Der EU AI Act bringt Finanzinstituten Klarheit und fördert Innovation

Gleichzeitig führt die KI-Verordnung auch zu strengeren Compliance-Anforderungen.

Keyfacts:

  • Im Trilog der Europäischen Union wurde Ende 2023 eine politische Einigung hinsichtlich des EU AI Acts erzielt. Somit steht Europa kurz vor einer einheitlichen Regulierung von künstlicher Intelligenz (KI).
  • Die KI-Verordnung läutet eine neue regulatorische Ära ein, indem sie Klarheit schafft und den Weg für Innovationen ebnet.
  • Auch für Finanzinstitute bedeutet das, dass sie sicherstellen müssen, dass ihre KI-Systeme erklärbar sind und dass sie ihre Ansätze im Modell-Risiko-Management erweitern.

Der Trilog der Europäischen Union (EU) hat im Dezember eine Einigung erzielt, die den Weg für die Fertigstellung und Annahme des EU AI Acts noch im Jahr 2024 ebnet. Das KI-Gesetz soll einen einheitlichen Regulierungsrahmen für den Einsatz von KI-Systemen in der EU schaffen. Auch in der Finanzindustrie wird es die Anwendung und Entwicklung künstlicher Intelligenz in den nächsten Jahren entscheidend prägen.

Die meisten Bestimmungen werden spätestens nach einer Frist von zwei Jahren in Kraft treten, das heißt im Jahr 2026. Es ist möglich, dass noch Änderungen zur letzten Entwurfsfassung vorgenommen werden.

Der EU AI Act und die Bedeutung für die Finanzindustrie

Mit dem EU AI Act setzt sich die Europäische Union zum Ziel, das Vertrauen in KI-Systeme zu stärken: Risiken sollen gemindert und Innovationen gefördert werden. Ein zentraler Aspekt des Gesetzes ist die Forderung nach mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen, die von einer KI getroffen werden. Banken, Versicherer und andere Finanzdienstleister werden ihre KI-Systeme strengen Compliance-Prüfungen unterziehen müssen. Sie sind verpflichtet sicherzustellen, dass ihre KI-Systeme erklärbar sind und Kunden die getroffenen Entscheidungen nachvollziehen können.

Für Finanzinstitute ist der EU AI Act von besonderer Bedeutung. Sie verwenden bereits eine Vielzahl an statistischen Modellen, von denen einige, wie beispielsweise logistische Regression, durch das neue Regelwerk betroffen sind. KI-Systeme werden je nach dem von ihnen ausgehenden Risiko in verschiedene Kategorien eingeteilt. Auf diese Risikoklassen gehen wir in diesem Artikel genauer ein. Insbesondere die Verwendung von KI für die Kreditwürdigkeitsprüfung für Banken sowie die Preisbildung und Risikoprüfung in der Lebens- und Krankenversicherung werden dabei als Hochrisiko-KI-System eingestuft.

Wie sich Finanzdienstleister auf den EU AI Act vorbereiten sollten

1. Anforderungen an bestehende IT-Systeme anpassen

Aus den Vorgaben des EU AI Acts ergeben sich Umsetzungsherausforderungen, die frühzeitig erkannt und fristgerecht umgesetzt werden sollten. Es ist zu erwarten, dass zahlreiche bestehende IT-Systeme von den Anforderungen der KI-Verordnung betroffen sein werden und damit zusätzliche Anforderungen erfüllen müssen. Bei der Umsetzung neuer KI-Lösungen werden somit Methoden und Standards zur Nachweisführung bestimmter Eigenschaften von KI-Systemen schnell an Bedeutung gewinnen.

2. Ansätze im Modell-Risiko-Management erweitern

Hinzu kommt, dass Banken, Versicherer und andere Finanzdienstleister seit Jahrzehnten Modelle einsetzen, um Risiken zu steuern oder Preise zu berechnen – beispielsweise für Kredite oder Derivate. Zur Steuerung und Überwachung, Reduzierung und Messung von Modellrisiken haben Banken und Versicherer umfassende und komplexe Modell-Risiko-Management (MRM)-Ansätze eingeführt und kontinuierlich weiterentwickelt.

Mit der steigenden Anwendung von künstlicher Intelligenz sind eine umfassende Anpassung und eine Erweiterung dieser MRM-Ansätze unerlässlich. Hier stellen wir sieben Handlungsschritte vor, die zu signifikanten Fortschritten bei der Identifikation und Steuerung von KI-Risiken führen können.

Fazit: Neue Chancen für Finanzinstitute durch Klarheit und Innovation

Da KI-Systeme im Anwendungsbereich von Banken und Versicherern tendenziell einer eher hohen Risikoeinstufung unterliegen, hat die regulatorische Unsicherheit die Entwicklung und Nutzung innovativer KI-Ansätze bisher eher gebremst. Der EU AI Act soll in Zukunft für mehr Klarheit sorgen und damit die Weichen für mehr Innovation stellen.

Banken, die KI-Systeme einsetzen, profitieren von Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung durch KI-gestützte Automatisierung und Optimierung der Datennutzung im Vergleich zu konventionellen Mitbewerbern. Darüber hinaus kann die KI-basierte Früherkennung von Risiken zu einem verbesserten Risikomanagement führen. Komplexe Entscheidungsprozesse werden vereinfacht, da KI-Systeme datenbasierte Trends in den Märkten erkennen und neue Strategieansätze aufzeigen können.

Die Nutzung von KI-Systemen im Banken- und Versicherungsbetrieb wird mittelfristig unverzichtbar sein und ihre Anwendungsfälle werden zunehmend an Bedeutung gewinnen. Banken und Versicherer sollten daher frühestmöglich mit der Vorbereitung auf den EU AI Act beginnen.

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Gut aufgestellt für kommende Herausforderungen: Das Risikomanagement für Banken und Versicherungen weitergedacht.

Chief Risk Officer (CRO) in Banken, Versicherungen, Asset Managern und Immobilienunternehmen stehen unter Druck. Auf der einen Seite nehmen die regulatorischen Anforderungen und die Erwartungen interner Stakeholder an das Risikomanagement seit Jahren stetig zu. Es gilt, immer mehr Risiken und Risikotreiber zu erkennen, zu bewerten und zu steuern. Immer häufiger sind Stresstests und Analysen durchzuführen, und immer umfassender soll die Risikoorganisation über die entwickelten Aktivitäten berichten.

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