Innovation

Digitale ID als Basis für Tokenökonomie und digitale Finanzdienstleistungen

Die digitale ID verbessert Kundenerfahrung und Effizienz von Finanzdienstleistern

Ausweispapiere sind bis heute die gängige Methode, um sich im realen Leben zu identifizieren. In manchen Fällen reicht auch eine Kreditkarte oder der Führerschein. In der digitalen Welt ist ein eindeutiger Nachweis der eigenen Identität dagegen komplizierter. Die wohl bekannteste Form des digitalen Ausweises (auch digitale ID) ist die Kombination aus Benutzername und Passwort, zum Beispiel in sozialen Netzwerken. Zwar akzeptieren viele Online-Anbieter die Zugangsdaten großer Technologiekonzerne, wie die Facebook ID oder den Google Account zur Registrierung/Identifizierung oder für Authentifizierung/Login, den sensitiven Anforderungen von regulierten Branchen wie den Finanzdienstleistungen genügen diese Identitätsnachweise häufig jedoch nicht.

Doch es gibt auch komplexere Möglichkeiten, Personen im digitalen Raum zu identifizieren und zu authentifizieren, um regulatorische Vorgaben zu erfüllen. Dazu zählen Video-Identifizierungen, beispielsweise bei Kreditkartenanträgen, oder das Bestätigen von Nutzernamen und Passwort durch einen zweiten Faktor, wie ein Push-TAN-Verfahren im Onlinebanking.

Digitale Identifikation als Basis von Tokenökonomie und digitalen Finanzdienstleistungen

Durch eine komplexe Identifikation können Personen und Güter im digitalen Raum eineindeutig identifiziert werden. Das ist besonders in der Tokenökonomie entscheidend. Hier werden reale Vermögenswerte (sogenannte „Assets“) wie Grundbesitz, Investitionsgüter, Zertifikate, Währungen oder Kunstwerke digital dargestellt und gehandelt. Die teilnehmenden Personen und die „tokenisierten“ Güter erfordern eine eineindeutige Identität, die orchestriert, verwaltet und sicher gemacht werden muss. Die Popularität und das Vertrauen in die Tokenökonomie zeigt insbesondere ein Beispiel aus der Kunstszene: Das New Yorker Auktionshaus Christie‘s versteigerte jüngst das volldigitale Kunstwerk „Everydays: The First 5000 Days“. Binnen kürzester Zeit erhielt das Werk Gebote im zweistelligen Millionenbereich, am Ende wurde die Bilddatei für circa 69 Millionen US-Dollar verkauft. Der Unterschied zu anderen Bilddateien besteht allerdings darin, dass der Eigentümer sein Eigentum via Blockchain nachweisen kann. Die Eigentümerschaft wird dauerhaft im Ethereum-Netzwerk vermerkt. Das Kunstwerk ist mit einem Token verknüpft, das heißt eineindeutig identifiziert.

Neben den Möglichkeiten der digitalen Abbildung von Waren und Dienstleistungen bringt der eindeutige Identitätsnachweis in der digitalen Welt für Unternehmen und Verbraucher praktische Vorteile sowie eine erhöhte Sicherheit auch für Anwendungsfälle aus dem Alltag. Das beginnt beim ersten Kontakt, der Registrierung. Trotz vieler digitaler Kundenportale und Services nutzen Finanzdienstleister zur Identifizierung ihrer Kunden bis heute oft analoge oder technisch veraltete Verfahren, wie den vermeintlich sicheren Postweg. Dieser Medienbruch führt vermehrt zu Prozessabbrüchen im mittleren zweistelligen Prozentbereich auf Kundenseite. Zusätzlich führt die momentan häufig bestehende technische Komplexität, bedingt durch gewachsene IT-Landschaften und dezentral entwickelte und verwaltete Services, zu hohen zeitlichen und budgetären Projekt- und Pflege-/Wartungsaufwänden auf Seiten der Unternehmen – oft bis in den siebenstelligen Euro-Bereich.

Ist die digitale Identifizierung der Betreffenden einfach und sicher möglich, beispielsweise durch volldigitale „AutoIdent-Verfahren“, bei denen sich Nutzer bequem selbst via Smartphone identifizieren können, kann die Geschäftsbeziehung direkt online starten – die Kundenzufriedenheit steigt. Durch eine entsprechende technologische Basis können Prozesse auf Unternehmensseite einfacher und schneller abgebildet werden. Ähnliche Vorteile zeigen sich bei Rückfragen von Kunden zu Versicherungsverträgen oder Finanzprodukten, die bislang zu großen Teilen telefonisch oder ebenfalls per Post erledigt werden – mit erheblichen Kosten für Versicherungen und Finanzdienstleister und mit zeitaufwendigen Abläufen für die Kunden.

Eine einmal erstellte, zertifizierte digitale Identifikation lässt sich im besten Fall übergreifend für unterschiedliche Services nutzen. Das vereinfacht Registrierung und Identifizierung, in späteren Schritten auch Authentifizierung und Autorisierung. Für Unternehmen bietet die klare Zuordnung die Möglichkeit, alle Informationen einer Kundin oder eines Kunden zu bündeln. Versehentliche Mehrfacheinträge einer Person sind beendet.

Außerhalb der Finanzdienstleistungsbranche gibt es bereits zahlreiche strategische Initiativen und erfolgreiche Anwendungsfälle im Bereich der digitalen ID. So hat der internationale Sportartikelhersteller Adidas einen digitalen Kundenaccount geschaffen, der einen durchgängigen Zugang zu den digitalen Angeboten bietet und Kunden mittels Gamification dazu ermutigt, Daten über sportliche Leistungen oder Produktpräferenzen zu teilen. Adidas kann so Kundendaten gezielt sammeln, Produktempfehlungen geben und so Effizienz- und Absatzpotenziale heben. Ähnliche Anwendungsfälle sind auch für Finanzdienstleister und Versicherer interessant. So nutzen laut des Deutschen Instituts für Service-Qualität trotz der oft schwierigen Kundenprozesse bereits zwar fast die Hälfte aller Versicherten das Online-Portal ihrer Versicherung, die Versicherer nutzen dieses Potenzial häufig jedoch noch unzureichend.

Digitale ID: Europa schafft rechtlichen Rahmen – technologische Innovationen vielfältig

Viele rechtliche Grundlagen für elektronische Identifizierungen bestehen bereits. Für den Bereich elektronischer Transaktionen wurden sie innerhalb der Europäischen Union (EU) 2014 mit der eIDAS-Verordnung geschaffen. Doch die EU-Staats- und Regierungschefinnen und -chefs drängen auf weitere Fortschritte. Die EU-Kommission will im Laufe des Jahres 2021 die Voraussetzungen für ein funktionsfähiges, grenzüberschreitendes digitales Ökosystem schaffen, damit zukünftig Ausweise auch im digitalen Raum vermehrt genutzt werden können.

Neben den regulatorischen Entwicklungen bieten technologische Innovationen zahlreiche Möglichkeiten, einen effizienten Aufbau digitaler ID-Ökosysteme voranzutreiben, denn Anbieter von digitalen Identitätssystemen gibt es reichlich und ihr Geschäft wächst weltweit rasch. Auch in Deutschland wurden in den vergangenen Jahren viele erfolgreiche Start-ups im Bereich der digitalen Identitäten gegründet und finanziert. So sicherte sich das Münchener Unternehmen IDNow kürzlich 15 Millionen Euro bei einer Finanzierungsrunde. Bei vielen technologischen Entwicklungen spielt die Blockchain-Technologie zudem eine zentrale Rolle. Sie bietet nicht nur eine häufig geforderte Fälschungssicherheit, sie ermöglicht es den Nutzern auch, die Kontrolle über die eigene Identität zu wahren und damit den sicheren Schlüssel zur Tokenökonomie und zu digitalen Finanzdienstleistungen.

Anpassungsbedarf bei Finanzdienstleistern zeitnah erforderlich

Noch ist nicht absehbar, welche Technologien sich durchsetzen werden. Doch auf eine Entscheidung zu warten, wäre die falsche Strategie. Vor allem bei Finanzdienstleistern besteht, wie bereits dargestellt, erheblicher Nachholbedarf. Sie sollten ihre Kundenerfahrung im digitalen Raum massiv verbessern und IT-Strukturen flexibilisieren, um für unterschiedliche Anwendungsfälle, das verbesserte Nutzen von Kundendaten und das Anbinden neuer technische Lösungen vorbereitet zu sein.

Die diversen aufsichtsrechtlichen Anforderungen – vom Geldwäschegesetz (GwG) über die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) bis zur Verschwiegenheitspflicht – machen eine umfängliche Vorbereitung notwendig. Denn gelockert werden dürften die regulatorischen Vorgaben in den kommenden Jahren nicht – im Gegenteil. Die vorhandenen IT-Systeme und Prozesse sollten daher auf Aktualisierungen des rechtlichen Rahmens und unterschiedliche nationale Vorgaben rasch anzupassen sein. Entscheidend ist für Finanzdienstleister, schnell die Voraussetzungen zu schaffen, um die nächsten Schritte für das Nutzen digitaler Identitäten zu ermöglichen.

KPMG bietet umfangreiche Erfahrungen in der erfolgreichen Einführung und Skalierung effektiver und effizienter Digital ID-Lösungen bei Finanzdienstleistern. Kontaktieren Sie uns bei Interesse jederzeit gerne.

Weitere Artikel aus der Serie „Tokenökonomie“:

Token bei deutschen Finanzdienstleistern: Raus aus der Nische
Transparenz und Effizienz: Token erobern die Versicherung

 

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Warum sollten Unternehmen das Thema Innovation aktiv steuern? Reicht es nicht, sich wie bisher einfach organisch weiterzuentwickeln oder gar dem Zufall zu überlassen? In Zeiten der digitalen Transformation ganz klar: nein.

Denn der Sog neuer Technologien, Trends und Bedürfnissen ist so stark, dass sich ihm keine Branche entziehen kann. Was heute noch Erfolg verspricht, ist morgen schon Geschichte. Um ihren Erfolg zu sichern, müssen sich Unternehmen deshalb in immer kürzeren Zeiträumen kontinuierlich neu erfinden – dies kann man nicht dem Zufall überlassen.

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