Gefährliche Geliebte: Was Banken von Blockchain halten sollten

Was Banken von der Blockchain halten

Die neue Technologie mischt eine ganze Branche auf.

Keyfacts über Blockchain

  • Der Hype ist weltweit
  • Es ist ein dezentrales Buchungssystem
  • Die Verwaltung von digitalen Verträgen ist möglich
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Bis vor nicht allzu langer Zeit war Blockchain ein Begriff, der lediglich  Finanzexperten und Technik-Nerds wie selbstverständlich über die Lippen kam. Diese Zeit ist längst vorbei: Banken positionieren sich, formen nie dagewesene Allianzen und suchen nach Möglichkeiten, diese Technologie gewinnenbringend für sich zu nutzen.

So funktioniert Blockchain

Der Grundgedanke ist recht simpel: Blockchain beschreibt ein dezentrales Buchungssystem, welches ohne zentrale Instanz auskommt. Es wird kein Vertrauensverhältnis zwischen Kunde und Anbieter vorausgesetzt. Diese fehlende zentrale Instanz ist das Kernmerkmal, über die die Kommunikation der Teilnehmer läuft. Die Informationen werden weitergegeben und von jedem Teilnehmer verteilt.

Konkret: Die Blocks der Chain agieren als Basis für die fehlende Instanz der einzelnen Teilnehmer und beinhalten drei wesentliche Punkte:  Die Transaktionshistorie, den Proof-of-Work und das Mining. Durch einen immer wiederkehrenden Bezug zum vorherigen Block entsteht eine Kette von Blöcken: die Blockchain.

Das Mining sammelt die ins Netz gesendeten Transaktionen, prüft deren Wahrheitsgehalt, fasst diese zusammen und agiert als Buchhalter, unabhängig ob Public oder Private Blockchain.

Die Public Blockchain beschreibt ein, dezentral verschlüsseltes Netzwerk mit Pseudonymen, die Private Blockchain agiert quasi als internes Netzwerk.

In der Blockchain kann jedoch nicht der Austausch von Werten erfolgen. Auch die Verwaltung von digitalen Verträgen, sogenannten Smart Contracts, ist möglich.

Es geht hier also nicht nur um Finanzdienstleister: Zahlreiche Branchen müssen diese Technologie verstehen, weil sie unweigerlich mit ihr zu tun haben werden. Es wie ist einst mit dem Internet: Viel wurde über die Möglichkeiten der World Wide Web geschrieben und gesprochen, keiner konnte es allerdings so richtig greifen. Heute ist die Digitalisierung allgegenwärtig und hat unser Leben grundlegend verändert.

Was kommt, was bleibt

Banken sind derzeit der wahre Katalysator der Blockchain: Sie versuchen, die Technologie greifbarer zu machen. 43 Finanzinstitute haben sich einem globalen Konsortium, dem sogenannten R3 CEV, angeschlossen. Ziel ist die Weiterentwicklung von Standards für die Blockchain-Technologie.

Microsoft übt sich bei dieser Initiative als Pionier und stellt seine Plattform Azure bereit. Die Experimente gehen von der Entwicklung einer automatisierten Anleihe, über die Digitalisierung von Verträgen bis hin zu eigenen Kryptowährungen und cloudbasierten Blockchain-as-a-Service (BaaS)-Plattformen.

 

43

Finanzinstitute haben sich bereits zum globalen Konsortium R3 CEV zusammengefunden, um die Standards für die Blockchain-Technologie weiterzuentwickeln.

Niemand weiß, wo diese Reise hingeht oder wann sie gar endet – der  Kreativität sind auf jeden Fall keine Grenzen gesetzt.

Wie eine Kette um den Erdball

Beispiele gefällig, wie Blockchain Denkweisen und Standards auf der ganzen Welt verändert? Australiens größte Börse plant die Integration von Blockchain in ihr Finanzsystem zur Abwicklung von Transaktionen, Tunesien hat als erstes Land seine nationale Währung per Blockchain-Technologie ausgegeben, Honduras plant die Verwaltung von Landrechten über die Blockchain.

Selbst die globale Supply Chain könnte mit der Blockchain revolutioniert werden, wenn der Käufer nämlich das Produkt bis zum Anfang zurückverfolgt, ob der Kaffee beispielsweise auch wirklich das Label „Fair Trade“ verdient. 

„Wir brauchen BaaS!“

„Das Bo“ brauchte im Jahr 2000 Bass, für die Blockchain brauchen wir BaaS – das sogenannte Blockchain-as-a-Service. Zahlreiche Technologie-Unternehmen bieten für Blockchain BaaS-Lösungen – zum Beispiel auch Microsoft. Auf der Plattform Azure können Banken die Möglichkeiten der Blockchain testen, ähnlich wie beim Start-up-Prinzip: Trial and Error.

Vieles ist erlaubt, theoretisch sind keine Grenzen gesetzt, denn wir bewegen uns in der Cloud. Besonders in den Bereichen Payments, Financial Services, Risk Management, Capital Markets, aber auch im  Bereich Gesundheitswesen wird geforscht.

Klar ist heute schon: Nicht alles, was möglich ist, macht auch Sinn. Doch um das herauszufinden, muss erst einmal probiert und erforscht werden. Erst das Ergebnis kann bewertet werden.

Zurück in die Zukunft

Wir sind erst am Anfang – die Banken sind aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Was die Zukunft bringen wird, kann niemand sagen. Jedoch sind die Möglichkeiten vielfältig und das Potenzial der Blockchain ist groß genug, die Finanzwelt, so wie wir sie heute kennen, grundlegend zu verändern.  Die Blockchain ist deshalb zum einen ein Fremdkörper für die Bankenwelt, eine Veränderung, auf die sie sich einstellen muss. Sie ist zum anderen aber auch eine große Chance, künftig Kundenbedürfnisse ganz anders zu befriedigen.

24. Mai 2016
Zusammengefasst

»Selbst die globale Supply Chain könnte mit der Blockchain revolutioniert werden, wenn der Käufer nämlich das Produkt bis zum Anfang zurückverfolgt, ob der Kaffee auch wirklich das Label Fair Trade verdient. «

Die Blockchain war bis vor nicht allzu langer Zeit ein Nischenthema für Finanzexperten und Technik-Nerds. Doch diese Zeiten sind vorbei. Viel wird über sie geschrieben, doch so richtig ist niemandem klar, was die Blockchain eigentlich ist. FinTech-Experte Sven Korschinowski erklärt in seinem Meinungsstück, was Banken von der neuen Technologie erwarten können und wie sie überhaupt funktioniert. Sie ist nämlich nicht nur für die Bankenbranche interessant.

Sven Korschinowski Partner, Financial Service
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Kommentare

Was kann die Blockchain zwischen Unternehmen und Kunden ermöglichen?

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