RiskTechs: Innovative Technologien für die Risiko-IT

Wie Risikomanager mit neuen Lösungen steigende Herausforderungen bewältigen können.

Keyfacts:

  • Bei der Transformation ihrer Risikoinfrastruktur setzen Kreditinstitute immer mehr auf Standardsoftware-Lösungen.
  • RiskTechs bieten unter verstärktem Einsatz von Technologie innovative Lösungen dafür.
  • Daraus ergeben sich neue Anwendungsfälle, die Risikomanagement-Analysen erleichtern, Prozesse verschlanken und die Benutzerfreundlichkeit verbessern.

In nahezu allen Banken in Deutschland steht die Transformation der Risikoinfrastruktur ganz oben auf der Agenda für 2024. Das Ziel: Die meist historisch gewachsenen und stark fragmentierten Systeme durch moderne, zukunftsfähige Lösungen zu ersetzen sowie die Datenbasis der IT-Risiken zu konsolidieren.

Klarer Trend in Richtung Standardsoftware

Sind die Anforderungen an die künftige Risiko-IT und die Architekturkomponenten definiert, stellt sich schnell die Frage: Make or Buy? Da die Antwort auf diese Frage von vielen Faktoren – insbesondere von der Größe und Komplexität des Geschäftsmodells – abhängt, gibt es keinen Königsweg.

Was wir aber beobachten: Es gibt einen klaren Trend in Richtung Standardsoftware. Denn sie erweist sich oft als günstiger und weniger komplex – mit einem vorgegebenen Leistungsspektrum der Software werden weniger Sonderwege bestritten. Daher setzen immer mehr kleinere und mittelgroße Institute auf Softwarelösungen von Dienstleistern. Und auch Großbanken greifen für bestimmte Bereiche ihres Risikomanagements zunehmend auf Standardsoftware zurück. Wir gehen davon aus, dass dieser Trend sich auch 2024 fortsetzen und verstärken wird.

RiskTechs: Verstärkter Einsatz von technologiebasierten Instrumenten

Bei der Suche nach geeigneten Softwareanbietern lohnt es sich, den Blick über die großen und bekannten Provider hinaus zu weiten. Denn in den vergangenen Jahren hat sich eine Vielzahl von neuen Anbietern gegründet und auf dem Markt etabliert.

Unter RiskTechs verstehen wir innovative Technologieanbieter von Lösungen für das Risikomanagement in der Finanzdienstleistungsbranche. Zum Einsatz kommen dabei verschiedene innovative technologische Instrumente wie Datenanalyse-Tools, maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz. Gleichzeitig fokussieren sich RiskTechs auf die innovative Modellierung und Visualisierung von Risikomanagementprozessen und bieten damit dem Risikomanagement ein zeitgemäßes Tool für die tägliche und effiziente Risikosteuerung.

Lösungen finden sich im Markt bereits für viele Bereiche der Risikosteuerung

RiskTechs haben bereits für sehr unterschiedliche Anwendungsbereiche Lösungen entwickelt. So finden sich überzeugende Produkte sowohl im Bereich der Gesamtbanksteuerung als auch für die Ermittlung und Bewertung unterschiedlicher Risiken – von Markt- und Kontrahenten- über Kredit- bis hin zu Zins- und Liquiditätsrisiken. Auch für die Erfüllung regulatorischer Anforderungen und das interne und externe Berichtswesen sind mittlerweile Angebote auf dem Markt. Die folgenden drei Beispiele zeigen exemplarisch Anwendungsfälle im Risikomanagement von Banken, für die RiskTechs erfolgreich Lösungen entwickelt haben.

Modellrisikomanagement

Die Anzahl und Bedeutung von Modellen in allen Geschäftsbereichen haben in den letzten Jahren signifikant zugenommen. Mit dem Modul AT 4.3.5 haben diese Anforderungen auch unmittelbaren Einzug in das MaRisk-Rundschreiben gefunden. Vor allem für kleinere Häuser rückt das Thema Modellrisikomanagement in den Fokus. RiskTechs bieten flexible Lösungen für moderne Governance-Rahmenwerke, die ein effizientes Management und die Validierung von Modellen in allen Phasen ihres Lebenszyklus erlauben. Banken profitieren hier insbesondere davon, dass die regelmäßige Modellvalidierungen durch einen standardisierten Aufbau, Automatisierungen, zentrale Datenbereitstellung und Code-Versionierungen erheblich ressourcenschonender durchgeführt werden können.

Kreditrisiko

Im Bereich des Kreditrisikos bieten RiskTechs Machine-Learning-Anwendungen, die automatisierte Schätzungen von Ausfallwahrscheinlichkeiten für Kreditportfolien auf Basis einer Bibliothek an Machine-Learning-Algorithmen ermöglichen. Anhand der Inputdaten der Kreditnehmer und vorgegebener Nebenbedingungen erfolgt in der Software eine Auswahl des passenden Modells, eine Bereitstellung der Ergebnisdaten sowie Interpretationsansätze für die Ergebnisse im Sinne von „Explainable AI“. Dies bietet einen Einstieg in durch Machine Learning generierte Modelle, die als Challenger der bisher verwendeten Modelle für Ausfallswahrscheinlichkeiten genutzt werden können.

Systemmigration

Historisch gewachsene Risikomodelle führen im Betrieb oftmals zu suboptimaler Performance und intransparenter Datenablage. RiskTechs bieten hier auch Lösungen wie beispielsweise die Migration komplexer Altsysteme in neue, übergreifende Zielplattformen an. So können beispielsweise Risiko- oder Bewertungsmodelle, die in Excel implementiert wurden, automatisiert in die neue Zielumgebung gehoben werden. Nach einem fachlichen Review stehen die Modelle unmittelbar wieder zur Verfügung und können etwa in einer Cloud-Umgebung transparent und schnell betrieben werden.

Diese Lösungen können zur Vereinfachung von Prozessen, zur Verbesserung des Datenmanagements oder zur Weiterentwicklung von Risikomodellen beitragen. Und sie liefern auch analytische Lösungen für ein tieferes Verständnis der Risikotreiber oder steigern die Benutzerfreundlichkeit bei regelmäßigen und Ad-hoc-Aufgaben in den Risikoabteilungen der Banken.

Bindeglied zwischen Vendoren und der Kreditwirtschaft

Die etablierten Anbieter von Standardsoftware-Lösungen im Risikomanagementbereich setzten auch bereits vermehrt zukunftsweisende technologiebasierte Instrumente ein und integrieren diese in ihre bestehenden Angebote.

Dagegen fokussieren sich RiskTechs typischerweise auf die Lösung sehr spezifischer Fragestellungen. Punkten können RiskTechs darüber hinaus mit ihrer hohen Flexibilität, ihrem innovativen Mindset und einer agilen Arbeitsweise – Aspekte, die sich nicht selten positiv auf die Kultur der nachfragenden Organisation auswirken.

Um die optimale Lösung für jeden Einsatzzweck zu finden, ist es zentral, die Vor- und Nachteile aller möglichen Optionen zu kennen und gegeneinander abzuwägen. Durch die wachsende Anzahl von RiskTechs wird es zu einer immer größeren Herausforderung, diesen gesamthaften Marktüberblick zu behalten.

Potenziale für die Risiko-IT nutzbar machen: Angebote sammeln und bewerten

Wir bei KPMG beobachten den Markt intensiv und sind mit vielen der führenden RiskTechs im Austausch. Als Bindeglied zwischen den Vendoren und den Kreditinstituten unterstützen wir Kunden dabei, den „Best-Fit“ für sich finden – und damit die Potenziale der innovativen Technologien für die Weiterentwicklung ihrer Risiko-IT nutzen zu können.

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Gut aufgestellt für kommende Herausforderungen: Das Risikomanagement für Banken und Versicherungen weitergedacht.

Chief Risk Officer (CRO) in Banken, Versicherungen, Asset Managern und Immobilienunternehmen stehen unter Druck. Auf der einen Seite nehmen die regulatorischen Anforderungen und die Erwartungen interner Stakeholder an das Risikomanagement seit Jahren stetig zu. Es gilt, immer mehr Risiken und Risikotreiber zu erkennen, zu bewerten und zu steuern. Immer häufiger sind Stresstests und Analysen durchzuführen, und immer umfassender soll die Risikoorganisation über die entwickelten Aktivitäten berichten.

Auf der anderen Seite kann sich auch das Risikomanagement dem Effizienzdruck in der Finanzindustrie nicht entziehen. Es muss seine finanziellen und personellen Ressourcen kontinuierlich hinterfragen und Beiträge zu den unternehmensweiten Kostenzielen leisten. Auch eine klar erkennbare Ausweitung der regulatorischen Anforderungen reicht nicht aus, um hohe Kosten oder gar eine Aufstockung des Personals zu rechtfertigen – ein schwieriges Spannungsfeld.

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