Wie Banken durch Messung der Lead Time profitieren

Erkenntnisse ableiten, Prozesse anpassen und die Produktentwicklung beschleunigen

Keyfacts:

 

  • Eine kurze Time-to-Market ist entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit.
  • Durch die detaillierte Auseinandersetzung mit dem Produktentwicklungsprozess schafft die Lead-Time-Messung Transparenz und liefert wertvolle Erkenntnisse.
  • Eine reduzierte Lead Time (Durchlaufzeit) kann insbesondere bei Finanzdienstleistern für eine schnellere Bereitstellung von Produkten und damit höhere Kundenzufriedenheit sorgen.

Die stetig zunehmende Digitalisierung löst einen grundlegenden Wandel aus und ist nach wie vor prägend für die heutige Zeit. Neue Technologien und Innovationen verbreiten sich schneller und weiträumiger als je zuvor. Gerade durch dieses ungebremste Voranschreiten stellt sich die heutige Finanzwelt als höchst dynamisch dar. Die Fähigkeit, diese Herausforderung zu meistern, gleichzeitig den sich ständig ändernden Kundenbedürfnissen und -anforderungen gerecht zu werden und neue Produkte schnell auf den Markt zu bringen, zeigt sich als wesentlicher Erfolgsfaktor. Die Time-to-Market (Produkteinführungszeit) ist nicht nur ein Maßstab für Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch ein Zeichen für Agilität und Flexibilität innerhalb der Produktentwicklung.

In der Finanzbranche gewinnt die Time-to-Market immer mehr an Bedeutung. Durch einen erhöhten Wettbewerbsdruck aufkommender Fintechs müssen Banken selbst ihr Geschäft digitalisieren, um Schritt halten zu können. Außerdem bestimmen Finanzdienstleister nicht mehr selbst, welche Produkte und Services benötigt werden, sondern die Endkund:innen. Die eigene Time-to-Market zu verkürzen, ist ausschlaggebend für die Wettbewerbsfähigkeit.

Wertvolle Erkenntnisse, wie die Time-to-Market verkürzt werden kann, liefert die Messung der Lead Time – und das über den reinen Entwicklungsprozess hinaus.

Lead Time als Gesamtstrecke

Die Lead Time beschreibt die Dauer eines gesamten Produktentwicklungsprozesses und addiert alle Ver- und Bearbeitungsschritte, die es braucht, um ein neues Produkt zu schaffen. Dazu gehören die Abstimmungen mit dem Auftraggeber, der reine Entwicklungsprozess sowie die abschließenden Releaseaktivitäten (z. B. Systemtests und Produktionsdeployments). Nicht zu vergessen sind die Liege- und Wartezeiten, die gegebenenfalls zwischen den einzelnen Prozessschritten entstehen können.

Klare Messpunkte und eine gute Datenqualität bilden die Grundlage für eine aussagekräftige Analyse. Die Gefahr einer verfälschten Lead Time durch mehrere, gleichzeitig laufende Produktentwicklungen, Repriorisierungen oder Ressourcenverschiebungen sollte dabei nicht unterschätzt werden. Diese Faktoren sollten in der späteren Auswertung der Metrik berücksichtigt werden.

Maßnahmen, die die Lead Time reduzieren, optimieren den Produktentwicklungsprozess, verkürzen Wartezeiten und erhöhen so insgesamt die Produktivität.

Transparenz und Strukturierung einzelner Prozesse

Um die Lead-Time messen zu können, bedarf es einer detaillierten Auseinandersetzung mit dem gesamten Produktentwicklungsprozess. Denn um die Metrik nachhaltig und effektiv nutzen zu können, müssen nicht nur geeignete Messpunkte, sondern auch alle relevanten Prozessschritte für das jeweils zu messende Produkt identifiziert werden. Das schafft Transparenz.

Allein die Bestimmung und Strukturierung der einzelnen Prozesse kann zu wertvollen Erkenntnissen führen, wie beispielsweise:

  • Identifikation ungewollter Liege- und Wartezeiten
  • Identifikation der Verzögerung durch Abhängigkeiten zwischen verschiedenen Beteiligten
  • Überblick über die zeitliche Gewichtung der drei üblichen Phasen: Abstimmung (mit dem Auftraggeber), Entwicklung und Releaseaktivitäten
  • Erkenntnisse über das Zusammenarbeitsmodell in agilen Teams

Qualitative versus quantitative Messung

Je nach Art der zugrunde liegenden Daten kann zwischen quantitativer und qualitativer Messung unterschieden werden. Während die quantitative Messung auf numerischen Informationen basiert und eine objektive Sicht der zeitlichen Dauer ermöglicht, konzentriert sich die qualitative Messung auf subjektive Einschätzungen und bietet eine detailliertere Beurteilung der Prozessqualität und -effektivität. Der Gefahr einer schlechten Datenqualität und dementsprechenden Falschmessung des quantitativen Ansatzes steht die Subjektivität der einzelnen Einschätzungen des qualitativen Ansatzes gegenüber. Liegen zum Beispiel keine klaren Messpunkte durch einen speziellen Teamschnitt vor, so ist eine qualitative Betrachtung der Lead Time sinnvoller. Empfehlenswert ist jedoch eine Kombination beider Methoden, um umfassende und aussagekräftige Erkenntnisse zu erlangen.

Eine kürzere Lead Time beschleunigt die Produktentwicklung

Durch die darauffolgende, tiefergehende Analyse der Ergebnisse und des gesamten Prozesses können Optimierungspotenziale identifiziert werden. Durch eine reduzierte Lead Time kann die Produktentwicklung beschleunigt werden. In der Abstimmungsphase könnte das beispielsweise ein erhöhter Fokus auf die Co-Creation, also die Produktentwicklung zusammen mit dem Kunden, sein, in der Entwicklungs- und Releasephase die Reduktion des WIP-Limits (Work in Progress) oder die Erhöhung des Automatisierungsgrads.

Unsere Erfahrung zeigt, dass vor allem in der Kontinuität von Exploration, Integration und Deployment deutliches Potenzial schlummert.

Hier ist jedoch anzumerken, dass jeder Prozess unterschiedlich und neben einer sorgfältigen Analyse immer eine Kontextualisierung notwendig ist, um die Ergebnisse entsprechend interpretieren zu können. Dazu zählt beispielsweise die Berücksichtigung von externen Einflussfaktoren bei der Produktentwicklung (z.B. regulatorische Anforderungen) oder der spätere Vergleich von Lead Times mit angemessenen Benchmarks.

Erkenntnisgewinn der Lead Time nachhaltig als Erfolgstreiber nutzen

Die Auseinandersetzung mit der Lead Time birgt für viele Organisationen ein noch ungenutztes Potenzial an Prozessoptimierung, das nicht nur Transparenz innerhalb des Entwicklungsprozesses schafft, sondern auch die Herausforderungen einer digitalisierten Welt adressiert. Mit geringem initialem Aufwand kann die Betrachtung der Lead Time bereits zu Beginn relevante Erkenntnisse und erste Anzeichen von Optimierungspotenzialen liefern.

Gerade die Finanzbranche kann diese Metrik für sich nutzen, um zum einen agil und flexibel auf neue regulatorische Anforderungen, technologische Entwicklungen oder den sich wandelnden Kundenansprüchen am Markt zu reagieren. Zum anderen aber auch, um die Kundenzufriedenheit, durch beispielsweise schlankere Genehmigungs- und Abwicklungsprozesse oder die schnellere Bereitstellung neuer Produkte, Dienstleistungen und Funktionen, zu steigern.

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Customer Centricity ist heute schon wichtig, morgen jedoch entscheidend. Denn die zunehmende Digitalisierung lässt auch die Erwartungen der Kund:innen an die Produkte und Services ihrer Finanzdienstleister steigen: Sie erwarten eine hohe Personalisierung und Individualisierung, eine möglichst unkomplizierte und schnelle Abwicklung ihrer Aufträge und eine Lösung ihres Anliegens zu jeder Zeit und überall über ihre präferierten Kanäle. Eine systematische Ausrichtung des Geschäftsmodells an den Kundenerwartungen und -bedürfnissen ist damit zu einem noch wichtigeren Erfolgsfaktor im Finanzsektor geworden – und bietet gleichzeitig eine große Chance, sich vom Wettbewerb zu differenzieren.

Dass eine konsequente Customer Centricity viele Potenziale bietet, haben die meisten Finanzdienstleister erkannt. So äußerten 2022 beispielsweise 97 Prozent der Befragten einer Studie von KPMG und Lünendonk („Kunden im Mittelpunkt – Kundenzentrierung als wesentlicher Erfolgsfaktor im Finanzdienstleistungssektor“), dass sie Kundenzentrierung als Teil ihrer Strategie verstehen oder einen entsprechenden Strategieschwenk planen. 88 Prozent der Befragten wollen in Zukunft näher an ihre Kund:innen heranrücken und ihnen zusätzliche Mehrwertservices entlang ihrer Customer Journey und zu ihren individuellen Bedürfnissen und Alltagssituationen bieten.

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