Paypal USD: Eine Bestätigung für die Weitsichtigen

Warum Paypals Stablecoin als gute Nachricht für den europäischen Finanzmarkt gesehen wird.

Keyfacts:

  • Erst die MiCA, jetzt Paypal USD: Neue Schubkraft für die Entwicklung digitaler Währungen.
  • Die Digitalwährung ist auch eine Chance für europäische Finanzunternehmen.
  • Aber es braucht ein gutes Geschäftsmodell – und sinnvolle Anwendungsfälle.

Die Digitalisierung des Geldes schreitet weiter voran. Insbesondere zwei Ereignisse haben die europäische Finanzwelt jüngst aufgeschreckt: Die europäische Markets in Crypto Assets-Verordnung (MiCA), die den EU-Kryptomarkt regulieren und Mitte 2024 in Kraft treten soll. Und Paypals Ankündigung, mit Paypal USD einen eigenen Stablecoin auf den Markt zu bringen.

Eine neue Verordnung und ein großer disruptiver Player aus den USA, der eine eigene Währung herausgeben möchte – für gewöhnlich hätten solche Nachrichten europäischen Finanzexpert:innen die Schweißperlen auf die Stirn getrieben. Aber dieses Mal ist das anders. Sowohl die MiCA als auch Paypal USD sind eine Chance für den hiesigen Finanzmarkt und werden der Entwicklung digitaler Währungen auch in Deutschland neuen Schub verleihen. Aber woher kommt dieser Optimismus?

Stablecoin: Ein hoch attraktives Geschäftsmodell

Um diese Frage zu beantworten, hilft ein tieferer Blick unter die Oberfläche eines Stablecoins. Dort liegt dieser digitalen Geldform aus der Sicht von Finanzunternehmen nämlich ein hoch attraktives Geschäftsmodell zugrunde – vor allem wegen der Art und Weise, wie dieses Geld begeben wird.

Ein Stablecoin ist an eine konventionelle Währung gekoppelt und muss eins zu eins besichert werden. Das bedeutet: Wenn Kundinnen und Kunden ihrer Bank 100 US-Dollar geben, muss ihnen die Bank ihre Stablecoins in exakt diesem Wert ausgeben. Soweit, so gewöhnlich. Das Entscheidende aber ist: Während die Bank das Kryptogeld unverzinst an die Kund:innen herausgibt, darf sie deren Einlage anlegen. Zum einen bei ihrer Zentralbank, zum anderen aber auch in Staatsanleihen oder anderen hoch qualitativen Assets. Das ist in Anbetracht der aktuellen Zinssituation sogar sehr attraktiv, und sicher sind es auch diese Rendite-Aussichten, die Paypal zu einem eigenen Stablecoin motiviert haben.

Allerdings stellt sich nun die Frage: Wenn das Geschäftsmodell so vielversprechend ist – warum ist der Schritt von Paypal dann so spektakulär? Und warum haben nicht längst viel mehr Banken oder Finanzunternehmen ihre eigenen Stablecoins herausgegeben? Ganz einfach: Geld allein generiert noch keine Nachfrage. Warum sollten Kundinnen und Kunden ihr klassisches Geld in digitales tauschen, wenn sie dafür nur eine gleichwertige Alternative erhalten – und keine Rendite? Genau an der Stelle beginnt die Arbeit. Es braucht eine gute Geschäftsidee. Daran müssen Finanzunternehmen jetzt ansetzen.

Kundennutzen als Schlüssel zum Erfolg

Wer mit einem Stablecoin also erfolgreich sein will, muss einen Kundennutzen schaffen. Paypal hat damit keine Schwierigkeiten. Mehr als sechs Milliarden Transaktionen werden über den Dienst abgewickelt – pro Quartal. Als Zahlungsdienstleister hat das Unternehmen ein eigenes Ökosystem geschaffen, in dem die Coins künftig transferiert werden können. Hier ergibt es für Kund:innen Sinn, ihr konventionelles Geld umzutauschen – und Paypal erzielt damit sogar zusätzliche Rendite.

Aber gibt es solche Anwendungsfälle für Banken oder Finanzunternehmen auf dem europäischen Markt auch? Absolut. Das Wertpapiergeschäft zum Beispiel stellt ein Einfallstor in den digitalen Geldmarkt dar. Wertpapiere müssen gekauft und verkauft werden. Wenn sowohl die Assets als auch das Geld tokenisiert sind, hat das enorme Effizienzvorteile. Darüber hinaus gibt es im Bereich der Industrie attraktive Anwendungspotenziale. Wenn eine Bank Wertschöpfungsketten finanziert, beispielsweise Lieferketten, könnte sie ihre Transaktionen digital abbilden: Die Ware kommt im Lager an, wird erfasst und digital per Stablecoin bezahlt – das ist die smarte Export-Finanzierungslösung.

Erst der Aufwand, dann der Ertrag

Was also ist für Banken jetzt konkret zu tun? Zunächst müssen sie sich noch stärker als bisher mit der Digitalisierung des Geldes auseinandersetzen. Die jüngsten Marktereignisse haben die Sinne dafür in jedem Fall geschärft. Im zweiten Schritt empfiehlt sich eine Machbarkeitsstudie. Im Zentrum dabei steht immer die Frage: Liefert das heutige Geschäftsmodell Ansatzpunkte für die Ausgabe und den Einsatz eines eigenen Stablecoins? Der Wertpapierhandel oder die Finanzierung von Lieferketten sind nur zwei Beispiele. Daraus gilt es konkrete Geschäftsmodelle abzuleiten. Das bedeutet zwar zunächst Aufwand, ist jedoch gerade im aktuellen Zinsumfeld absolut sinnvoll. Europa ist ein passender Markt dafür. Es herrscht regulatorische Sicherheit, und hier findet sich Kaufkraft. Durch MiCA sind regulierte Banken bereits in einer guten Position, eigene Stablecoins zu begeben. Auch das ist eine gute Nachricht für die europäische Finanzwelt.

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Die Distributed Ledger Technologie (DLT) und die auf ihr basierenden digitalen Assets haben in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte geschrieben. Nachdem sich zunächst nur Krypto-Enthusiasten für die neuen Möglichkeiten interessierten, boomt mittlerweile auch die Nachfrage von Family Offices und Privatpersonen nach digitalen Vermögenswerten. Auch institutionelle Investoren zeigen großes Interesse, wenngleich sie sich aufgrund fehlender Regulierungen noch in geringerem Umfang engagieren.

Auch die Verunsicherungen, die in jüngster Zeit insbesondere durch die Zusammenbrüche einiger Anbieter im Krypto-Markt entstanden sind, haben das grundsätzliche Vertrauen in die DLT nicht erschüttern können. Eine Studie von KPMG und BTC Echo zeigt, dass das Interesse an digitalen Vermögenswerten ungebrochen ist und die befragten Anleger:innen auch künftig planen, in digitale Vermögenswerte zu investieren. Sobald geeignete regulatorische Rahmenbedingungen und Standards etabliert sind, wird die DLT einen großen branchenweiten Durchbruch erleben und sich dynamisch weiterentwickeln.

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