Kein Geld mehr zum Sparen: Was bedeutet das für das Asset Management?

Jetzt die Zukunft des Asset Managements vordenken

Keyfacts:

  • Das unsichere politische Umfeld treibt die Inflation und schwächt die Wirtschaft – Anleger:innen bleibt wenig Geld zum Sparen.
  • Erste Marktverwerfungen sind zu beobachten: Die Spareinlagen sinken und Fonds fließen weniger Mittel zu.
  • Deshalb sollten Vermögensverwalter jetzt die Zukunft des Asset Management vordenken.

Das Thermostat herunterregeln, Pullis und dicke Socken bereitlegen – viele Deutsche wollen sich im kommenden Herbst und Winter beim Heizen einschränken. Und Umfragen zeigen: Viele kaufen schon jetzt weniger ein und drehen den Euro zwei Mal um – ob im Supermarkt, in der Freizeit oder bei der Planung von Urlaubsreisen. Grund sind die steigenden Energiepreise, aber nicht nur die: Vieles wird teurer. Mit mehr als sieben Prozent erleben Wirtschaft und Verbraucher:innen derzeit die höchsten Inflationsraten seit der Energiekrise in den 1970er Jahren.

Was hat das alles mit der Vermögensverwaltung zu tun? Kundige Privatanleger:innen wissen schon lange, dass sie zum Beispiel mit Aktien im Portfolio gegen die Geldentwertung ansparen müssen und dass Sichteinlagen allein dabei nicht ausreichen. Mit Fonds oder ETFs zum Beispiel hatten sie dabei stets ein passendes Werkzeug in der Hand: Produkte mit dem Schwerpunkt Deutschland erzielten auf Zehnjahres-Sicht zuletzt eine jährliche Rendite von 6,3 Prozent. Tagesgeld dagegen brachte in den vergangenen Jahren im Schnitt weniger als 0,3 Prozent. Also alles wie gehabt?

Alltagsausgaben statt Geldanlage: Folgen für die Branche schon spürbar

Nein. Denn wenn am Ende des Monats kein Geld mehr übrig ist, helfen auf längere Sicht auch Aussichten auf Rendite nicht beim Sparen, wie die Fondsbranche schon jetzt spüren muss: Vermeldete sie im vergangenen Jahr noch Rekorde im institutionellen wie im Publikumsfondsbereich, so gehen in diesem Jahr die Mittelzuflüsse deutlich zurück. Auf institutioneller Ebene ist der Effekt noch nicht so stark spürbar, aber auch hier werden Gelder im Markt eher hin und her geschoben, als dass wirklich neue Mittel investiert würden.

Noch klarer sind die Zeichen bei Spareinlagen. So legten die Kund:innen der Sparkassen zuletzt nur noch wenig auf die hohe Kante – unter dem Strich wiesen die Statistiken auf Jahressicht ein substanzielles Minus aus. Der Grund: Die Preissteigerung führt die Mehrheit der Bundesbürger an finanzielle Grenzen – viele müssen das gesamte verfügbare Einkommen für die Lebenshaltung aufwenden. Für Investments zum Beispiel in Fonds bleibt nicht viel übrig. Rücklagen, hat das ifo-Institut jüngst auf Basis der Bankeinlagen der privaten Haushalte analysiert, werden für den Konsum hinzugezogen und werden absehbar in den kommenden Monaten weiter abgebaut, weil das Geld für Alltagsausgaben benötigt werde.

Politische Unsicherheit verändert auch Vorzeichen für Vermögensverwalter

Krieg, Inflation, Rezessionsangst, teils unzuverlässige Lieferketten – die aktuelle weltpolitische Lage hat längst auch die Vorzeichen für die Fondsbranche verändert. Während die vergangene Dekade durch niedrige Zinsen und die Suche nach attraktiven Investmentmöglichkeiten geprägt war (Anleger:innen waren also auf Asset-Management-Produkte im Portfolio angewiesen – diese ließen sich vergleichsweise leicht verkaufen), zehren Energiekrise, wachsende geopolitische Untersicherheit und Sanktionen die Ersparnisse auf.

In der politischen Debatte wird viel von einer Zeitenwende gesprochen, denn die Corona-Pandemie und der Angriff Russlands auf die Ukraine haben langfristige Folgen. Globale Handelsbeziehungen und geopolitische Blöcke sind im Wandel. Auch Asset Managern steht ein neues Zeitalter bevor, in dem sie unserer Ansicht nach mit drei wesentlichen Handlungsfeldern konfrontiert sind: der Zukunft des Vertriebs, Kosteneffizienz und der Stärkung ihrer Anpassungsfähigkeit als Unternehmen. Die Herausforderungen in diesen drei Bereichen werfen unter anderem diese Fragen auf:

1)    Wie sieht der Vertrieb der Zukunft aus?

Während sich Asset Manager in den vergangenen Jahren in einem Markt bewegt haben, in dem sie ihre Produkte vergleichsweise einfach verkaufen konnten, gestaltet sich das Umfeld in der neuen Ära herausfordernd.

Das hat zum einen mit der Verfügbarkeit von Anlagegeld zu tun, aber auch mit dem Fortgang der Digitalisierung und neuen Kundengewohnheiten, die – unabhängig von Branchen oder Produkten – im Retailumfeld von mobilen User Experiences und On-Demand-Nutzung geprägt sind. Wie also gelingt es, einen erfolgreichen Vertrieb in der neuen Marktsituation zu entwickeln: einen Vertrieb neuer Machart?

2)    Wie erzielen Asset Manager im neuen Marktumfeld Kosteneffizienz?

Zusätzlich zum Modernisierungsdruck, den der Wandel zu kundenorientierten Unternehmen auslöst, bleibt der Kostendruck hoch. Wie also lässt sich die gesamte Wertschöpfung in einem Asset-Management-Unternehmen maximal kosteneffizient und vom Anfang bis zum Ende der Wertschöpfungskette gestalten? Wie gelingt die Automatisierung von Prozessen? Und wie bleibt es dabei gleichzeitig möglich, auf individuelle Kundenbedürfnisse einzugehen?

3)    Wie stärken die Unternehmen ihre Anpassungsfähigkeit?

In den letzten Jahren gab es durch Corona und den Russland-Ukraine-Krieg sehr viele plötzliche Änderungen. Wie können die Unternehmen und ihr Management schnell und punktgenau handeln, wenn solche schwer vorhersehbaren Ereignisse auftreten? Wie also können sie ihre Anpassungsfähigkeit verbessern und ihre Widerstandskraft stärken?

Darüber wollen wir mit Ihnen diskutieren. Folgen Sie uns zur Herleitung von Antworten auf diese Fragen in Teil zwei, drei und vier unserer Serie „Zukunft des Asset Managements“. Die Blog-Artikel halten weitere Analysen und Empfehlungen zum Thema bereit.

 Im zweiten Teil geht es um die wesentlichen Faktoren, die Vermögensverwalter in den kommenden Jahren erfolgreich machen können. Der dritte und vierte Teil geben konkrete Handlungsempfehlungen dafür, wie Asset Manager Schritt für Schritt ihr Geschäft weiterentwickeln und zukunftssicher machen können.

Malen und Rätseln: Wie sieht die Zukunft des Asset Management aus?

Unser Mal- und Rätselbuch „Future of Asset Management 2.0“ bietet Ihnen einen etwas anderen Zugang zu den künftigen Anforderungen an Asset Manager:innen.

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Customer Centricity ist heute schon wichtig, morgen jedoch entscheidend. Denn die zunehmende Digitalisierung lässt auch die Erwartungen der Kund:innen an die Produkte und Services ihrer Finanzdienstleister steigen: Sie erwarten eine hohe Personalisierung und Individualisierung, eine möglichst unkomplizierte und schnelle Abwicklung ihrer Aufträge und eine Lösung ihres Anliegens zu jeder Zeit und überall über ihre präferierten Kanäle. Eine systematische Ausrichtung des Geschäftsmodells an den Kundenerwartungen und -bedürfnissen ist damit zu einem noch wichtigeren Erfolgsfaktor im Finanzsektor geworden – und bietet gleichzeitig eine große Chance, sich vom Wettbewerb zu differenzieren.

Dass eine konsequente Customer Centricity viele Potenziale bietet, haben die meisten Finanzdienstleister erkannt. So äußerten 2022 beispielsweise 97 Prozent der Befragten einer Studie von KPMG und Lünendonk („Kunden im Mittelpunkt – Kundenzentrierung als wesentlicher Erfolgsfaktor im Finanzdienstleistungssektor“), dass sie Kundenzentrierung als Teil ihrer Strategie verstehen oder einen entsprechenden Strategieschwenk planen. 88 Prozent der Befragten wollen in Zukunft näher an ihre Kund:innen heranrücken und ihnen zusätzliche Mehrwertservices entlang ihrer Customer Journey und zu ihren individuellen Bedürfnissen und Alltagssituationen bieten.

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