„Regulierung und Innovation müssen immer gemeinsam gedacht werden“
Neues aus dem Fintech-Ökosystem: ein Interview mit dem TechQuartier in Frankfurt
Keyfacts:
- Als Partner des TechQuartier (TQ) in Frankfurt engagiert sich KPMG seit langem für Innovationen in der Finanzindustrie.
- Im Interview schildert uns Alice Rettig (Managing Director des TQ), welche Trends und Entwicklungen das Finanz-Ökosystem derzeit prägen.
- Neben Payment sind KI und Quantencomputing die großen Themen – und mit einer sicheren Sandbox-Umgebung lassen sich Technologien jetzt unter realitätsnahen Bedingungen testen.
Wie bleibt die Finanzbranche innovativ? Einer der Orte, von dem viele Impulse für Neuerungen ausgehen, ist das TechQuartier in Frankfurt am Main, wo zahlreiche Fintechs an neuen Produkten und Geschäftsideen arbeiten. Neue Ideen dann auch zur Marktreife zu entwickeln, das wird dort außerdem durch gezielte Programme wie Acceleratoren gefördert.
Als Partner des TechQuartier engagiert sich KPMG seit Jahren aktiv für den Standort Frankfurt und seine Schlüsselrolle als führendes Finanzzentrum. Wir wollten von Alice Rettig (Managing Director des TechQuartier) wissen, welche aktuellen Innovationstrends das Finanz-Ökosystem derzeit prägen – und wie Finanzunternehmen am Standort davon profitieren.
Jens Siebert: Alice, das vergangene Jahr 2025 war ein Rekordjahr für Start-up-Neugründungen – und auch ihr habt im TechQuartier einen erneuten Zuwachs von Start-ups in der Community erlebt. Was sind die Gründe – ist es nur künstliche Intelligenz?
Alice Rettig: Künstliche Intelligenz ist tatsächlich ein zentraler Wachstumstreiber für die Gründung und Skalierung von Start-ups und bietet viele neue Möglichkeiten für Geschäftsmodelle. Aber es gründen sich nicht nur KI-Start-ups: Im Bereich Fintech haben sich bundesweit im vergangenen Jahr 124 neue Start-ups gegründet und in Hessen ist der Finanzbereich im deutschen Vergleich der am stärksten vertreten.
Auch Lösungen aus dem Deep-Tech-Bereich werden immer gefragter und erklären einige Neugründungen. Im TechQuartier freuen wir uns immer über neue spannende Fintechs und Start-ups in unserer Community.
Jens Siebert: Welche Schwerpunkte bei den Geschäfts- und Produktbereichen von Finanzunternehmen macht ihr im Raum Frankfurt aus – Payment, KI, Daten, Compliance…?
Alice Rettig: Dieses Jahr sehen wir eine große Dynamik im Bereich Payments. Das zeigt sich bei den Start-ups in unserer Community wie Green Banana, aber auch bei den Interessen unserer Partner. Das Thema Payments spiegelt sich deswegen in unseren Initiativen dieses Jahr wider: Im April starten wir unseren Payment Roundtable und auch in unserem diesjährigen TQ Accelerator: Digital Finance ist das Thema einer der Schwerpunkte.
Wir beschäftigen uns darüber hinaus auch mit anderen Trendthemen am Markt: Künstliche Intelligenz, Open Finance und Quantencomputing, um nur drei zu nennen. Hier planen wir weitere Events und Aktivitäten in diesem Jahr.
Jens Siebert: Vom Gesetzgeber gehen derzeit viele digitale Initiativen aus: der digitale Euro, die EUDI-Wallet – und die Anti-Geldwäschebehörde der EU (AMLA) fordert von Banken technologische Lösungen für Daten. Welche Reaktion aus dem Fintech-Ökosystem seht ihr?
Alice Rettig: Regulierung und Innovation müssen immer gemeinsam gedacht werden. Neue Regulierungen oder Initiativen vom Gesetzgeber bieten Fintechs Chancen zu reagieren und passende Geschäftsmodelle passgenau zu entwickeln. Gegenüber traditionellen Finanzinstituten haben Start-ups hier einen großen Vorteil – sie können schnell reagieren und neue Entwicklungen umsetzen.
Ein gutes Beispiel ist Regsearch.AI, ein Teilnehmer unseres TQ Accelerator: Digital Finance 2025. Der digitale Agent des Unternehmens liest Gesetzestexte aus und bereitet sie in komprimierter Form für Nutzende auf.
Jens Siebert: In einer Bitkom-Umfrage beklagten Fintechs zu Beginn des Jahres starke Regulierung und viel Bürokratie als Hemmnis für Gründung und Wachstum. Wie helft ihr?
Alice Rettig: Wir planen dieses Jahr erneut unsere Veranstaltungsreihe „Meet the Supervisor“ gemeinsam mit der BaFin, die wir 2025 erfolgreich gestartet haben. Gründerinnen und Gründer bekommen hier die Möglichkeit, in Einzelgesprächen ihre Fragen zu möglichen Erlaubnispflichten, Regeln der EU-Verordnung für Krypto-Werte-Märkte (MiCAR) und weiteren Themen in einem lockeren Rahmen diskutieren.
Weitere Formate mit anderen institutionellen Partnern sind zudem in Planung. Generell steht für uns die Vernetzung im Ökosystem an oberster Stelle, um mögliche Unterstützung zu schaffen – unter anderem auch mit unseren Partnern wie der KPMG.
Jens Siebert: Die KI-Revolution ist ein Einschnitt auch für das Geschäft in der Finanzbranche. Wie reagiert ihr als Innovationsraum darauf?
Alice Rettig: Uns als Innovationshub ist es wichtig, stetig mit Partnern im Austausch zu bleiben und auf neue Herausforderungen mit den entsprechenden Initiativen zu reagieren. Dieses Jahr starten wir deswegen das Tech & Data Lab, Deutschlands erstes Finanz-Reallabor. Das Tech & Data Lab bietet als sichere Sandbox-Umgebung die Möglichkeit, innovative Technologien wie KI, Quantencomputing und Blockchain unter realitätsnahen Bedingungen zu testen und weiterzuentwickeln – regulatorisch konform und praxisnah im Herzen des Finanzstandorts.
In interdisziplinären Sprints werden Finanzinstitute, Start-ups, Tech-Anbieter, Wissenschaft und Aufsicht gemeinsam an konkreten Herausforderungen arbeiten, Lösungen mit realitätsnahen Daten testen und Innovationen in Pilotprojekte oder marktreife Anwendungen überführen. So bringen wir Innovation gemeinsam schnell von der Idee in die Praxis.
Vielen Dank für das Gespräch.