Die regulatorischen Megathemen für Banken 2026
Technologie, Finanzdaten und Zahlungsverkehr: 2026 bleibt anspruchsvoll für Banken
Keyfacts:
- Das regulatorische Umfeld bleibt 2026 komplex und fordert Banken mit neuen Anforderungen an Kapital, Governance, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Geldwäscheprävention.
- Digitalisierung und Datenzugang gewinnen an Bedeutung. FiDA und der EU AI Act verlangen frühzeitige Integrationen in Strategien sowie sichere Datenarchitekturen und eine KI-Governance.
- Zahlungsverkehr und Compliance verändern sich grundlegend. PSD III, Instant Payments und die AML-Verordnung erfordern umfassende Anpassungen bei Sicherheit, Transparenz und Geldwäscheprävention.
Das regulatorische Umfeld für Banken bleibt 2026 trotz aller Diskussionen über Entbürokratisierung und Vereinfachungen von tiefgreifenden Veränderungen geprägt. Die Anforderungen an Kapital, Nachhaltigkeit, Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Zahlungsverkehr und Geldwäscheprävention verändern sich weiterhin sehr dynamisch – und verlangen von Instituten eine konsequente strategische und operative Weiterentwicklung.
Kapital, Governance und Nachhaltigkeit: Anpassungsdruck und neue Spielräume
Für EU-Banken bleiben die Kapital- und Liquiditätsanforderungen nach der Capital Requirements Regulation III (CRR III) und Capital Requirements Directive VI (CRD VI) zentral. Letztere verlangen insbesondere die Verschärfung von sogenannten Fit-und-Proper- und Governance-Prozessen, also Prüfungen zur fachlichen Eignung und persönlichen Zuverlässigkeit von Mitgliedern der Leitungsorgane. Zudem fordern sie die Stärkung von Anzeige- und Dokumentationssystemen und werden in 2026 national über das Bankenrichtlinienumsetzungs- und Bürokratieentlastungsgesetz (BRUBEG) implementiert. Die Prüfung einer angemessenen Umsetzung der CRR III und damit der RWA-Kalkulation ist in 2026 Schwerpunkt der Aufseher.
Weiterhin steht im neuen Jahr der nächste EZB-Stresstest an – erstmals sollen die Institute ein eigenes geopolitisches Szenario entwickeln, das auf der von der EZB vorgegebenen Kapitalquotenminderung basiert, statt wie bisher auf ein vorgegebenes Szenario zu reagieren. Der Stresstest unterstreicht die notwendige Befassung mit konkreten Risikomanagementverfahren für geopolitische Risiken. Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit dem Zeitplan und den Anforderungen ist daher essenziell.
Parallel dazu sorgt das Omnibus-I-Paket für spürbare Entlastungen im Bereich Nachhaltigkeit: Zentrale Pflichten wie die Anwendung der CSRD und bestimmte Sorgfaltspflichten aus der CSDDD werden zeitlich verschoben, zudem werden kleinere Unternehmen teilweise von den Anforderungen ausgenommen. Die Überarbeitung der ESRS sowie das Quick-Fix-Amendment des ersten ESRS-Sets bringen ebenfalls spätestens ab 2027 operative Entlastung.
Nachhaltigkeitsberichterstattung nach ESRS
CSRD-Umsetzung in europäischen Banken: Zentrale Empfehlungen für das zweite Berichtsjahr.
Studie herunterladenDennoch bleibt die Erwartungshaltung der Aufsicht klar: Die ESG-Transformation ist nicht verhandelbar. Institute müssen Datenqualität, Governance und Berichtsprozesse weiterentwickeln, um den steigenden Anforderungen an Transparenz und nachhaltige Geschäftsmodelle gerecht zu werden. Vor allem die Integration von ESG-Risiken in die Risikosteuerung und -überwachung sowie die Umsetzung der angepassten ESRS-Vorgaben sind zentrale Aufgaben.
Die Anpassungen der EU-Taxonomie und die anstehende SFDR 2.0, die voraussichtlich Ende 2027 beziehungsweise Anfang 2028 in Kraft treten wird, erfordern eine frühzeitige strategische Vorbereitung, um das Reporting und die Produktklassifizierung effizient zu gestalten. Auch nationale Entwicklungen wie das deutsche CSRD-Umsetzungsgesetz und das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG), das zunehmend verschlankt und perspektivisch durch die CSDDD abgelöst werden könnte, bleiben im Blick.
Digitalisierung, Innovation und Zahlungsverkehr: Resilienz, Integration und neue Geschäftsmodelle
Die digitale Transformation des Bankensektors erreicht 2026 eine neue Dynamik. Während DORA und MiCAR bereits umgesetzt sind und zunehmend auf ihre Wirksamkeit geprüft werden, bringen die Financial-Data-Access Verordnung (FiDA) und der EU AI-Act neue Anforderungen, die frühzeitig in die Strategie der Banken integriert werden müssen. Die Aufsicht richtet 2026 ihren Fokus auf digitale Resilienz, sichere Datenarchitekturen sowie die effektive Steuerung von Risiken bei Outsourcing, Drittparteien und neuen Technologien wie KI und digitalen Assets.
Mit FiDA wird die Öffnung der Datenlandschaft Realität: Banken müssen standardisierte Schnittstellen bereitstellen und gleichzeitig Datenschutz und Sicherheit gewährleisten. FiDA fordert zudem eine klare Governance und nachvollziehbare Prozesse für den Datenaustausch, sodass die Aufsicht die Einhaltung der Standards direkt überprüfen kann. Automatisiertes Reporting und die Optimierung regulatorischer Prozesse, etwa über Initiativen wie BIRD und IREF, werden zunehmend erwartet.
Der EU AI Act verlangt funktionierende Governance‑ und Kontrollmechanismen für Hochrisiko‑KI‑Anwendungen sowie Transparenz und menschliche Aufsicht. Einige seiner strengsten Pflichten werden aktuell im Zeitplan angepasst, sodass bestimmte Hochrisiko‑Regelungen erst Ende 2027 vollständig anzuwenden sind, wenn der Digital‑Omnibus‑Vorschlag angenommen wird. Dies verschafft Banken zusätzlich Zeit zur Vorbereitung.
Strategische Vorbereitungen auf den digitalen Euro bleiben relevant, auch wenn der regulatorische Rahmen noch fehlt und grundlegende politische Entscheidungen ausstehen. Zuletzt hatten sich die EU-Finanzminister für die Umsetzung dieses Vorhabens ausgesprochen, zu der die EZB die notwendige Vorbereitung leistet. Mit der etwaigen Einführung stehen für die Banken neben der Integration in den Zahlungsverkehr auch Fragen der Refinanzierung und Liquiditätssteuerung sowie Compliance-Prozesse wie zur Geldwäscheprävention im Vordergrund.
Der Zahlungsverkehr steht mit PSD III und PSR ohnehin vor einer grundlegenden Modernisierung. Die verpflichtende Umsetzung von Instant Payments erforderte flächendeckende Systemanpassungen und bereits hohe Standards bei Sicherheit, Compliance und Betrugsprävention. Open Banking gewinnt weiter an Bedeutung: Banken müssen den erzwungenen Zugriff Dritter auf eigene Kundendaten strategisch analysieren und ihre Geschäftsmodelle anpassen. Gleichzeitig ist die Integration künftiger Transparenzanforderungen in Produktentwicklungen und die Stärkung der Cyberabwehr essenziell, um regulatorische Compliance zu sichern und Wettbewerbsvorteile zu erhalten.
Geldwäscheprävention und Aufsichtserwartungen: Harmonisierung und Effizienz
Mit der neuen Anti-Money Laundering Authority (AMLA) und der AML-Verordnung wird die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung auf EU-Ebene zentralisiert und harmonisiert. Für Banken bedeutet dies eine umfassende Anpassung der internen Kontrollsysteme, die Einführung zentraler Meldestellen und die Berücksichtigung nationaler Besonderheiten im Rahmen eines EU-weit konsistenten Ansatzes.
Die Aufsicht erwartet eine effektive Prävention, proaktive Risikoanalysen und die vollständige Umsetzung neuer Sorgfaltspflichten. Die kommenden Jahre erfordern daher nicht nur technische und organisatorische Anpassungen, sondern auch eine strategische Neuausrichtung der Compliance-Funktion, um den gestiegenen Anforderungen an Transparenz, Effizienz und regulatorische Konformität gerecht zu werden. Für die Vorbereitung auf die AML-Verordnung ist 2026 das zentrale Umsetzungsjahr.
Thilo Kasprowicz blickt im Podcast voraus auf das neue Jahr und die vielen aktuellen Regulierungs-Initiativen.
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