Frage: Zur Informationssuche etablieren sich Large Language Models (LLMs) offenbar zunehmend – das legen Umfragen aus der jüngeren Vergangenheit nahe, vor allem unter jüngeren Kundinnen und Kunden. Kommt eine solche Regulierung also nicht absehbar?
Knut Besold: Das stimmt. Inzwischen wird ja auch seitens der EU diskutiert, inwieweit KI-Modelle bereits unter die entsprechenden Regulierungen für Suchmaschinen fallen. Der Weg, den Kundinnen und Kunden beschreiten, bleibt aber analog zur heutigen Plattform-Welt: In der Ergebnisausgabe des LLMs werden konkrete Policen oder Anbieter empfohlen und über diese Anzeige erfolgt eine Incentivierung. Der Anbieter des Modells sucht ja auch eine Monetarisierung für das Trainieren der KI-Anwendung und seiner Spezifikation.
KI erfordert Spezialisierung: Community-Modelle als ein neuer Weg im Maklervertrieb
Frage: Fertige Recherchen über Markt, Konditionen und Preise, übersichtlich und verständlich dargestellt, auf Knopfdruck: Viele bereiten sich mittlerweile mühelos auf das Maklergespräch vor und bringen auch Wissen über Produkte und den Anbieter mit. Wie wird der Vertrieb, ob beim Makler oder beim Versicherer, damit fertig?
Knut Besold: Meiner Meinung nach muss sich der Vertrieb überlegen, wie er sich positioniert. Auch heute schon gibt es sehr gut informierte Kunden, die wenig Beratung oder sehr spezielle Beratung benötigen – mit KI-Suchmaschinen wird das Thema noch drängender.
Aber es gibt auch viele Makler, die neben Expertise und Recherche den persönlichen Vergleich liefern können, insbesondere wenn es um komplexe oder emotionale Entscheidungen geht. Sie haben gerade bei beratungsintensiven Produkten – denken wir nur an den gewerblichen Bereich, im privaten aber auch die Lebensversicherung – einen Vertrauensvorsprung.
Ich kann mir außerdem gut vorstellen, dass wir eine stärkere Fokussierung bei den Maklern erleben werden und andere Modelle entstehen. Weil KI in Windeseile große Informationsmengen sammeln und strukturieren kann, tritt der Marktüberblick des Generalisten als Leistung in den Hintergrund – es ist Spezialisierung gefragt.
Eine andere Möglichkeit führt uns zurück zum Grundgedanken der Versicherungsgemeinschaft: Der Makler entwirft ein spezialisiertes Angebot für eine Community, zum Beispiel für Angehörige bestimmter Berufsgruppen oder Lifestyle-Gruppen. Für sie tritt er dann als Moderator oder Manager des Kollektivs auf und handelt stellvertretend für die Gruppe – sozusagen eine Art oder Abwandlung eines Assekuradeur-Modells.
Vielen Dank für das Gespräch.