Innovation

KPMG-Studie zur Digitalisierung der Wohnungswirtschaft

Digitalisierung: Wo steht die Wohnungswirtschaft?

Wo steht die Wohnungswirtschaft aktuell beim Thema Digitalisierung und welche Trends sind für die Branche relevant?

KPMG hat seine Studie „Digitalisierung der Wohnungswirtschaft 2020“ veröffentlicht und die Ergebnisse finden bereits eine breite Resonanz. Nicht nur die Frage danach, wo die Wohnungswirtschaft heute in der Digitalisierung steht, sondern auch die Frage, welche Themen und Technologien für die Unternehmen relevant sind oder es in der Zukunft noch werden, wird in dieser Studie beantwortet.

Die Wohnungswirtschaft digitalisiert bewusst und sieht eher Potenziale in der Prozesseffizienz als in der Implementierung neuer Technologien. Dies erklärt vielleicht, warum zum Beispiel PropTechs einen sehr schweren Stand in der Branche haben.

Die Studie zeigt deutlich, dass die Digitalisierung ein Megatrend ist, der – trotz aller anderslautenden Vorurteile – nicht an der Wohnungswirtschaft vorbeigeht. Die Branche digitalisiert, aber sie digitalisiert bewusst und optimiert sich eher im prozessualen Bereich, als unstrukturiert in neue Technologien zu investieren.

Neben spannenden strategischen, organisatorischen und technologischen Aspekten bestätigt die Studie insgesamt in viererlei Hinsicht offensichtliche, aber auch in Teilen nur unterschwellig bekannte Tatsachen.

  • Große Unternehmen sind digitaler, als kleinere.
  • Eine Digitalisierungsstrategie mit eigener Budgetierung ist wichtig und trägt maßgeblich zur Digitalisierung bei, ist aber nicht flächendeckend vorhanden und noch seltener in Umsetzung.
  • Die größten Risiken der Digitalisierung sitzen in eigenen Unternehmen.
  • Die ERP-Anbieter haben eine große Machtposition in der Branche und sind einer der wesentlichsten Impulsgeber der Digitalisierung.

Sind wirkliche Innovationen möglich?

Setzt die Wohnungswirtschaft vielleicht in einem zu hohen Maß, auf die Lösungen der ERP-Anbieter und verliert dadurch den Blick auf wirkliche Innovationen, die in anderen Branchen bereits etabliert sind? Bei der Frage nach den wesentlichen Impulsgebern der Digitalisierung ist auffällig, dass die ersten sechs Plätze ausschließlich im Unternehmen oder der Branche selbst zu finden sind. Insbesondere die ERP-Anbieter spielen hier eine maßgebliche Rolle. Blickt man dann auf Unternehmen, die sich als „überwiegend digital“ bezeichnen, fällt auf, dass Lösungen in einem sehr hohen Prozentbereich implementiert sind, die von den Anbietern als „Must-have“ der Digitalisierung angepriesen werden.

PropTechs oder FinTechs, deren Marketing in den letzten Jahren auf Hochtouren läuft, spielen in der Wohnungswirtschaft, wenn überhaupt, dann eine eher untergeordnete Rolle. Der Blick über den Tellerrand wird nur sehr zaghaft gewagt, sodass auch Innovationen aus anderen Branchen nicht wirklich als Treiber für die Wohnungswirtschaft dienen.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise?

Die Befragung zur KPMG-Studie wurde zwischen Januar und März 2020 online durchgeführt und somit wurde der Großteil der Bögen noch vor Beginn der Corona-Krise bearbeitet. In den seit der Veröffentlichung der Studie durchgeführten Feedback-Sessions mit teilnehmenden Wohnungsunternehmen kam daher oft die Fragestellung auf, ob andere Ergebnisse auftreten würden, wenn die Studie heute mit den gleichen Fragen erneut durchgeführt werden würde. Die Antwort darauf lautet: Eher nicht.

Warum diese Aussage? Tatsächlich hat Corona der Digitalisierung in Deutschland und damit natürlich auch in der Wohnungswirtschaft einen deutlichen Schub gegeben. Themen wie Homeoffice oder flächendeckende Ausstattung mit mobilen Endgeräten, die im Februar 2020 in den Unternehmen eher eine Ausnahme darstellten, haben sich nach Anfangsschwierigkeiten eingespielt und sich nun in der Praxis nicht mehr wegzudenken. Die Präsenz vor Ort und die Art der Tätigkeitsausübung hat sich sicherlich massiv auch für die oftmals nach eigenen Aussagen technisch unvorbereitete Wohnungswirtschaft geändert.

Dennoch: Bei der Digitalisierung geht es um bedeutend mehr als um den Einsatz mobiler Endgeräte durch die Arbeitnehmer oder die Durchführung virtueller Abteilungsmeetings. Die Digitalisierung ist eine grundlegende Veränderung der Arbeitsweisen und Prozesse durch den Einsatz von Technologie. Dies kann im Einzelfall zu überschaubaren Anpassungen führen, aber auch bisher bekannte und gelebte Prozesse komplett in Frage stellen, restrukturieren und disruptieren. Aufgaben und Positionen, die es früher in jedem Wohnungsunternehmen hab, ändern sich oder fallen komplett weg. So muss sich die Branche heute zum Beispiel die Frage stellen: „Brauche ich in fünf Jahren noch viele Sachbearbeiter zur Nebenkostenabrechnung im Unternehmen, wenn die relevanten Buchungen mit der korrekten Kostenart und Kontierung automatisiert durch künstliche Intelligent gebildet und verbucht werden?“ Anforderungen der Unternehmensführung, der Mitarbeiter und noch vielmehr der Kunden ändern sich und zwingen Unternehmen zum ganzheitlichen Handeln.

PropTechs? Wer oder was sind PropTechs?

Dass die Wohnungswirtschaft ein hartes Brot für Branchenfremde oder für innovative Start-Up-Unternehmen ist, kann man insbesondere bei einer näheren Betrachtung am Beispiel der PropTechs erfahren. Gerade einmal 23% der teilnehmenden Unternehmen haben aktive Lösungen der PropTechs im Einsatz, 77% haben entweder gar keine Berührungspunkte mit PropTechs oder sich vielleicht einmal Lösungen angesehen (23%), ohne diese weiter zu verfolgen. Interessant ist der Aspekt, dass neben konservativen Weiterentwicklungen von Funktionen auch innovative, tief durchdachte Lösungen einen Schweren Stand in der Branche haben.

Ein beim Brancheneinstieg deutlich unterschätztes Risiko ist die Datenbereitstellung aus und insbesondere der Datenaustausch mit den etablierten ERP-Systemen. Hier besteht in Summe, sowohl auf Seite der PropTechs als auch auf Seite der ERP-Hersteller, ein erheblicher Nachholbedarf, um das vorhandene Potenzial zu nutzen. Es besteht das Risiko, dass durch Mauern beim Brancheneintritt und der komplizierten digitalen Vernetzung Chancen für die Unternehmen vergeben werden, welche die Wohnungswirtschaft mit Blick auf andere Branchen zurückwirft und insbesondere Auswirkungen in der Zukunft hat, die ad hoch noch nicht absehbar sind.

Die Wohnungswirtschaft befindet sich derzeit noch überwiegend auf einer sicheren Insel – aber erste Auflösungserscheinungen derselbigen sind bereits ersichtlich. Die Corona-Krise hat vieles beschleunigt, aber der eigentliche Umbruch steht noch bevor. Es geht der Branche in Summe, sicherlich mit regional unterschiedlichen Herausforderungen, nach wie vor gut – Auswirkungen aus der aktuellen Krise sind im Gegensatz zu überwiegend gewerblichen Vermietern bisher wenig zu spüren, aber je länger die Krise andauert, desto größer werden die Risiken und eventuell auch die direkten Auswirkungen auf die Branche. Es ist daher empfehlenswert, sich in jedem Fall weiter und vielleicht noch etwas intensiver mit der Digitalisierung zu befassen und auch mal einen kleinen Blick über den Tellerrand hinauszuwagen.

 

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Warum sollten Unternehmen das Thema Innovation aktiv steuern? Reicht es nicht, sich wie bisher einfach organisch weiterzuentwickeln oder gar dem Zufall zu überlassen? In Zeiten der digitalen Transformation ganz klar: nein.

Denn der Sog neuer Technologien, Trends und Bedürfnissen ist so stark, dass sich ihm keine Branche entziehen kann. Was heute noch Erfolg verspricht, ist morgen schon Geschichte. Um ihren Erfolg zu sichern, müssen sich Unternehmen deshalb in immer kürzeren Zeiträumen kontinuierlich neu erfinden – dies kann man nicht dem Zufall überlassen.

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