Der Wackelzahn-Moment für Banken: Die KPMG RiskTech-Konferenz 2026
Nie war es so wichtig, Technologie und Risikomanagement miteinander zu verbinden.
Keyfacts:
- Momente der Unklarheit und Unsicherheit fordern das Risikomanagement immer häufiger, neue Wege zu gehen.
- Bei der KPMG RiskTech-Konferenz 2026 trafen Verantwortliche aus der Finanzindustrie auf Technologieanbieter.
- Die Konferenz hat sich zu einer zentralen Plattform für den Austausch über aktuelle Trends und Entwicklungen im Risikomanagement entwickelt.
„Wir erleben gerade den Wackelzahn-Moment für die Risikomanagement-Funktion“ – mit diesem ungewöhnlichen Satz haben wir die Gäste der KPMG RiskTech-Konferenz 2026 auf das Programm des Tages eingestimmt. Viele fragten sich wohl: Was haben ein kindlicher Wackelzahn und das Risikomanagement in Banken miteinander zu tun? Wir denken: eine ganze Menge.
Ein Wackelzahn ist eine große Veränderung, ein Krisenprojekt geradezu – das wissen alle, die Kinder haben. Der Wackelzahn löst viele Fragen aus und bringt ein Gefühl der Unsicherheit und Unwägbarkeiten mit sich – und diese gilt es heute auch im Risikomanagement zu meistern angesichts geopolitischer, technologischer und regulatorischer Entwicklungen. Unser Fazit: Der neue Zahn kommt, ob man es will oder nicht – in jedem Fall meistern wir die Situation besser, wenn wir ihn willkommen heißen.
Solche Wackelzahn-Momente gibt es im Risikomanagement jetzt immer häufiger, bestätigte auch Kristina Trink, Mitglied des Vorstands und Chief Risk Officer bei der Deutschen Kreditbank (DKB) – zum Beispiel aufgrund der enormen Unsicherheiten, die aktuell die Welt prägen. Sie machte deutlich: Zinswende, technologischer Fortschritt, künstliche Intelligenz (KI) – an diesen Punkten entscheide sich derzeit die Rolle des Risikomanagements neu. Technologie sei dabei ein wichtiges Mittel zum Zweck für mehr Effizienz, die Stärkung des Kundennutzens und für ein tragfähiges, skalierbares Geschäftsmodell.
Lukas Henatsch begrüßte als zweiter Co-Gastgeber die Teilnehmenden mit einleitenden Worten zur Veranstaltung.
In ihrer Opening Keynote sprach Kristina Trink, CRO bei der DKB, darüber, wie sich Risikomanagement in Zeiten globaler Unsicherheiten und technologischer Entwicklungen neu definiert.
Pedro Machado, Mitglied des Aufsichtsgremiums der EZB, sprach in seiner Keynote über Governance, Risiko und Compliance beim KI-Einsatz in Banken.
Im Panel sprach Dana Wengrzik, Managing Director bei RSU, über die Chancen von Shared Service Providern in einem vielfältigen Kundenumfeld.
Thomas Jagodzinsky, Managing Director bei parcIT, diskutierte im Panel, wie Shared Service Provider Effizienz und Diversität erfolgreich verbinden können.
Markus Quick (KPMG, links) und Alfons Mais, Generalleutnant a.D. und ehemaliger Inspekteur des Heeres, sprachen im Expert Talk über Sicherheitspolitik und die Folgen für das Risikomanagement deutscher Banken.
Im Panel teilten Dr. Gregor Penner (Head of Market Risk, Helaba), Dr. Alexandra Rambold (Head of Validation CreditRisk, DZ BANK) und Matthias Peter (Partner, KPMG) ihre Erfahrungen mit KI Use Cases im Risikomanagement (v.l.n.r.).
Dirk Gollnick, Cluster Lead Valuations / Market & Liquidity Risk bei der Commerzbank, sprach im Panel über die Entwicklung moderner IT-Architektur für das Risikomanagement bei Banken.
Michael Ehret, Teamleiter Risk Control Data & Analytics bei der Bayerischen Landesbank (links) und Franz Lorenz (KPMG) thematisierten den effizienten Einsatz von Python im Risk Control.
Valeria Lauer (Risk Management Valuation, DekaBank) erläuterte die Neugestaltung von Valuation-Prozessen jenseits klassischer Tabellenkalkulationen.
Svenja Kraft (Risk Management Valuation, DekaBank) präsentierte, wie Valuation-Prozesse mit einem einheitlichen System effizienter gestaltet werden.
Technologische Kompetenz in das Risikomanagement bringen
Einordnen konnte die geopolitischen Unsicherheiten Generalleutnant a.D. Alfons Mais im anschließenden Gespräch mit Markus Quick. Die Diskussion der beiden hat gezeigt: Strategisch-politischer Sachverstand ist für Risikomanager heute relevanter denn je, denn als kritische Infrastruktur müssen Banken und andere Finanzdienstleister an ihrer Resilienz arbeiten, und sie benötigen Notfall- und Krisenpläne für verschiedene geopolitische Szenarien.
Wie begegnen Banken diesem Umfeld? Nach unserer Einschätzung ist es heute wichtiger denn je, technologische Kompetenz in das Risikomanagement zu bringen. Unter dem Motto „Risk meets Intelligence“ bot unsere Konferenz zum zweiten Mal Verantwortlichen aus dem Risikomanagement und Technologieanbietern eine Plattform, um sich über aktuelle Trends und Entwicklungen im Risikomanagement auszutauschen.
Das sind die Top-Prioritäten für das Risikomanagement im Jahr 2026
Aus unserer Sicht lassen sich sechs Top-Trends beschreiben, die in diesem Jahr das Risikomanagement verändern und von Technologie getrieben sind:
1. Real-Time Risk Management: Die Märkte bewegen sich heute schneller, und Liquidität verschiebt sich bisweilen in Minuten – daher wird die Intraday‑Messung immer wichtiger.
2. Digitale Assets: Digitale Vermögenswerte werden zum Normalfall und erfordern neue Risikokontrollen, die ebenfalls in Echtzeit möglich sein müssen. Beides muss in die Prozesse der Bank integriert werden.
3. Ausweitung geopolitischer Szenarien: Regulierung, Lieferketten, Geopolitik, Energie- und Rohstoffmärkte – all diese wichtigen Bereiche fragmentieren sich. Risikoszenarien müssen geopolitische, regulatorische und operative Einflussfaktoren gleichzeitig abbilden – deutlich granularer und dynamischer als in der Vergangenheit.
4. Kosteneffizienz: Risikoorganisationen stehen weiter unter Kostendruck – und viele kämpfen doch mit ineffizienten, fragmentierten Prozessen und Altsystemen. Neue technologische Anwendungen können hier eine Lösung bieten.
5. Künstliche Intelligenz: In den vergangenen zwei Jahren lag der Fokus vieler Unternehmen auf der Erkundung von KI-Anwendungen, insbesondere im Bereich generative KI. Jetzt geht es darum, die Technologie verantwortungsvoll in zentrale Risikoprozesse zu integrieren – mit klaren Governance‑Strukturen und hoher Erklärbarkeit.
6. Zukünftige Risikoarchitektur: Die Risk Architecture der Zukunft ist das verbindende Element. Sie schafft eine moderne, KI‑fähige Risikoplattform, die Daten, Modelle und Prozesse End‑to‑End miteinander verzahnt.
Wie sieht der richtige Umgang mit KI aus Sicht von Pedro Machado (Supervisory Board der Europäischen Zentralbank) aus und welche Lehren lassen sich aus den ersten Anwendungsfällen mit KI im Risikomanagement ziehen? Diese und weitere Fragen bewegten die Gäste auf den Panels des Tages und das Publikum.
Die Verbindung herstellen – mit Lösungen unserer Aussteller
Antworten gaben unter anderem Best-Practice-Beispiele, aber auch die anwesenden RiskTech-Unternehmen (eine Liste findet sich hier). Sie präsentierten im Ausstellungsbereich ihre Lösungen – führende Softwareanbieter für Risikomanagementlösungen, Datenanalyse und Datenqualitätsmanagement, zur Banksteuerung und mehr.
Am Ende kommt es darauf an, gemeinsam die Verbindung von Risikomanagement und Technologie herzustellen. So entsteht ein vorausschauendes, datengetriebenes und systemisch kohärentes Risikomanagement, das bereit ist für Wackelzahn-Momente und dafür, die Zukunft zu gestalten.