Transfer Playbook: Vom Konzept zum Betriebshandbuch
Während der SAR die analytischen Grundlagen liefert, verlangt das Transfer Playbook die operative Übersetzung in belastbare Abläufe entlang der Abwicklungsphasen. Die neuen SRB-Leitlinien definieren erstmals einen konkreten Rahmen, in dem Governance, Rollen, Verantwortlichkeiten, Zeitabläufe, Kommunikationspfade, Entscheidungsprozesse und operative Handlungssequenzen dargestellt und testfähig aufgebaut sein müssen.
Transfer Playbooks werden damit zu echten Betriebshandbüchern für den Krisenfall – weit entfernt von den eher konzeptionellen Dokumenten früherer Jahre.
Die neuen Vorgaben an das Testen: Qualität von SAR und Transfer Playbook entscheiden
Auch wenn das Testing erst in den kommenden Zyklen voll wirksam wird, ist klar: Die Qualität von SAR und Transfer Playbook bestimmt, ob Institute testfähig sind. Getestet werden vor allem Governance-Fähigkeiten, die Aktualisierungs- und Anpassungsfähigkeit des Perimeters, Vermarktungsschritte, Maßnahmen zur Sicherstellung des operativen Betriebs (operative Kontinuität) sowie bedarfsweise Umsetzungsschritte für den Rücktransfer von Übertragungsgegenständen.
Wichtig: Die Abläufe in einer Abwicklung sind zeitkritisch: In den Dokumenten genannte Zeiträume müssen gleichermaßen ambitioniert wie auch operativ durchführbar sein.
Drei Schwachstellen in aktuellen Transferstrategien: Was wir am Markt sehen
In der praktischen Umsetzung zeigen sich derzeit drei typische Schwachstellen.
1. Viele Institute definieren den Übertragungsumfang noch zu sehr aus eigener Perspektive statt aus der Sicht eines möglichen Erwerbers. Häufig werden übertragbare Einheiten entlang interner Organisations‑ oder Produktlogiken beschrieben. Sie schildern häufig „So sind wir aufgebaut“. Für einen Transfer zählt aber etwas anderes: Was kann ein Dritter realistisch übernehmen – und was braucht er dafür? Wenn diese Perspektive fehlt, bleiben Zuschnitt und Marktfähigkeit des Übertragungsgegenstands unklar – und es entstehen im nächsten Schritt Nacharbeiten, weil Käuferlogik und Marktannahmen nicht belastbar sind.
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2. Die größte Bremse ist meist nicht die Idee – sondern die Umsetzbarkeit in Governance und Abläufen. In vielen Instituten ist zwar beschrieben, was übertragen werden könnte. Unklar bleibt aber häufig, wer im Krisenfall entscheidet, welche Informationen wann bereitgestellt werden und wie der Prozess über mehrere Tage unter Zeitdruck gesteuert wird. Die Folge: Dokumente sind nicht durchgängig, Rollen und Eskalationswege wirken nicht ausführbar, und Datenflüsse sind nicht so aufgesetzt, dass sie im Ernstfall verlässlich funktionieren.
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3. Institute unterschätzen die Dynamik: Der Übertragungsumfang bleibt in einer Krise selten stabil. In der Realität verändern sich Annahmen schnell – Marktinteresse, Risiken, verfügbare Daten oder behördliche Vorgaben. Trotzdem behandeln viele Institute den Übertragungsumfang als statisch. Was oft fehlt, ist ein sauberer Mechanismus, wie Anpassungen schnell entschieden, dokumentiert und operativ nachgezogen werden und damit im Einklang stehende Berechnungslogiken und Teilautomatisierungen. Genau hier entstehen später in Tests typische Zusatzaufwände mit hohen manuellen Ressourceneinsätzen, wenn es oft heißt: „Bitte erneut darstellen unter Berücksichtigung folgender Sonderannahmen“.
Vorgaben markieren Handlungsbedarf schon im aktuellen Abwicklungszyklus
Die neuen SRB‑Leitlinien markieren einen klaren Perspektivwechsel in der Abwicklungsplanung: Entscheidend ist künftig nicht mehr, ob Transferstrategien theoretisch plausibel sind, sondern ob sie unter realistischen Bedingungen schnell, geordnet und mit vertretbarem Aufwand umgesetzt werden können.
Für Institute bedeutet das bereits im Abwicklungszyklus 2026 konkreten Handlungsbedarf. Bestehende SARs und Transfer Playbooks müssen daraufhin überprüft werden, ob sie
- die übertragbaren Geschäftsbereiche klar und ausreichend modular abgrenzen
- Abhängigkeiten realistisch berücksichtigen
- und Prozesse, Rollen und Zeitabläufe so beschreiben, dass sie im Ernstfall funktionieren.
Mit dem angekündigten Einstieg in das Testing verschärft sich dieser Anspruch weiter. Unklare, inkonsistente oder rein konzeptionelle Dokumente führen künftig nicht nur zu Feststellungen durch die Aufsicht, sondern vor allem zu wiederholten Nacharbeiten, zusätzlichen Testschleifen und vermeidbaren Folgeaufwänden.
Institute, die ihre Abwicklungsplanung früh an der Umsetzbarkeit, Klarheit und Testfähigkeit ausrichten, schaffen damit vor allem eines: Sie reduzieren Komplexität, Zeitdruck und Aufwand in den kommenden Tests – und machen ihre Transferstrategien beherrschbar.

