Carve-out-Abschlüsse/ Kombinierte Abschlüsse in der Praxis

Empirische Untersuchung zur Praxis von kombinierten Abschlüssen in Deutschland.

Wenn der herauszulösende Geschäftsbereich aber (noch) nicht als geschlossener Teilkonzern strukturiert ist, kann die Finanzhistorie etwaiger wirtschaftlicher Aktivitäten nicht durch einen Konzernabschluss dargestellt werden. Gleichzeitig benötigen aber potenzielle Investoren aussagekräftige Finanzinformationen. Darum haben sich an dieser Stelle kombinierte und Carve-out Abschlüsse nach IFRS in der Praxis etabliert. Da es innerhalb der IFRS keine detaillierten Regelungen zur Aufstellung von kombinierten Abschlüssen gibt, ist es höchste Zeit, die gängige Praxis näher zu betrachten (zu den theoretischen Grundlagen vgl. auch IFRS visuell, 8. Auflage, Anlage zu kombinierten und Carve-out-Abschlüssen nach IFRS). Genau dieser Umstand war der Anlass für unsere empirische Untersuchung „Kombinierte und Carve-out Abschlüsse in der Praxis“.

Eine empirische Untersuchung zur Praxis von kombinierten Abschlüssen – Aus der Praxis für die Praxis

Um ein repräsentatives Bild von der gängigen Praxis von Kapitalmarkttransaktionen in Deutschland zu erhalten, haben wir eine Stichprobe von insgesamt 21 kombinierten Abschlüssen genauer analysiert. Alle wurden im Rahmen von Börsengängen an der Frankfurter Wertpapierbörse in Wertpapierprospekten veröffentlicht. Darunter befinden
sich viele namhafte Börsengänge wie die IPOs von Siemens Healthineers (Carve-out aus dem Siemens Konzern), Covestro (Carve-out aus dem Bayer Konzern) und Uniper (Carve-out aus dem E.ON-Konzern).

Bei der empirischen Auswertung haben wir die aus unserer Sicht wichtigsten Ausgestaltungsmerkmale betrachtet:

  • ­ Aufstellungsmethode
  • Ausgestaltung der Segmentberichterstattung
  • Angaben zum Ergebnis je Aktie
  • Bilanzierung von Ertragsteuern
  • Eigenkapitalertragsausweis im ersten konsolidierten Konzernabschluss
  • Ausweis der Kaufpreiszahlungen in der Kapitalflussrechnung

Komplexe Herausforderung, Diversität in der Praxis

Die empirische Untersuchung förderte zahlreiche interessante Erkenntnisse zur derzeit gängigen Praxis zutage. Dabei lässt sich zunächst feststellen, dass die Bilanzierungspraxis
in Teilen immer noch recht heterogen ist.

So zum Beispiel auch bei der viel diskutierten Frage, ob ein kombinierter Abschluss als erstmaliger IFRS-Abschluss einer Berichtseinheit zu klassifizieren ist und mithin in den Anwendungsbereich von IFRS 1 fällt. Die Anwendung bzw. Nichtanwendung von IFRS 1 kann weitreichende Folgen haben, insb. im Hinblick auf die Ansetzbarkeit von Effekten aus übergeordneten Unternehmenserwerben (sog. ppa adjustments und top level goodwills). Insgesamt besteht diesbezüglich in der Praxis zwar Diversität, es zeichnet sich aber jüngst ein Trend gegen eine IFRS 1-Anwendung ab. In diesen Fällen werden kombinierte Abschlüsse regelmäßig nach der sogenannten extraction method aufgestellt, wonach Effekte aus übergeordneten Unternehmenserwerben grundsätzlich auf Basis wirtschaftlicher Kriterien in den Abschluss einzubeziehen sind.

Die Stichprobe zeigt eines jedoch überdeutlich: Kombinierte Abschlüsse im Rahmen von Carve-out-Projekten gehören mit zu den komplexesten und spannendsten Herausforderungen, die derzeit am Kapitalmarkt zu finden sind. Gerade dadurch, dass ihre Relevanz auf absehbare Zeit zunehmen wird, ist eine weitere Beschäftigung mit der Bilanzierungspraxis bei Carve-outs sinnvoll. Die empirische Untersuchung versteht sich hier als Grundlagenarbeit, die die Diskussion rund um die Bilanzierungspraxis bei Carve-outs beleben soll und auf deren Basis Handlungsfelder und Anpassungsbedarfe identifiziert werden können.

Kombinierte und Carve-out-Abschlüsse in der Praxis

Die IFRS enthalten keine Regelungen zur Aufstellung von kombinierten und Carve-out-Abschlüssen, sodass sich in Literatur und Praxis bestimmte Gestaltungs- und Ermessensspielräume herausgebildet haben. Wie sieht die Bilanzierungspraxis bei solchen Abschlüssen in Deutschland aus? Unsere empirische Untersuchung gewährt hierzu Einblicke.

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