Starke und souveräne Kapitalmarktunion: Europas Banken würden profitieren
Frage: Vielfach werden auf europäischer Ebene regulatorische Hürden für Zusammenschlüsse genannt. Nach wie vor gibt es Unterschiede bei den Kapital- und Liquiditätsanforderungen, obwohl die EZB als Aufsicht für alle fungiert. Wie siehst Du das?
Marc Poggel: Die Beobachtung ist richtig: Trotz einheitlicher EZB-Aufsicht bestehen erhebliche nationale Unterschiede bei Kapital- und Liquiditätsanforderungen und bei Compliance-Vorgaben wie Cybersecurity und Datenschutz. Das hemmt die freie Kapitalallokation und schmälert Synergieeffekte.
Die Lösung ist klar und nimmt in Europa bereits Gestalt an: Eine vertiefte Banken- und Kapitalmarktunion mit grenzüberschreitenden Kapital- und Liquiditäts-Waivern würde bislang blockierte Ressourcen freisetzen. Initiativen wie die AMLA, PSD3/PSR sowie ein vereinfachter EU-Aufsichtsrahmen sorgen dafür, dass regulatorische Komplexität weiter sinkt und ein effizienteres, wettbewerbsfähiges Bankenumfeld in der EU geschaffen wird.
Bis diese regulatorischen Initiativen ihre Wirkung entfalten, bleiben nationale Zusammenschlüsse zwar oft attraktiver – aber die Richtung ist klar: weniger Fragmentierung, mehr Skaleneffekte, bessere Voraussetzungen für grenzüberschreitende Transaktionen, sogenannte Cross-Border-Deals.
Drei Voraussetzungen für Erfolg – aber „es braucht auch Rückenwind aus Europa“
Frage: Was wäre für die Institute wichtig, um erfolgreich zu wirtschaften und zu wachsen?
Marc Poggel: Erfolgreiches Wachstum setzt heute vor allem drei Dinge voraus: nachhaltige Profitabilität, Skaleneffekte realisieren und strategische Klarheit. Institute müssen Kostenstrukturen weiter optimieren, Technologien tief in ihr Geschäftsmodell integrieren und ihr Kapital aktiv steuern.
Aber es braucht auch Rückenwind aus Europa. Der europäische Rahmen muss Cross-Border-Deals deutlich erleichtern. Dafür braucht es eine starke und integrierte Kapitalmarktunion. Nur wenn Wettbewerbspolitik und Regulierung bestehende Hürden abbauen, können europäische Institute im Wettbewerb mit großen Playern aus den USA und Asien dauerhaft bestehen.
Frage: Wie lautet also Dein Ausblick auf die nächsten Monate?
Marc Poggel: Das Jahr 2026 wird ein dynamisches M&A-Jahr, vor allem bei nationalen und regionalen Zusammenschlüssen. Große Deals auf europäischer Ebene bleiben möglich, aber die Ausnahme.
Entscheidend ist jetzt strategische Klarheit: Effizienter werden, Technologie stärken, die eigene Position schärfen, um in der nächsten Konsolidierungswelle zu den Gewinnern zu gehören. Dabei wird Krisenresilienz zum echten Differenzierungsfaktor. Institute müssen beweisen, dass sie geopolitische, operative und technologische Schocks aushalten.
Und – wie so oft im M&A-Geschäft: Wir werden sehen, dass vermeintlich sichere Deals scheitern, während andere plötzlich Realität werden, die niemand auf dem Radar hatte.
Vielen Dank für das Gespräch.