ESG 2.0 – Ethische Finanzprodukte vereinen Rendite und Sinnstiftung

Asset Manager entdecken Anlagen, die aktiv eine bessere Welt mitgestalten.

Keyfacts:

  • Rationale Aspekte wie Renditemaximierung sind nicht mehr das alleinige Bewertungskriterium heutiger Anlagen.
  • Zusätzlich zu ESG-Faktoren rückt Ethik in den Fokus der Asset Manager.
  • Ethische Finanzprodukte zielen darauf ab, mit Investitionen aktiv eine bessere Gesellschaft mitzugestalten und eine emotionale Verbindung des Anlegers zu seinen Investitionen herzustellen.

Umweltfonds, Klimafonds, Diversität und Inklusion als Auswahlkriterien: ESG-Faktoren bestimmen nun schon seit Jahren das Anlageuniversum von Asset Managern. Und klar ist: Rendite und verantwortliches Handeln sind nicht nur miteinander vereinbar – sie bedingen oft sogar einander.

Nachdem der Fokus von Anlegern und Anbietern lange auf dem E (Environment) und damit auf Umwelt- und Klimaaspekten lag, rückte zuletzt das S (Social) stärker in den Mittelpunkt – das belegen nicht nur die Diskussionen um eine EU-Sozialtaxonomie oder die Analysen der Themen, die etwa Versicherer in Sachen ESG umtreiben.

Mit der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) liegen mittlerweile auch standardisierte Vorgaben für die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen vor, an denen sich Investoren orientieren können. Hier wollen wir eine Weiterentwicklung von ESG in den Blick nehmen, die auf mehr beruht als dem Erfüllen regulatorischer Anforderungen: ethisches Investieren und Produkte, die Anlegern das ermöglichen.

Ethische Investments – emotional und sinnstiftend

Ethische Investments können als eine Art ESG 2.0 bezeichnet werden, wobei bestimmte Sustainable Development Goals (SDGs) den ethischen Impact messbar und quantifizierbar machen können. Durch ethische Investments wird die Finanzanlage emotional und sinnstiftend und ein zentraler Aspekt der Kundenzentrierung.

Denn wohl kaum etwas kann so sehr vom Kunden her gedacht sein wie die Möglichkeit, persönliche Werte in eigene Investments einzubeziehen.  Ethische Investmentangebote stärken also die Kundenzufriedenheit und fördern eine langfristige Bindung zur persönlichen Geldanlage – und zu ihrem Anbieter

Annäherung an den Begriff der Ethik beim Investieren

Was also bedeutet das für Anbieter von Investmentfonds und anderen Investitionsmöglichkeiten? Schauen wir auf den Begriff: Ethik stammt vom Griechischen „ethikos“, was mit „moralisch“ oder „die Sitten betreffend“ übersetzt wird. Ethik ist ein Zweig der Philosophie, der über die Ziele und Werte des Daseins und über die Bedingungen für ein glückliches Leben reflektiert.

Während Recht und Gesetz das Zusammenleben in Schriftform regeln, verweist die Ethik auf die moralische Unterscheidung zwischen richtig und falsch – also auf das, was wir aus Sicht einer Humanwissenschaft tun sollten, unabhängig von rechtlichen Verpflichtungen.

Mit Positiv-Screening die Gesellschaft aktiv mitgestalten

Wie können Asset Manager ethische Aspekte also in das Portfoliomanagement integrieren? Lange wurden zum Beispiel grüne Finanzprodukte oft durch Ausschlusskriterien und somit durch ein Negativ-Screening definiert. Bestimmte Branchen oder Unternehmen wurden ausgeschlossen.

Doch es bietet viele Vorteile, den Ansatz umzudrehen. Statt nur das Schlechte auszuschließen, könnten Anbieter für ein Portfolio solche Unternehmen auswählen, die aktiv dazu beitragen, soziale Veränderungen zum Besseren herbeizuführen. Dadurch verlagert sich der Fokus vom ausschließlichen Risikomanagement hin zum Erzielen von positiven gesellschaftlichen Veränderungen.

Ein Beispiel: Statt nur Ausschlusskriterien wie Kinderarbeit, Korruption oder umweltschädliche Produktion bei der Titelauswahl zu berücksichtigen, kann der positive Impact, insbesondere im Hinblick auf die Erreichung einzelner SDGs, im Vordergrund stehen. Der bekannte Best-in-Class-Ansatz zum Beispiel gründet auf einer positiven Auswahlmethodik.

Dabei werden Unternehmen in einen Fonds aufgenommen, die innerhalb ihrer Branche die höchsten Bewertungen erzielen. Die Weiterentwicklung ermöglicht die gezielte Messung des ethischen Impacts durch das Erreichen konkreter SDGs.

Wenn der ganze Mensch investiert…

Sicher, nicht jedes Finanzprodukt benötigt zwangsläufig eine starke emotionale Verbindung zum Anleger – in vielen Fällen bleiben Zahlen, Daten und Marktanalysen am wichtigsten.

Aber die emotionale Komponente von ethischen Investments ist von großer Bedeutung, wie der Erfolg von Spezialanbietern unter Banken und Asset Managern schon lange zeigt. Denn sie versetzt Anleger in die Lage, eine tiefere und persönlichere Verbindung zu ihren Finanzentscheidungen herzustellen. Kurz gesagt: Investoren können nicht nur Rendite erzielen, sondern auch Sinn stiften.

Eine neue Markenkomponente für Anbieter von Finanzdienstleistungen

Das trägt zu ihrer Zufriedenheit bei und kann zu einer starken, langfristigen Bindung an die Investmentziele führen. Durch die Möglichkeit, ihre individuellen Überzeugungen in der Geldanlage auszudrücken, entwickeln Anleger ein Gefühl, an einer positiven Veränderung mitzuwirken. So fühlen sie sich stärker mit den Unternehmen und Finanzdienstleistern verbunden, die diese Werte teilen – oder die Ausrichtung der Investitionen an Werten ermöglichen.

Das ist eine Markenkomponente, mit der sich viele Finanzdienstleister üblicherweise schwertun. Für sie birgt ethisches Investieren neues Geschäftspotenzial. Und den Anlegern bietet das Zusammenspiel von rationalen Erwägungen und emotionaler Bindung eine umfassende Investmentstrategie, die den ganzen Menschen inklusive seiner persönlichen Werte berücksichtigt.

Eine aktive Gemeinschaft von Anlegern

Um diese emotionale Bindung aufrechtzuerhalten, müssen Anleger transparent Einblicke in die Auswirkungen ihrer Investitionen erhalten. Finanzdienstleister sollten also Mechanismen einführen, die es Investoren ermöglichen, den Fortschritt ethischer Investitionen aktiv zu verfolgen, beispielsweise durch regelmäßige Berichte zum Erfüllen der SDGs oder von Green-Bond-Projekten.

Zusätzlich sollten Finanzdienstleister den Dialog mit den Anlegern fördern, um Interessen und Bedenken zu verstehen. Veranstaltungen, Webinare und persönliche Beratungsgespräche können eine aktive Gemeinschaft ethischer Investoren schaffen, wodurch Finanzdienstleister nicht nur Transparenz, sondern auch eine unterstützende Umgebung bieten, in der Anleger ihre ethischen Entscheidungen reflektieren und anpassen können.

Insgesamt ist es entscheidend, ethische Investments als aktive Beiträge zu positiven Veränderungen zu betrachten und eine klare Verbindung zwischen den ethischen Werten der Anleger und den tatsächlichen Auswirkungen herzustellen, um langfristiges Vertrauen aufzubauen und die Attraktivität ethischer Investments zu steigern.

Eine neue Dimension der Anlageberatung wird möglich

Eine weitere Herausforderung besteht darin, dass ethischen Investoren oft nur ein begrenztes Anlageuniversum zur Verfügung steht. Die Auswahl geeigneter ethischer Anlagemöglichkeiten kann also kleinteilig und aufwendig ausfallen.

Eine sorgfältige Prüfung und die Entwicklung einer breiten Palette von ethischen Investmentmöglichkeiten sind erforderlich, um sicherzustellen, dass Anleger ihre Werte und Ziele umsetzen können, ohne ihre Anlagestrategie stark einzuschränken.

Diese Herausforderungen erfordern eine enge Zusammenarbeit zwischen Finanzinstituten, Anlegern und Regulierungsbehörden, um die Akzeptanz und Verbreitung ethischer Investitionen zu fördern.

Aber: Durch den Fokus auf den positiven Beitrag einer Investition wird eine neue Dimension der Anlageberatung möglich – ein zukunftsweisendes Modell.

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Sustainable Finance und ESG

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Sustainable Finance

Mit der Verabschiedung der Sustainable Development Goals (SDGs) und des Pariser Klimaabkommens im Jahr 2015 haben die Vereinten Nationen das wohl ehrgeizigste Projekt der Menschheitsgeschichte auf den Weg gebracht: Die Transformation zu einer nachhaltigeren Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung.

Bei dieser Transformation kommt dem Finanzsektor eine herausragende Bedeutung zu. Denn mit seiner Hilfe lassen sich Kapitalströme in nachhaltige Investitionen lenken und Anreize für ein nachhaltigeres Handeln setzen. Außerdem wird so Nachhaltigkeit zu einem integralen Bestandteil des Risikomanagements und die Transparenz von Finanz- und Wirtschaftsaktivitäten deutlich erhöht.

Um diese Hebelwirkung des Finanzsektors für die gewünschte nachhaltige Transformation zu nutzen, hat die Europäische Kommission 2018 den EU-Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums verabschiedet. Er hat in Verbindung mit der EU-Taxonomie und einer Vielzahl weiterer Gesetze und Verordnungen – insbesondere zur ESG-Berichterstattung (Environment, Social, Governance) – dazu geführt, dass Finanzdienstleister zahlreiche Prozesse umgestalten und ihre Produktangebote neu ausrichten müssen. Dabei sind zahlreiche Entscheidungen zu treffen, die tiefgreifende Veränderungen nach sich ziehen und erhebliche Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg und das Geschäftsmodell haben.

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