder unbekannte Systeme erzwingen Annahmen, die erst durch zeitaufwendige Rückfragen oder Recherchen überprüft werden können.

4

Kontext

Zusätzliche Zeit kostet die manuelle Anreicherung und Kontextualisierung von Vorfallinformationen. Informationen zu bekannten Angriffsmethoden oder Indicators of Compromise sind meist vorhanden, doch die manuelle Suche kostet Zeit, die in kritischen Situationen nicht verfügbar ist.

5

Playbooks

Ein weiterer Engpass ist die Auswahl und Anpassung geeigneter Reaktionsabläufe. Incident‑Response‑Playbooks sind häufig nicht standardisiert oder nur unzureichend dokumentiert. Das erhöht die Fehleranfälligkeit und verzögert die Bearbeitung von Vorfällen.

6

Reporting

Auch die Erstellung von Management-Reports stellt eine Herausforderung dar. Viele Fachkräfte empfinden diese Aufgabe als zeitintensiv oder verfügen nicht über die nötige Erfahrung für die adressatengerechten Aufbereitung. Das führt zu Verzögerungen und erschwert die Kommunikation mit dem Management.

Technische Grenzen klassischer Ansätze

Zwar stehen moderne Werkzeuge zur Verfügung, doch fehlt es häufig an Konzepten, um sie intelligent miteinander zu verbinden. Individuell angepasste Promptbooks, mit denen KI gezielt für Analyse-, Triage- oder Response-Aufgaben eingesetzt werden kann, sind in vielen Organisationen nicht etabliert.

Gleichzeitig setzen viele Unternehmen auf isolierte Out-of-the-Box-Lösungen, die einzelne Aufgaben effizient lösen, jedoch kaum Raum für den integrierten Einsatz von künstlicher Intelligenz bieten. Das Ergebnis sind fragmentierte Tool-Landschaften, hoher manueller Aufwand und begrenzte Skalierbarkeit.

Um diese technischen Hürden zu überwinden, braucht es einen Ansatz, der Daten, Prozesse und Automatisierung zusammenführt – und künstliche Intelligenz systematisch in den SOC-Betrieb einbettet.

Mögliche Lösungen: Wie KI im SOC wirksam eingesetzt werden kann

Die beschriebenen Herausforderungen erfordern einen strategischen Ansatz, der sowohl technologische Innovation als auch organisatorische Anpassungen umfasst und künstliche Intelligenz systematisch in den SOC-Betrieb integriert.

1. KI-gestützte Log-Verarbeitung und Analyse:

Ein zentraler Hebel liegt im Umgang mit Ereignisdaten. Für Probleme im Bereich Event-Interpretation und Log Parsing bietet sich die Entwicklung einer KI-gestützten Log-Factory an. Kern dieser Lösung ist eine leistungsfähige Datenpipeline, die Rohdaten aus unterschiedlichen Quellen aufnimmt und in einem zentralen Security Data Lake zusammenführt.

Neben klassischen Logdaten können dort auch ergänzende Informationen wie Threat-Intelligence-Daten, Ergebnisse aus Schwachstellenscans, Penetrationstests oder Red-Teaming-Aktivitäten integriert werden.

KI unterstützt dabei, relevante Informationen aus unstrukturierten Daten automatisch zu extrahieren, zu normalisieren und anzureichern. Die aufbereiteten Daten stehen anschließend für die Analyse in bestehenden Auswertungssystemen zur Verfügung.

Der manuelle Aufwand sinkt deutlich, während Qualität und Konsistenz der Datenverarbeitung steigen. Gleichzeitig entsteht eine skalierbare Basis für weiterführende Analysen.

KI-Implementierung bei Banken und Finanzdienstleistern

Unser KI-Playbook zeigt, wie Banken die Technologie strukturiert in acht Schritten einführen können – von der Vision über die Use-Case-Priorisierung bis hin zur Befähigung der Belegschaft. 

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2. Intelligente Unterstützung in der Incident Response:

Im Response Bereich liegt der Schlüssel in der Integration zusätzlicher Intelligenz in die bestehende Toollandschaft. Wer zum Beispiel auf einen Microsoft-Stack setzt, kann den Security Copilot nutzen, der mit vordefinierten Promptbooks bestimmte Aufgaben wie die Anreicherung von Vorfallinformationen oder die Erstellung von Incident-Response-Reports automatisiert.

Da jedoch nicht alle Herausforderungen durch Standard-Promptbooks abgedeckt sind, müssen Unternehmen eigene Bibliotheken entwickeln. Dies erfordert Know-how und eine klare Strategie, um die individuellen Anforderungen der Organisation zu berücksichtigen.

3. Integration externer Datenquellen:

Ein weiterer Aspekt ist die Integration von Drittanbieter-Tools. Nutzt ein Unternehmen beispielsweise eine alternative Threat-Intelligence-Lösung, muss ein individuelles Plugin erstellt werden, das die Daten in die Promptbooks einbindet.

Die Entwicklung solcher Plugins ist komplex und erfordert spezialisiertes Wissen, weshalb externe Beratung hier einen deutlichen Mehrwert bieten kann.

4. Security Data Lake als integrative Basis:

Als technologieunabhängige Alternative empfiehlt sich die Einführung eines umfassenden Security Data Lakes, der sicherheitsrelevante Daten aus unterschiedlichen Quellen bündelt und sie für KI-gestützte Analysen nutzbar macht. Diese Informationen können ad hoc durch KI aufbereitet und über Prompts durchsucht werden.

In einer weiterentwickelten Ausbaustufe kann der Data Lake mit Lösungen zur Orchestrierung und Automatisierung von Sicherheitsprozessen verbunden werden. Analyse und Reaktion greifen dann nahtlos ineinander.

Durch diese Integration entsteht eine konsistente Plattform, die Monitoring, Analyse und Reaktion in einem Workflow vereint. Über KI-gesteuerte Prompts können nicht nur Analysen durchgeführt, sondern auch automatisierte Remediation-Maßnahmen ausgelöst werden. Damit wird das SOC von einer reaktiven Einheit zu einem proaktiven Steuerungszentrum.

Planung und Prüfung haben oberste Priorität

Künstliche Intelligenz eröffnet neue Möglichkeiten, Security Operations Center gezielt zu entlasten. Sie unterstützt dabei, Daten aus unterschiedlichen Quellen intelligent zu verarbeiten, Risiken zu priorisieren und kritische Entscheidungen im SOC besser abzusichern. Damit adressiert sie zentrale Ursachen für Ineffizienzen im heutigen SOC-Betrieb.

Lösungen wie KI-gestützte Log-Verarbeitung, die Einrichtung eines Security Data Lakes und die Entwicklung individueller Promptbooks schaffen die Basis für ein leistungsfähiges und zukunftsfähiges SOC. In Kombination mit automatisierten Workflows lassen sich Analyse und Reaktion enger verzahnen und manuelle Aufwände reduzieren.

Banken und andere Finanzinstitute sollten frühzeitig prüfen, welche Datenquellen eingebunden werden können, wie sich bestehende Systeme integrieren lassen und welche Anpassungen für eine effektive Nutzung von KI notwendig sind. So wird das Security Operations Center schrittweise von einer reaktiven Einheit zu einem tragenden Bestandteil der digitalen Resilienz.