New Work im Finanzsektor

Megatrend Metaverse: Hype oder die Kundenwelt von morgen?

Was die aktuellen Entwicklungen für die Finanzindustrie bedeuten

Stehen wir im Zuge der Digitalisierung vor dem Beginn einer neuen Ära? Die rege Diskussion um das sogenannte Metaverse lässt es vermuten. Aber was bedeutet die Entwicklung wirklich für Geschäftsanwendungen vor allem in der Finanzbranche – und ist sie so epochal, wie es scheint?

Tatsache ist: Die großen Tech-Konzerne wie Meta und Microsoft stellen sich durch Neuausrichtung oder Akquisition für das Metaverse auf. Das zeigen beispielsweise das Rebranding von Facebook zu Meta, flankiert durch Ankündigungen zur Geschäftsausrichtung, im Herbst 2021 und der Kauf des Publishers Activision Blizzard durch Microsoft. Virtuelle und reale, physische Welten wachsen – über das Internet verbunden – durch soziale Medien und Datenbrillen zusammen.

Ist das ein Hype oder die Realität? Das Konzept des Metaversums basiert auf Technologien, die heute bereits verbreitet und im Einsatz sind. Und die grundsätzliche Idee wird dieses Jahr – Neal Stephenson hat in seinem Buch „Snow Crash“ den Begriff bereits 1992 eingeführt – bereits 30 Jahre alt. Und doch ist jetzt der Moment, in dem das Metaverse eine Bedeutung für Entscheider:innen auch in der deutschen Finanzbranche erlangen wird.

Was das Metaverse ist – und was es nicht ist

Neue Technologien haben unseren (Büro-) Alltag das letzte Jahrzehnt hindurch zunächst langsam und Schritt für Schritt verändert. Die Pandemiemonate haben Büroarbeiter:innen eine deutliche Beschleunigung der digitalen Transformation gebracht. Wir haben zum Beispiel 2021 die ersten touristischen Weltraumflüge erlebt, Flugtaxis sind börsenkompatibel geworden und Textilanbieter bieten limitierte Editionen von virtuellen Kleidungsstücken zum Verkauf an. Diese für jeden sichtbaren Entwicklungen gehen aufgrund der engen Verzahnung von beruflichem und privatem Umfeld fließend in die Unternehmen über.

Unterstützt durch bestehende und bereits ausgerollte Technologien – etwa Cloud und 5 G – wird das Bild eines neuen Lebens- und Arbeitsraums konkreter. Beschleunigt wird die evolutionäre Entwicklung durch die Pandemie. Die aktuellen Entwicklungen deuten darauf hin, dass das Metaverse bald über die Computerspieleindustrie hinausgehen wird. Längst kaufen Investoren in großem Stil Grundstücke und Immobilien in virtuellen Welten. Diese Veränderungen sollten von Finanzdienstleistern nicht ausgeblendet werden.

Erste Anwendungsfälle für Finanzdienstleister

Welche konkreten Anwendungsfälle ergeben sich für Finanzdienstleister? Die klassische Bankfiliale hat an immer mehr Stellen ausgedient – jedes Jahr sinkt ihre Zahl weiter. Im Metaverse hätte sie potenzielle Chancen auf eine Wiederauferstehung: Bankkund:innen setzen ihre virtuelle Datenbrille auf und betreten auf diese Weise die Filiale – ohne die eigenen vier Wände zu verlassen. In der ständig verfügbaren virtuellen Filiale besteht dann die Möglichkeit, zum Beispiel Immobilienangebote am Aushang einzusehen, bei Bedarf die virtuelle Besichtigung mit dem Makler oder der Maklerin durchzuführen, um dann in ein persönliches Beratungsgespräch zu besonderen Ausstattungsmerkmalen (Wall-Boxes für Elektroautos oder Solar-Panels für die dezentrale, umweltfreundliche Energieversorgung) zu gehen. Zum Abschluss lädt das Filialteam zu einer Diskussionsrunde (zum Beispiel Gespräche mit Expertinnen und Experten zum Vermögensaufbau) – so wird die Filiale zum virtuellen Erlebnis, zur Netzwerk- und Informations-Plattform. Die Finanzierung der Immobilie ist natürlich im Zuge dessen mit dem persönlichen Kundenberater oder der Kundenberaterin abgestimmt worden.

Kollaborations-Plattformen und IT-Infrastruktur als Fundament eines Business im Metaverse

Das ist nur ein Anwendungsszenario. Deshalb empfiehlt sich eine aktive Auseinandersetzung mit Chancen und einhergehenden Risiken der neuen Technologien und der Geschäftspotenziale für Banken und Versicherungen. Schon heute ist das Grundgerüst in Form von Kollaborations-Plattformen wie Microsoft Teams oder Slack vorhanden. Stabilität gibt eine für die neue Welt ausgelegte IT-Infrastruktur – sie sollte nun sukzessive vorbereitet werden.

Die möglichen Effekte auf die Geschäftsmodelle der Finanzdienstleister sind enorm: Neue und exklusive Produkte sowie Services generieren Neugeschäft, der Zugang zum Zahlungsverkehr im Metaverse wird aufgeschlossen und Wirkungszusammenhänge von digitalen und physischen Vermögenswerten können vermarktet werden.

Und der Mehrwert in Form der Customer oder Employee Experience wird sicherlich im heiß umkämpften Markt um Kund:innen und Talente ein möglicher Differenzierungsfaktor sein – bietet die neue Technologie doch Möglichkeiten, den Kontakt zu Unternehmenszielgruppen (Kund:innen oder potenzielle Mitarbeiter:innen) mit neuen Möglichkeiten aufzuladen und von der daraus entstehenden Begeisterung zu profitieren.

Spielerisch experimentieren – ein erster Schritt in Richtung Metaverse

Damit die Potenziale für das Unternehmen greifbar und realitätsnah werden, sollten Unternehmen experimentierfreudig werden: Die Anschaffung einer virtuellen Datenbrille oder schon die Recherche von Anwendungsfällen im Markt können wichtige Impulse geben. Viele Entscheider halten das Konzept möglicherweise noch für Science-Fiction. Aber um den Anschluss an den Wettbewerb und ihre Zielgruppen nicht zu verlieren, sollten sie das Metaverse nicht einfach abtun.

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New Work im Finanzsektor

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New Work im Finanzsektor

Das klassische Arbeitsmodell mit festen Bürozeiten hat ausgedient. In den meisten Unternehmen der Finanzbranche gehören mobiles Arbeiten, flexible Arbeitszeiten und digitale Arbeitsmedien längst zum Alltag. Ist damit das Versprechen einer neuen Arbeitswelt erfüllt? Nur in Ansätzen, denn New Work ist nicht gleichbedeutend mit Homeoffice. New Work steht für einen generellen Kulturwandel in Unternehmen, bei dem es nicht nur darum geht, ob Teams gemeinsam vor Ort oder remote zusammenarbeiten.

Vielmehr bieten sich Möglichkeiten neue Formen der (Zusammen-)Arbeit zu entwickeln, oftmals in hybrider Form, in denen bewährte Arbeitsschritte durch neue technische Möglichkeiten unterstützt, kreative und agile Prozesse eingebunden und so neue Potenziale freigesetzt werden. New Work ist komplex, wirkt sich auf nahezu alle Dimensionen einer Organisation aus und muss kulturell, strukturell sowie methodisch aktiv gemanagt werden. Und das nicht nur einmalig, sondern fortwährend.

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