Exposure Management für Finanzunternehmen: Neue Ära der Cybersicherheit

Der Blick wechselt von Schwachstellen zum ganzheitlichen Verständnis der Angriffsfläche.

Keyfacts:

  • Bei der veränderten Bedrohungslage greift klassisches Schwachstellenmanagement zu kurz – Finanzunternehmen benötigen ein ganzheitliches Exposure Management, das Prozesse, Technologien und Identitäten einbezieht.
  • Continuous Threat Exposure Management (CTEM) integriert Schwachstellen-, Asset-, Identitäts- und Threat-Intelligence-Daten zu einem dynamischen Lagebild und unterstützt automatisierte, risikobasierte Entscheidungen.
  • Regulatorische und operative Notwendigkeit: Finanzunternehmen übernehmen zunehmend die zentrale Steuerung von Threat & Exposure Management, statt sie an Dienstleister auszulagern.

Die dynamische Bedrohungslage

Cyberbedrohungen entwickeln sich in einem rasanten Tempo. Wo früher einzelne Schwachstellen in Betriebssystemen oder Anwendungen im Vordergrund standen, sehen wir heute koordinierte, mehrstufige Kampagnen, die verschiedene Angriffspfade kombinieren. In solchen Kampagnen nutzen Kriminelle Zero-Day-Schwachstellen ebenso wie fehlerhafte Konfigurationen in der Cloud, durch Phishing gestohlene Accounts oder sogar komplette Identitäten oder unzureichend gesicherte Schnittstellen zu Drittanbietern. Nicht vereinzelt, sondern in Kombination und/oder in mehreren aufeinanderfolgenden Stufen eines Angriffs.
Für Finanzunternehmen bedeutet das: Die Angriffsfläche ist nicht mehr statisch. Sie verändert sich täglich durch neue Technologien, Geschäftspartner, regulatorische Anforderungen und die zunehmende Vernetzung der Systeme. Nur wer diese Veränderungen kontinuierlich überwacht, kann Risiken realistisch einschätzen und zeitnah handeln.

Was bedeutet Exposure Management?

Exposure Management erweitert den Blick: Es geht nicht mehr nur darum, bekannte Schwachstellen in Software oder Infrastruktur zu beheben, sondern die gesamte Angriffsfläche eines Unternehmens kontinuierlich zu erfassen, zu bewerten und zu reduzieren. Dazu zählen auch Konfigurationsfehler, unsichere Zugriffe, Schatten-IT, nicht mehr genutzte oder unzureichend abgesicherte Nutzeraccounts oder unzureichend überwachte Drittanbieter-Umgebungen.

Damit verschiebt sich der Fokus von der punktuellen Schwachstellenbehandlung hin zu einem ganzheitlichen Verständnis der digitalen Angriffsfläche. Ziel ist nicht nur, einzelne Sicherheitslücken zu schließen, sondern das Unternehmen als Ganzes resilienter zu machen.

CTEM – Continuous Threat Exposure Management

Ein Ansatz, der sich in der Praxis etabliert, ist CTEM (Continuous Threat Exposure Management). Es verbindet drei zentrale Elemente:

  • Kontinuität: Bedrohungen und Angriffsflächen werden nicht nur punktuell, sondern laufend überwacht.
  • Gefahrenorientierung: Es wird priorisiert, was Angreifende wirklich ausnutzen könnten, nicht nur, was theoretisch verwundbar ist.
  • Management-Fokus: Ergebnisse werden so aufbereitet, dass sie direkt in Risikoentscheidungen und Steuerung einfließen.

Ein weiterer Kernfaktor ist die Automatisierung: Moderne CTEM-Ansätze nutzen Plattformen und Tools, um Daten aus unterschiedlichen Quellen zu korrelieren, Angriffswege zu simulieren und Risiken dynamisch zu bewerten. Damit werden manuelle Aufwände reduziert, Reaktionszeiten verkürzt und Entscheidungen datenbasiert unterstützt.
Der Marktbedarf ist vorhanden: Finanzunternehmen wollen ihre Cyber-Resilienz nicht mehr punktuell testen, sondern kontinuierlich und integriert sicherstellen. Mit CTEM können wir diesen Bedarf gezielt bedienen und einen messbaren Mehrwert liefern, sei es durch eine bessere Priorisierung von Maßnahmen, schnellere Reaktionszeiten oder die transparente Kommunikation gegenüber Aufsichtsbehörden.

Threat & Exposure Management – die Umsetzung

Threat & Exposure Management (TEM) setzt CTEM praktisch und regelkonform um. CTEM definiert die Methodik, wie Risiken kontinuierlich identifiziert, bewertet, priorisiert und validiert werden. TEM setzt diese Prinzipien operativ um, indem es Schwachstellenmanagement, Asset- und Identitätsdaten, Konfigurationsprüfungen sowie Threat Intelligence und Angriffspfadanalysen in ein dynamisches Lagebild integriert. Also ein wichtiger Schritt weg vom klassischen Silodenken in der Cybersecurity.
Im Rahmen vom Digital Operational Resilience Act (DORA) wird dieser Ansatz besonders relevant:

  • Artikel 10 RISK RTS fordert ein ganzheitliches Schwachstellenmanagement, das technische Findings in die IKT-Risiko- und Resilienzsteuerung integriert.
  • Artikel 25 DORA (IKT-Tests) verlangt, dass die Ergebnisse von Testmethoden wie Schwachstellenscans, Pentests oder Hardening Audits systematisch korreliert und in ein konsistentes Risikobild überführt werden.

TEM stellt sicher, dass diese regulatorischen Vorgaben nicht isoliert, sondern in einem konsistenten, bedrohungsorientierten Prozess umgesetzt werden. Dadurch wird aus einem reinen Compliance-Ansatz ein kontinuierliches Cyber-Resilienz-Programm, das reale Angreiferperspektiven berücksichtigt und priorisierte Abhilfemaßnahmen ableitet.

Beispiel: Eine veraltete Web-Anwendung mag in einem Silo als „niedriges Risiko“ erscheinen. Setzt man sie jedoch in Verbindung mit schlecht abgesicherten privilegierten Zugängen, veralteten Verschlüsselungsalgorithmen oder bekannten Angriffskampagnen aus der Threat Intelligence, ergibt sich ein ganz anderes Risikobild. Erst durch die Zusammenführung der Datenpunkte entsteht ein realitätsnahes Lagebild, das für fundierte Entscheidungen genutzt werden kann.

Warum Finanzunternehmen umdenken

Die regulatorischen Anforderungen fordern von Finanzunternehmen eine nachweisbare Resilienz, oder in anderen Worten, eine ganzheitliche, risikoorientierte Betrachtung. Das gelingt nur, wenn Silos aufgebrochen und Informationen in einer gemeinsamen Plattform konsolidiert werden. Exposure Management bietet genau diese Grundlage: Es erweitert die Risikoperspektive, bricht Silos auf und stellt die relevanten Bedrohungen in den Mittelpunkt.
Darüber hinaus schafft es Transparenz für das Management, ermöglicht eine klarere Priorisierung von Investitionen und gibt den Aufsichtsbehörden belastbare Nachweise über den Stand der Cyber-Resilienz.

Strategien der Finanzunternehmen in Multi-Provider-Umgebungen

Ein weiterer Trend ist klar erkennbar: Finanzunternehmen holen Threat & Exposure Management zunehmend zurück in die eigene Hoheit. In komplexen Multi-Provider-Umgebungen stoßen externe IT-Dienstleister an ihre Grenzen. Die Fragmentierung von Verantwortlichkeiten, unterschiedliche Tool-Landschaften und fehlende ganzheitliche Steuerungsmöglichkeiten erschweren es Dienstleistern, ein vollständiges Risikobild zu liefern. Übergreifendes Reporting wird in der Regel durch das Einholen und Aggregieren von Excel-Exporten aus verschiedensten Tools und von verschiedenen Dienstleistern „umgesetzt“ und ist somit kaum handhabbar.

Für Finanzunternehmen bedeutet das, dass ein Kernbestandteil der Cyber-Resilienz nicht mehr ausgelagert werden kann. Nur durch die zentrale Steuerung und Integration im eigenen Haus lassen sich Abhängigkeiten beherrschen, regulatorische Nachweise erbringen und eine konsistente Security-Governance sicherstellen. Die Rolle der Dienstleister verschiebt sich damit stärker hin zu Zulieferern von Datenpunkten, während die übergreifende Bewertung, Priorisierung und Steuerung in der Verantwortung des Unternehmens liegen.

Exposure Management liefert die Basis für fundierte Entscheidungen zur Cyber-Resilienz

Klassisches Schwachstellenmanagement bleibt ein Fundament, doch es reicht nicht mehr aus. Finanzunternehmen brauchen einen integrierten, kontinuierlichen Ansatz: Threat & Exposure Management. Mit CTEM als Rahmen für die Security-Domänen, entsteht ein übergreifender Blick auf die Angriffsfläche. Damit liefert es die Basis für fundierte Risikoentscheidungen, regulatorische Compliance und nachhaltige Resilienz.