KPMG-Analyse zeigt: So arbeiten Versicherer am S in ESG

Soziale Themen gewinnen im Versicherungsmittelstand an Bedeutung.

Keyfacts:

  • Noch bleiben soziale Maßnahmen hinter den Umweltbemühungen von Versicherern zurück – dabei ist diese ESG-Dimension nicht weniger relevant.
  • Unsere neue KPMG-Analyse zeigt, welche Themen und Maßnahmen die meisten mittelständischen Versicherer bereits umsetzen.
  • Um einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen und den steigenden Erwartungen von Kund:innen und Mitarbeitenden gerecht zu werden, sollten Versicherer ihre sozialen ESG-Maßnahmen beschleunigen. Ein ganzheitlicher Ansatz unterstützt bei der Realisierung.

Der gesellschaftliche Diskurs um Klimawandel und fossile Energieträger, strengere Berichtspflichten zu Nachhaltigkeitszielen – aktuell insbesondere durch die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) im Fokus – sowie der wachsende Druck durch steigende Kosten und den „War for Talents“: Die Bedeutung von Nachhaltigkeit und verantwortungsvollem Wirtschaften hat in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Aufschwung erlebt. Insbesondere im Finanzsektor hat sich eine verstärkte Fokussierung auf ökologische, soziale und Governance-Aspekte (ESG) als essenziell für langfristigen Erfolg und gesellschaftliche Akzeptanz herauskristallisiert.

Aufgrund der steigenden regulatorischen Anforderungen durch die CSRD, müssen Versicherer sich zunehmend mit sozialen Themen beschäftigen. Im Fokus des Berichtsstandards stehen

  • eigene Mitarbeitende,
  • Beschäftigte in der Wertschöpfungskette,
  • betroffenes Gemeinwesen
  • und Konsument:innen und Endanwender:innen.

Viele Versicherer arbeiten seit langem daran, auf einen nachhaltigen Betrieb umzustellen. Dabei stehen, wie bei anderen Finanzdienstleistern auch, Klima- und Umweltaspekte ganz oben auf der Agenda. Hier ist die Umsetzung auch am weitesten fortgeschritten. Aber wie steht es aktuell um die soziale Dimension?

Viele Versicherer haben die Bedeutung der sozialen ESG-Dimension erkannt

In Sachen Soziales tut sich einiges, zeigt unsere neue Analyse, für die wir die Nachhaltigkeitsberichte von insgesamt zwölf mittelständischen Versicherungsunternehmen in Deutschland analysiert haben. Denn abgesehen von Investitionen in erneuerbare Energien, umweltfreundliche IT-Lösungen und anderen ökologischen Projekten, zeichnen sich nachhaltige Versicherungen auch dadurch aus, dass sie auf soziale Themen achten. Das schließt zum Beispiel Diversität, Attraktivität als Arbeitgeber, Bildungsangebote und Kundenzufriedenheit mit ein.

Anhand von qualitativen und quantitativen Metriken und der Clusterung nach Themen haben wir in der Analyse fünf soziale Aspekte identifiziert, die in den Nachhaltigkeitsberichten der Versicherungen besonders häufig genannt werden: Gesundheitsmanagement, Beruf und Familie, Menschenrechte, Mitarbeitendenzufriedenheit und Weiterbildung spielen bei 90 Prozent der untersuchten Versicherungen eine bedeutende Rolle. Die zwei Top-Themen Gesundheitsmanagement und Mitarbeitendenzufriedenheit führen ausnahmslos alle Unternehmen in ihrer Berichterstattung auf, wobei sich der Grad der Implementierung unterscheiden kann.

Quelle: KPMG in Deutschland, 2023.

Sozialen und ökologischen Themen kommt in den Reports nicht die gleiche Bedeutung zu

Im Vergleich zu Umweltthemen spielen soziale Aspekte bei den ESG-Ambitionen von Versicherungen allerdings noch eine untergeordnete Rolle. Im Durchschnitt werden Umweltthemen, wie zum Beispiel Ressourcenmanagement 32 mal pro Nachhaltigkeitsbericht genannt, wohingegen soziale Themen wie Chancengerechtigkeit nur auf durchschnittlich 23 Nennungen kommen.

Dabei sieht sich die Versicherungsbranche mit einer Vielzahl von Entwicklungen konfrontiert, die die Erwartungen an sie weiter antreiben. Diese Entwicklungen umfassen sowohl ökologische als auch soziale Aspekte, die das Geschäftsumfeld prägen. Ein wesentlicher Faktor, der den Wettbewerb und die Zukunftsfähigkeit der Branche beeinflusst, ist der bevorstehende Ruhestand der Babyboomer-Generation. Er wird den bereits bestehenden Kampf um Talente weiter verschärfen.

Darüber hinaus erleben wir eine zunehmende Sensibilität und Nachfrage für Themen wie Vielfalt und Gleichstellung, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie einer verbesserten Work-Life-Balance. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erwarten von ihren Arbeitgebern zunehmend flexible Arbeitsmodelle und unterstützende Maßnahmen für mehr Wohlbefinden am Arbeitsplatz.

Ein weiterer wichtiger Aspekt in Bezug auf soziale Verantwortung betrifft die Einhaltung von Menschenrechtsstandards in der gesamten Wertschöpfungskette. In diesem Kontext sind die gesetzlichen und regulatorischen Anforderungen, wie beispielsweise das Lieferkettengesetz, strenger geworden. Dadurch sind Unternehmen gezwungen, ihre Sorgfaltspflicht in Bezug auf Menschenrechte zu stärken.

Förderung sozial nachhaltiger Aspekte wird zum wichtigen Wettbewerbsfaktor

Diejenigen Unternehmen, die sich proaktiv mit sozialen Themen auseinandersetzen und entsprechende Strategien implementieren, werden nicht nur in der Lage sein, den steigenden Kundenerwartungen gerecht zu werden, sondern auch ihre Mitarbeitendenbindung und -produktivität nachhaltig zu stärken.

Diese vier Schritte können beim Realisieren sozialer Ambitionen unterstützen:

  1. Strategie: Sozialen Themen in der (ESG-)Strategie und Governance eine höhere Bedeutung beimessen und diese aktiv in die strategische Ausrichtung einbauen.
  2. Soziales Engagement: Einen ganzheitlichen und strukturierten Ansatz für soziales Engagement umsetzen (zentraler Ansatz vs. dezentrale, lokale Initiativen).
  3. Allianzen: Allianzen mit Dritten eingehen (Gesundheitsanbieter für das interne Gesundheitsmanagement, Datenanbieter zur Social-Datenerhebung und zum Benchmarking), um soziale Ambitionen zu beschleunigen und einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen.
  4. Messsysteme: Einführung wirksamer Messsysteme für eine valide Datenbasis und die aktive Bewertung und Steuerung von Maßnahmen.

Es ist von zentraler Bedeutung für Versicherungsunternehmen, zu verstehen, dass ihr soziales Engagement nicht nur ethisch geboten ist, sondern auch ihre Geschäftsperformance und ihren Ruf maßgeblich beeinflusst. Daher ist es unerlässlich, dass Versicherungen ihre Bemühungen intensivieren und die soziale ESG-Dimension in den Mittelpunkt ihrer Unternehmensstrategie rücken.

Es bleibt abzuwarten, welche konkreten, sozialen Maßnahmen bei den einzelnen Versicherern auch im Zuge der CSRD-Anforderungen künftig umgesetzt werden. Wer frühzeitig mit der Implementierung von sozialen Themen beginnt, kann sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

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Sustainable Finance und ESG

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Mit der Verabschiedung der Sustainable Development Goals (SDGs) und des Pariser Klimaabkommens im Jahr 2015 haben die Vereinten Nationen das wohl ehrgeizigste Projekt der Menschheitsgeschichte auf den Weg gebracht: Die Transformation zu einer nachhaltigeren Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung.

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Um diese Hebelwirkung des Finanzsektors für die gewünschte nachhaltige Transformation zu nutzen, hat die Europäische Kommission 2018 den EU-Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums verabschiedet. Er hat in Verbindung mit der EU-Taxonomie und einer Vielzahl weiterer Gesetze und Verordnungen – insbesondere zur ESG-Berichterstattung (Environment, Social, Governance) – dazu geführt, dass Finanzdienstleister zahlreiche Prozesse umgestalten und ihre Produktangebote neu ausrichten müssen. Dabei sind zahlreiche Entscheidungen zu treffen, die tiefgreifende Veränderungen nach sich ziehen und erhebliche Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg und das Geschäftsmodell haben.

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