Integrierte Unternehmenssteuerung

Wie Banken Ihr Financial Reporting mit Hilfe von S/4HANA optimieren

Eine fundierte Strategie macht den Umbau des Financial Reportings zum Erfolg.

In den letzten Jahren haben sich die Anforderungen an die Finanzberichterstattung bei Banken erweitert. So kam es mit der stetigen Zunahme neuer Anforderungen an die Datenbereitstellung wie BCBS 239 und neuer Berichtsformate wie FinRep sowie der Umstellung auf IFRS 9 zu umfassenden Anpassungen und Neuentwürfen im Aufbau der Reportingformate für die externe Berichterstattung.

Trotzdem herrscht bei vielen Instituten Unzufriedenheit: Mit der stetigen Anpassung der Kontenpläne geht ein hoher manueller Aufwand für die Fachbereichsmitarbeitenden einher. Trotzdem werden die Reportingformate der zunehmenden Komplexität und den gestiegenen Anforderungen an das Reporting oft nicht gerecht. Häufig verschlingt der Prozess der Abschlusserstellung aufgrund zahlreicher manueller Prozesse unnötig viele Ressourcen. So geht zum einen wertvolle Zeit verloren, zum anderen sind damit auch die Betriebskosten stetig gestiegen.

Chancen für die Abschlusserstellung und das Financial Reporting innerhalb der S/4 Finance Plattform

S/4 Finance mit dem Hauptbuch, den zentralen Nebenbüchern und dem Group Reporting stellt das Kernmodul von SAP S/4HANA dar (SAP S/4 Finance – KPMG Deutschland (home.kpmg). Die Implementierung dieses Moduls bietet Instituten ein enormes Potenzial, ihre Prozesse der Abschlusserstellung und des Financial Reportings selbst zu optimieren. Drei ausgewählte Praxisbeispiele stellen wir hierzu vor:

Beispiel 1 – Embedded Analytics: Mit Hilfe von SAP S/4HANA Embedded Analytics kann im Vergleich zu den klassischen ERP-Berichten ein leistungsfähiges operatives Echtzeitreporting direkt aus dem S/4-System generiert werden. Früher war meist ein klassisches SAP BW notwendig, das auf komplexe Weise Daten aus verschiedenen Quellen abgegriffen und transformiert hat, sodass die Berichte oft erst nach einer Verarbeitung über Nacht zur Verfügung standen. Dieser Prozess kann in bestimmten Fällen durch Embedded Analytics ersetzt werden. Entscheidender Vorteil ist der Echtzeitzugriff und die damit verbundene Zeitersparnis. Zentrale Datenquelle aus Sicht des Bereiches Finanzen stellt dabei das Hauptbuch dar, das mit S/4 als zentrale Abstimminstanz wieder in den Vordergrund gerückt ist. Innerhalb von SAP Embedded Analytics stellen Fiori-Apps eine rollenbasierte und besonders benutzerfreundliche Methode dar, um von jedem beliebigen Endgerät, sei es PC oder Tablet, in Echtzeit auf diese Daten zuzugreifen. Unsere Erfahrung zeigt: Zentrale Voraussetzung zur Nutzung von SAP Embedded Analytics im Hauptbuch ist eine abgestimmte SAP-basierte Datenlieferstrecke.

Beispiel 2 – Aufräumen von Kontenplänen: Ein zentrales Anliegen von Instituten ist das Aufräumen ihrer Kontenpläne bzw. nachgelagerter Positionspläne im Konzernabschluss. In der Tat bietet S/4HANA durch neue technische Innovationen für dieses Vorhaben einen idealen Aufsatzpunkt. So kann durch Ausnutzung neuer Möglichkeiten – wie dem Ledger-Prinzip und dem MCA (Multi-Currency-Accounting) – ein schlanker Kontenplan generiert werden, der verschiedene Rechnungslegungsanforderungen integrativ abdeckt. Eine weitere Möglichkeit zur Vereinfachung bzw. Verschlankung der Kontenpläne besteht darin, zusätzliche Informationen, wie Merkmale, zukünftig im Hintergrund des Hauptbuches abzuspeichern, anstatt diese über einzelne Konten abzudecken.

Beispiel 3 – Hohe Integration zwischen Hauptbuch und Group Reporting: Das neue S/4HANA Finance for Group Reporting ist nun mit der Hauptbuchhaltung hoch integriert. Damit bietet sich für Institute die Möglichkeit, die Prozesse des Konzernabschlusses zu beschleunigen.

Empfehlungen für die Transformation des Financial Reportings für Banken

Die Finanzberichterstattung ist das Ergebnis von vielen kleinen und großen vorgelagerten Prozessen, angefangen von der Datenhaushaltung, der Verarbeitung über Nebenbücher und Hauptbuch, den Abstimmprozessen bis hin zum eigentlichen Berichtswesen. Nur durch eine konsequente Betrachtung von End-to-End-Prozessen kann die komplette Wertschöpfungskette mit all ihren Komplexitäten und Ursachen für heutige Probleme nachvollzogen werden. Das bedeutet, dass im ersten Schritt Prozesse allumfassend in ein integriertes Zielbild einbezogen werden sollten.

Bei der Definition des Zielbildes für das zukünftige Reporting sollten Institute frühzeitig das komplette Set an Möglichkeiten, das die SAP S/4-Architektur zur Generierung der Finanzberichterstattung bietet, in Betracht ziehen und genau analysieren.

Ein typischer Stolperstein, den wir häufig auf Implementierungsprojekten beobachtet haben, ist ein zu starker Fokus auf den kurzfristigen Implementierungsaufwand und eine Vernachlässigung von langfristigen Effizienzsteigerungen. Des Weiteren wird oft versucht, den Bedürfnissen einzelner Anforderer gerecht zu werden, ohne einer übergeordneten Strategie zu folgen.

Institute sollten daher in einer frühen Phase der S/4-Transformation zunächst eine solche übergeordnete Strategie festlegen, die sich an festgelegten Design-Prinzipien orientiert. Darin sollte eine klare Abgrenzung von Funktionalitäten zu erkennen sein. Beispielsweise wird festgelegt, in welchem Bestandteil der S/4-Architektur zukünftig die übergeordnete Datenhaushaltung erfolgen sollte.

Bisherige Abstimmprozesse gewinnen in der neuen S/4-Welt eine neue Perspektive. Denn neben der bereits erwähnten neuen S/4 Finance-Plattform, mit einem Hauptbuch, das hoch integriert in die Nebenbücher und das Group Reporting ist, revolutioniert FSDP/FSDM die komplette Datenhaushaltung der Bank. So kann mit Hilfe von FSDP/FSDM eine einzig geltende Informationsquelle, die sogenannten Single Source of Truth, geschaffen werden. Mit dem neuen Datenmodell, das von den Partnern und der SAP gepflegt wird, können auch zukünftige regulatorische Reportinganforderungen flexibel erfüllt werden.

Hier zeigt sich sehr deutlich, dass S/4, bezogen auf die einzelnen Bausteine, eine Verschiebung von Funktionalitäten der bisherigen SAP-Architektur mit sich bringt. Wenn diese Verschiebung von Anfang an richtig verstanden und in der Reportingstrategie eingebaut wird, können Institute das Potenzial, das S/4 bietet, optimal ausschöpfen.

Bei der Festlegung der Strategie empfehlen wir eine konsequente Orientierung am SAP-Standard. Dabei sollte zunächst geprüft werden, ob eine Lösung dem Standard entspricht, bevor weitere Analysen und Bewertungen vorgenommen werden.

Schon jetzt zeigt sich, dass Häuser, die sich durchgängig am SAP-Standard orientiert haben, ihre langfristigen Betriebskosten deutlich senken konnten. Der Aufbau von alternativen Lösungen hingegen birgt gerade im langfristigen Zielbild hohe Risiken – unter anderem verbauen sich Institute damit die Chance, an zukünftigen Entwicklungen teilzuhaben. Um diese Chance und die Option, in die Cloud zu gehen, optimal zu nutzen, ist eine konsequente Orientierung am SAP-Standard der Schlüssel zum Erfolg.

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