Blockchain Simplified

Die Blockchain wird aktuell in immer mehr Bereichen der Wirtschaft erfolgreich erprobt. Je mehr die Blockchain für unternehmerischeorganisatorische und buchhalterischeProzesse genutzt wird, desto interessanter wird sie auch aus der Perspektive der Wirtschaftsprüfung. Wie ich bereits an anderer Stelle geschrieben habe, halte ich die Blockchain-Technologie für den Top-Disruptor unter allen Technologien, die den Bereich Wirtschaftsprüfung transformieren. Angesichts dieser Entwicklung muss gefragt werden, wie die Blockchain aus Sicht der Prüfung der Zukunft bewertet werden muss.

Was leistet die Blockchain?

Die Blockchain lässt sich vereinfacht gesagt als ein digitales Geschäftsbuch verstehen. Es handelt sich um eine Datei, ähnlich einer Excel-Tabelle, in der alle möglichen Informationen wie beispielsweise über durchgeführte Transaktionen gespeichert werden können. Diese Datei wird allerdings nicht an einem einzigen Ort gespeichert, sondern verschlüsselt auf tausenden Rechnern. Weicht eine Information an einer Stelle ab, gibt es tausende Kopien, mit denen ein Datenabgleich durchgeführt werden kann. Wer eine Information in böser Absicht verändern möchte, müsste dies zeitgleich auf mindestens 50 Prozent aller Kopien machen, die zum kontinuierlichen Abgleich verwendet werden.

Je weiter eine Blockchain in einem Netzwerk von sicheren Rechnern verbreitet ist, desto valider sind die dort gespeicherten Informationen. Denn das Netzwerk von autorisierten Rechnern stellt durch den permanenten Datenabgleich sicher, dass neue Informationen korrekt angehängt und bestehende Informationen automatisch überprüft werden. Aufgrund seiner im Netzwerk verteilten Abspeicherung des digitalen Geschäftsbuchs („Ledger“) wird diese Form der Blockchain auch Distributed Ledger genannt.

“Die Technologie der #Blockchain kann Transparenz und Vertrauen schaffen – sie hat das Potential, der bedeutungsvollste Disruptor zu werden. #PrüfungderZukunft“

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Informationssicherheit auf dem Distributed Ledger

Dieser Mechanismus ermöglicht es Handelspartnern, miteinander Geschäfte zu machen, ohne einen Intermediär oder ohne ein bereits bestehendes Vertrauensverhältnis miteinander zu haben. Die Blockchain ist die neue vertrauensbildende Instanz. Denn Transaktionen wie die Gutschrift eines bestimmten Geldbetrags werden erst dann verifiziert und registriert, wenn sie von den Rechnern im Netzwerk überprüft und bestätigt wurden.

Viele Geschäftsprozesse lassen sich so effizienter, kundenzentrierter und dennoch sicher gestalten. Gerade wenn es um die Erschließung neuer Märkte geht, ist dies ein großer Vorteil. Jede Transaktion wird dauerhaft in der Blockchain gespeichert und ist für alle Zeit transparent nachvollziehbar und fälschungssicher geprüft.

Auswirkungen auf die Prüfung der Zukunft

Wenn sich die Blockchain in den Unternehmen durchsetzt, verschieben sich bei der Prüfung die bisherigen Aufgaben. Insbesondere in folgenden Bereichen muss es zu einer Überprüfung und Neubewertung sowie gegebenenfalls zu einer Nachjustierung kommen:

  • Sicherung der Datenintegrität
  • Prüfung des Zahlungsverkehrs
  • Management der Kunden- und Lieferantenbeziehung
  • Prüfung von Vertragsabschlüssen

All diese Vorgänge erfordern eine Validierung beziehungsweise verlassen sich auf die Richtigkeit der übermittelten Daten. Durch die umfangreiche Prüfung der Transaktion, also der Eintragungen durch die Teilnehmer im Blockchain-Netzwerk, werden die Sicherheit der genannten Aktionen zwar erhöht und Manipulationsmöglichkeiten verringert. Die Abschlussprüfung fokussiert sich hier insbesondere  auf die Schnittstellen zwischen den einzelnen Blockchains.

“Sollte sich die #Blockchain in Unternehmen durchsetzen, bedeutet das nicht weniger, sondern mehr Aufgaben für die #PrüfungderZukunft.“

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Wirtschaftsprüfung wird zum Bestandteil der Blockchain

Wenn sich die Blockchain bei Unternehmen durchsetzen wird und mehr und mehr Geschäftsprozesse in sie verlagert werden, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der nächste, konsequente Schritt erfolgt: Die Blockchain selbst wird integraler Bestandteil der Wirtschaftsprüfung.

Dabei sind unterschiedliche Szenarien vorstellbar. Zum einen kann es sinnvoll sein, dass Wirtschaftsprüfer einen Zugang zu Blockchains bekommen, indem sie selbst zu einem Knotenpunkt in deren Netzwerken werden. Zum anderen können Prüfungsergebnisse selbst in der Blockchain gespeichert werden. Sicherheit, Effizienz, Transparenz und Compliance sind dann nicht nur Kennzeichen der Blockchain, sondern auch der Prüfung der Zukunft.

Ersetzt die Blockchain den Prüfer?

Die Beschreibung der Funktionsweise der Blockchain ruft eine ganze Reihe von wichtigen Fragen hervor. Müssen Transaktionen, die durch eine Blockchain gestützt durchgeführt wurden, überhaupt noch geprüft werden? Falls ja, wie lassen sich Blockchain-Netzwerkeüberhaupt prüfen? Im Zweifelsfall sind die Rechner, auf denen die Transaktionen gespeichert sind, weltweit verstreut und der Zugriff darauf mit Schwierigkeiten verbunden.

Die Blockchain tritt also nicht an die Stelle der Prüfer, sondern verlagert die Prüfungshandlungen, gestaltet sie im Einzelfall sogar komplexer und schafft neue Einsatzfelder. Ich bin überzeugt: Die Blockchain kann bei sinnvollem Einsatz einen wertvollen Beitrag zur Qualität und Sicherheit im Unternehmen leisten – vollständiges Vertrauen schafft sie allein jedoch nicht.

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