Turbulente Wechselsaison: Schweres Jahr für Kfz-Versicherer

Um Verluste in Milliardenhöhe zu vermeiden, werden Beiträge dieses Jahr deutlich erhöht.

Keyfacts:

  • Aufgrund von Inflation und Pandemieeffekten werden die Kfz-Versicherer in Deutschland in diesem Jahr Milliardenverluste erleiden.
  • Deshalb sind Beitragsanpassungen in der aktuellen Wechselsaison unumgänglich – sollten aber mit größter Sorgfalt vorgenommen werden.
  • Vorausschauende Prozessoptimierungen sind die Voraussetzung dafür, wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die deutschen Kfz-Versicherer stehen in der aktuellen Wechselsaison unter enormem Handlungsdruck: Laut einer Hochrechnung des Branchenverbands GDV aus dem Sommer drohen ihnen für das Geschäftsjahr 2023 Milliardenverluste. Die Combined Ratio wird bei einem Wert von 109 Prozent erwartet – jedem eingenommenen Euro stehen also Ausgaben von 1,09 Euro gegenüber.

Die Gründe sind schnell ausgemacht. Zum einen hat die Inflation die Reparaturkosten im Vergleich zum Vorjahr in die Höhe schnellen lassen. Zum anderen wirkt die Corona-Pandemie nach, da sie 2021 und 2022 zu einem Rückgang der Unfälle und so auch zu sinkenden Versicherungsbeiträgen geführt hatte. Mittlerweile ist die Anzahl der Unfälle wieder auf dem Vor-Corona Niveau – bei einem niedrigen Beitragsniveau ist das ein weiterer Treiber für Beitragserhöhungen.

Beitragsanpassungen sind unumgänglich

An Beitragsanpassungen führt daher kein Weg mehr vorbei. Und tatsächlich haben bereits zahlreiche Kfz-Versicherer ihre Beiträge erhöht oder eine Erhöhung angekündigt. Im Markt werden zweistellige Prozentzahlen bei den Preissteigerungen zum Vorjahr erwartet.

Die Lage ist verzwickt, treffen Beitragsanpassungen doch gerade in diesem Jahr auf großen Widerstand bei den Versicherten. Viele schauen vor dem Hintergrund der gestiegenen Lebenshaltungskosten und der zuletzt hohen Inflationsraten genau auf das Geld. Das belegen auch aktuelle Umfragen: Die Bereitschaft der Deutschen, die Kfz-Versicherung zu wechseln, ist im Vergleich zum Vorjahr signifikant gestiegen. Und, das ist der Hintergrund der Wechselsaison: Versicherten können in der Regel zum Jahresende kündigen und zudem auf ein Sonderkündigungsrecht zurückgreifen, wenn die Autoversicherung ihren Beitrag erhöht.

Kurz gesagt: Die Wechselsaison läuft dynamisch an.

Alle Möglichkeiten der Preisgestaltung sorgfältig orchestrieren

Um nicht wesentliche Anteile ihres Bestandsgeschäfts zu verlieren, sind Versicherer daher gefordert, bei der Anpassung ihrer Beiträge preispolitische Optionen in allen Segmenten umfassend auszuloten und zu nutzen.

Gelingt es, attraktive Neugeschäftstarife zu entwickeln und bei den Zielgruppen zu vermarkten, können sich angesichts der hohen Wechselbereitschaft der Versicherten sogar Wachstumspotenziale für das kommende Jahr ergeben.

Daten und Data Science – Dreh- und Angelpunkt für die Tarifgestaltung

Dreh- und Angelpunkt für eine attraktive Tarifgestaltung ist die Verfügbarkeit von Daten. Und diese sind bei Versicherern in aller Regel in Hülle und Fülle vorhanden – werden häufig aber nur unzureichend ausgewertet. Hier helfen unter anderem Data-Science-Methoden, mit denen sich die Auswirkungen von preispolitischen Maßnahmen gut abschätzen und berechnen lassen.

Der technologische Fortschritt kommt den Versicherern dabei zugute. Der steigende Automatisierungsgrad und die zunehmenden Zugriffs- und Verdichtungsmöglichkeiten von Daten erhöhen die Aussagekraft der Modelle zur Prognose des Verhaltens von Versicherten von Jahr zu Jahr.

Umstellen auf unterjährige Beitragsfälligkeit kann eine Option sein

Neben neuen und effizienteren Modellierungsverfahren bieten sich operative Verbesserungspotenziale an. Zum Beispiel ist das Arbeiten mit einer unterjährigen Hauptfälligkeit ein starker Vorteil. Denn so können Versicherer den Unsicherheiten bezüglich des Preisniveaus in der Beitragsanpassung über das Jahr hinweg Schritt für Schritt begegnen.

Die Beitragsanpassungen über das Jahr hinweg lassen deutlich erkennen, was welchen Zielgruppen wichtig ist und wie diese bestmöglich angesprochen werden können. Und: Sie geben auch Hinweise darauf, wie Prozesse optimiert werden können.

Ausgaben müssen auf den Prüfstand, damit Versicherer profitabel werden

Das Überprüfen der Prozesse ist nicht zuletzt deswegen so relevant, weil die Profitabilität nicht allein durch eine Anpassung der Beiträge wiederhergestellt werden kann. Der intensive Wettbewerb zwingt dazu, auch die Ausgaben auf den Prüfstand zu stellen. In den Fokus rücken daher immer stärker Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz.

Den größten Effekt erzielen Digitalisierungsinitiativen mit einer möglichst ganzheitlichen Perspektive. Sie müssen aber auf die Besonderheiten des Geschäftsmodells ausgerichtet sein.

Zugegeben: Tarifierung, Geschäftsabläufe und Vertrieb(-sbetreuung) stellen dieses Jahr eine größere Herausforderung dar. Alle Unternehmensbereiche sind betroffen. Den Kfz-Versicherern steht somit nicht nur ein arbeitsintensiver Jahreswechsel bevor. Vielmehr wird 2024 wohl ein Schicksalsjahr werden, für das sie gut gerüstet sein sollten.

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