New Work im Finanzsektor

Mit passender Technologie die Zukunft des Lernens im Unternehmen gestalten

Technologische Neuerungen sind der Schlüssel zu den komplexen Lernanforderungen von heute

     Keyfacts:

  • Wissen speist sich heute aus mehreren digitalen Lernangeboten.
  • Unternehmen stehen vor der Aufgabe, ihren Mitarbeitenden diese nutzerfreundlich, bedarfsgerecht und aktuell zur Verfügung zu stellen.
  • Technologie wie künstliche Intelligenz (KI) hilft dabei, Kursangebote personalisiert auszuspielen.

„Eine Investition in Wissen bringt noch immer die besten Zinsen.“ Diese Erkenntnis von Benjamin Franklin, formuliert im 18. Jahrhundert, gilt heute mehr denn je – mit einer Ergänzung. Denn bleiben wir im Bild von Geldanlage und Vermögensaufbau, lässt sich feststellen: War früher die Rede von einer Einmalanlage, so muss heute ein Sparplan her. In wohl allen Berufen veralten die Fachkenntnisse immer schneller, sodass Unternehmen sich darauf einstellen müssen, dass heute gefragtes Spezialwissen schon morgen nicht mehr genügt. Wollen sich Unternehmen zu einer lernenden Organisation entwickeln, sollten die Verantwortlichen für Aus- und Weiterbildung mit leicht zugänglichen Fortbildungsangeboten für die Beschäftigten reagieren.

Eine zentrale Lernarchitektur für alle Lernangebote

Etliche Unternehmen verwalten ihre Lernangebote gebündelt mit einem Learning-Management-System (LMS). Diese Systeme sind auf formalisiertes Lernen ausgerichtet, das auf geschäftlichen Anforderungen beruht. Ein solches System ist allerdings typischerweise nicht in der Lage, die sich rasant verändernden Anforderungen und Erwartungen an Aus- und Weiterbildungsangeboten im Unternehmen zu erfüllen. Hier braucht es neue Lösungen, die weiter gehen:

  • Neues Wissen strukturieren und auf die Bedürfnisse des Unternehmens zuschneiden. Mitarbeitenden wird ein einheitliches Lernerlebnis mit größtmöglicher Personalisierung geboten.
  • Das Lernangebot nutzerfreundlich gestalten. Ein einfacher Zugang, eine übersichtliche Struktur und eine wirksame Suchfunktion gehören zu den Voraussetzungen, um den Beschäftigten eine positive Lernerfahrung zu bieten – Streaminganbieter oder Online-Shops machen es vor, wie solche User Journeys heute aussehen können.
  • Soziales Lernen fördern. Das Erstellen, Teilen und Kuratieren von Inhalten durch die Mitarbeitenden erleichtert das Lernen im Arbeitsfluss.

Technische Werkzeuge erleichtern Auf- und Ausbau der Lerninfrastruktur

Für das Entwickeln einer Systemarchitektur können Unternehmen inzwischen aus einer Fülle von technischen Angeboten wählen. Allein für den Aufbau einer Inhaltsbibliothek gibt es Dutzende Lösungen. Sie lassen sich füllen mit multimedialen Inhalten (Podcast oder Video), mit Tests, um den eigenen Wissensstand zu prüfen, mit aufeinander aufbauenden Kursen und vielem mehr. Auch Inhalte, die die Lernenden selbst erstellen, können integriert werden.

Welche Werkzeuge am besten geeignet sind, sollten die Zuständigen für Lernen und Weiterbildung je nach Bedarf des Unternehmens entscheiden. Manchmal leistet schon eine gut kuratierte Excel-Liste mit Leseempfehlungen und Links gute Dienste. Andere benötigen dagegen eine KI-gestützte, maßgeschneiderte Lernarchitektur.

Individualität macht Lernangebote attraktiv

Immer wichtiger wird bei der Ansprache der Lernenden die Individualisierung, da sich der Mehrwert von Angeboten so am einfachsten für die Personen darstellt. Nutzer:innen kennen ihn von Technologielösungen im Alltag – bei Shopping, Video-Streaming oder Nachrichtenangeboten. Gute Dienste leisten kann dabei ein Vorschlagswesen, das den aktuellen Wissensstand, zuletzt belegte Kurse, die Einbindung in laufende Projekte sowie Vorgaben des Arbeitgebers zusammenbringt.

Hierbei wird der Einsatz von KI immer wichtiger, um die anfallenden Datenmengen verarbeiten zu können. Bei der Beschäftigung mit dieser Technologie stehen viele Unternehmen jedoch erst am Anfang. Und: Sie bedeutet mehr als nur das Nutzen eines neuen Werkzeugs. In Personalabteilungen wird ein Kulturwandel erforderlich. Denn auch für Personalverantwortliche wird es immer wichtiger, sich mit umfassender Datenanalyse und den Prinzipien des maschinellen Lernens auseinanderzusetzen, um die KI-Einführung erfolgreich ausgestalten zu können.

Regelmäßige Inhaltsevaluation ist wichtig – und nicht trivial

Die für Aus- und Fortbildung bereitgestellten Inhalte sollten regelmäßig evaluiert werden. Das Urteil der Lernenden spielt dabei eine wichtige Rolle. Wer ein Video geschaut oder ein Lernmodul abgeschlossen hat, kann es anschließend bewerten. Doch die Auswertung dieser Ergebnisse sollten sich die Verantwortlichen nicht zu leicht machen. Beim Auswerten des Feedbacks sollte differenziert werden, inwieweit das beabsichtigte Ziel erreicht wird, die Zielgruppe mit den Inhalten Wert verbindet und ob Hindernisse in der Nutzung die Wirksamkeit begrenzen. Es kann leicht passieren, dass hochrelevante Inhalte verfügbar gemacht werden, deren Mehrwert alle Lernenden bestätigen. Doch bei der Übersetzung in den Arbeitsalltag stoßen diese Personen womöglich auf Hürden, die das Erreichen von Lernzielen behindern.

Die Infrastruktur verändert sich konstant

Jeder Baustein innerhalb der betrieblichen Aus- und Weiterbildung ist mit Kosten verbunden, auch die eingesetzten Tools. Das Geschäftsmodell dieser Infrastruktur werden die Lern- und Personalverantwortlichen immer wieder begründen müssen. Die Kosten steigen an, während die Erträge sich oft nicht unmittelbar niederschlagen. Doch dieser Rechnung sind jene Kosten gegenüberzustellen, die anfallen, wenn in Sachen Weiterbildung nichts passiert: Opportunitätskosten für verpasste Aufträge, falsche Entscheidungen, scheidende Mitarbeitenden.

Der Aufbau einer solchen Infrastruktur ist nie abgeschlossen. Viel zu schnell entwickelt sich Wissen weiter. Die Ausgestaltung wird daher idealerweise  stetig weiterentwickelt und verbessert – am besten im permanenten Austausch mit den Lernenden. Wenn das gelingt und das lernende Unternehmen gewissenhaft in seinen Sparplan einzahlt, ist es für die steigenden Wissensanforderungen gerüstet. Informierte Geldanleger wissen: Sparpläne erzielen meist eine bessere Rendite als Einmalinvestitionen.

In den ersten beiden Beiträgen der Reihe zum Thema Zukunft des Lernens im Unternehmen haben wir uns mit Weiterbildung als Lebensaufgabe und dem Aufbruch in neue Lernwelten beschäftigt. Der vierte und letzte Teil umreisst die Bedingungen für eine passende Lernkultur.

 

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New Work im Finanzsektor

Das klassische Arbeitsmodell mit festen Bürozeiten hat ausgedient. In den meisten Unternehmen der Finanzbranche gehören mobiles Arbeiten, flexible Arbeitszeiten und digitale Arbeitsmedien längst zum Alltag. Ist damit das Versprechen einer neuen Arbeitswelt erfüllt? Nur in Ansätzen, denn New Work ist nicht gleichbedeutend mit Homeoffice. New Work steht für einen generellen Kulturwandel in Unternehmen, bei dem es nicht nur darum geht, ob Teams gemeinsam vor Ort oder remote zusammenarbeiten.

Vielmehr bieten sich Möglichkeiten neue Formen der (Zusammen-)Arbeit zu entwickeln, oftmals in hybrider Form, in denen bewährte Arbeitsschritte durch neue technische Möglichkeiten unterstützt, kreative und agile Prozesse eingebunden und so neue Potenziale freigesetzt werden. New Work ist komplex, wirkt sich auf nahezu alle Dimensionen einer Organisation aus und muss kulturell, strukturell sowie methodisch aktiv gemanagt werden. Und das nicht nur einmalig, sondern fortwährend.

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