Innovation

Blockchain beeinflusst die gesamte Investmentbranche

Was die Veränderung der Marktteilnehmer und Wertschöpfungskette für Asset Manager bedeutet

Das Potenzial der Blockchain-Technologie in Verbindung mit digitalen Vermögenswerten für die Investmentbranche wird zunehmend greifbarer und rückt in den Fokus der Regulatoren. Die aktuellen Initiativen zur Schaffung rechtlicher und regulatorischer Rahmenbedingungen auf nationaler und europäischer Ebene ebnen der Technologie dabei den Weg, Marktteilnehmer und Wertschöpfungsketten grundlegend zu verändern.

Was ist eigentlich Blockchain?

Von Blockchain und Kryptowährungen, wie Bitcoin, wird häufig synonym gesprochen. Hinter dem Begriff Blockchain verbirgt sich allerdings viel mehr, nämlich die sogenannte „Distributed Ledger Technologie (DLT)“, die nicht nur Kryptowährungen abbilden kann. DLT-Plattformen teilen gemeinsame Eigenschaften, die die Technologie insbesondere für die Finanzwelt interessant machen. Die Technologie verknüpft Transaktionen (bspw. Überweisungen, Bestellungen, Wertpapierkäufe, etc.) in digitalen Datenketten. Auf einer Vielzahl an dezentralen Rechnern ist dieselbe Datenkette mit den gleichen Informationen abgespeichert. Dadurch hat kein einzelner Marktteilnehmer die vollständige Kontrolle über die Daten. Eine Manipulation ist somit nahezu ausgeschlossen. In unseren traditionellen Finanzökosystemen laufen Transaktionen dagegen über Intermediäre und werden in zentralisierten Datenbanken gespeichert, was eine Manipulation vereinfacht und zudem zu einer Abhängigkeit von einzelnen Marktteilnehmern führt.

Durch die Dezentralisierung in Blockchain-Ökosystemen wird ein Intermediär nicht mehr benötigt (Peer-to-Peer-Netzwerk). Für die Investmentbranche wird die Technologie insbesondere durch sogenannte Smart Contracts1 interessant. Über diese lassen sich vertragliche Regelungen digital auf einer DLT-Plattform abbilden und automatisieren2. Zum Beispiel können Eigentumsrechte von digitalen Assets in Form von Tokens dargestellt und dahinterliegende ereignisbasierte Zahlungen (z. B. Zinsen, Dividenden, etc.) automatisiert ausgeführt werden.

Was heißt das für die Investmentbranche?

Aus den beschriebenen Eigenschaften von DLT-Plattformen und der zunehmenden Nachfrage nach digitalen Vermögenswerten, ergeben sich verschiedenste Anwendungsfälle für die Investmentbranche. Durch einen gezielten Einsatz der Technologie wird die operative Effizienz gesteigert und neue Umsatzkanäle werden erschlossen. Dabei zeichnet sich ein Einsatz insbesondere durch eine Verschlankung der Prozesse aus. Die folgenden Beispiele verdeutlichen das Potenzial entlang der Wertschöpfungskette eines Asset Managers:

  • Settlement: Ein naheliegender Anwendungsfall ist die Vereinfachung des komplexen Settlement-Prozesses. Durch die Möglichkeit des direkten Handels zwischen zwei Parteien, der Abbildung der vereinbarten Zahlungsströme in einem Smart Contract und der Hinterlegung der Eigentumsrechte im verteilten Ledger wird das Settlement vollständig automatisiert und transparent gestaltet. Ein Intermediär und zusätzliche Abstimmstrecken fallen weg.
  • Pre- & Post-Trade Compliance: Durch die Abbildung von gesetzlichen und vertraglichen Anlagerestriktionen über Smart Contracts werden Alerts getriggert und Allokationsentscheidungen automatisiert.
  • Vertrieb: Durch eine direkte Vernetzung von Asset Manager zu Endkunde und die Sicherstellung der Eigentumsrechte über den dezentralen Ledger wird ein einfacher und gezielter kundenindividueller Direktvertrieb möglich. Neben einem deutlich schnelleren und transparenteren Handel werden Endkunden zudem auch von neuen Produkten durch Tokenisierung profitieren. Für die Abbildung digitaler Vermögenswerte in Form von Tokens drängt sich der Einsatz von DLT-Technologie auf.

Neben diesen drei Beispielen kann von einem starken Einfluss auf einen Großteil aller Funktionsbereiche eines Asset Managers ausgegangen werden. Bei all diesem Potenzial stellt sich die Frage, warum sich die Technologie trotz eines zunehmenden Reifegrads noch nicht flächendeckend in der Investmentbranche verbreitet hat.

Warum ist der Zeitpunkt zum Handeln jetzt?

Ein wesentlicher Faktor, warum die Investmentbranche bisher zurückhaltend agiert hat, war die fehlende Rechtssicherheit und der fehlende regulatorische Rahmen. Insbesondere die Möglichkeit der Abbildung rein digitaler Vermögenswerte in Form von Tokens ist für einen nutzenstiftenden Einsatz der DLT-Technologie entscheidend. In dieser Hinsicht wurden auf europäischer und deutscher Ebene deutliche Anstrengungen unternommen und verschiedene Initiativen eingeleitet, um eine klare Regulierung von Kryptowerten, also digitalen, blockchainbasierten Vermögenswerten zu schaffen. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang der Gesetzentwurf zur Einführung von elektronischen Wertpapieren (eWpG) im August 2020 in Deutschland. Der Gesetzentwurf sieht dabei die Loslösung der Wertpapierurkunde bei Eintragung in ein elektronisches Wertpapierregister vor. Dieses kann dabei zentral, aber eben auch dezentral auf einer Blockchain-Infrastruktur abgebildet werden. Der Emittent kann auch selbst mit entsprechender Erlaubnis der BaFin die Funktion der registerführenden Stelle wahrnehmen. Der Entwurf beschränkt sich zwar im ersten Schritt ausschließlich auf Schuldverschreibungen, aber eine Ausweitung auf andere Wertpapiergattungen ist bereits geplant.

Fazit/Key Facts:

Das Thema begleitet uns bereits länger und hat die typische Hype-Phase mit übertriebenen Erwartungshaltungen an eine neue Technologie überwunden (s. Gartner Hype Cycle). Lösungen erlangen zunehmend einen höheren Reifegrad und lassen sich deutlich einfacher in bestehende Architekturen integrieren. Die DLT in Kombination mit den regulatorischen Initiativen führt zu fundamentalen Veränderungen in der Investmentbranche. Der richtige Zeitpunkt, um die Veränderungen mitzugestalten, ist jetzt!

 

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Warum sollten Unternehmen das Thema Innovation aktiv steuern? Reicht es nicht, sich wie bisher einfach organisch weiterzuentwickeln oder gar dem Zufall zu überlassen? In Zeiten der digitalen Transformation ganz klar: nein.

Denn der Sog neuer Technologien, Trends und Bedürfnissen ist so stark, dass sich ihm keine Branche entziehen kann. Was heute noch Erfolg verspricht, ist morgen schon Geschichte. Um ihren Erfolg zu sichern, müssen sich Unternehmen deshalb in immer kürzeren Zeiträumen kontinuierlich neu erfinden – dies kann man nicht dem Zufall überlassen.

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