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Connected Asset Management – neue vernetzte Betriebs- und Geschäftsmodelle

Assets sind überall - Innovative Produkte & Geschäftsmodelle mit IoT

Die persönliche Steuerungszentrale – volle Transparenz für optimale Entscheidungen.  

Waren Sie schon einmal in der Steuerungszentrale einer Fluggesellschaft? Ein hochtechnisierter Bereich, übersät von Bildschirmen mit verschiedensten Dashboards zur Überwachung des Flugbetriebs. Auf dem einen wird auf einer Weltkarte genau getrackt, wo sich welches Flugzeug befindet. Auf einem anderen werden die aktuelle Auslastung und andere Key-Performance-Indikatoren (KPIs) der Flotte gezeigt. Jedes Flugzeug, einzeln auswählbar, bietet spezifische technische und performancerelevante Live-Kennzahlen. Volle Transparenz und somit optimale Voraussetzungen, um qualifizierte Entscheidungen zu treffen.

Klingt gut, oder? Nicht nur Fluggesellschaften verfügen über große Flotten und eine hohe Anzahl verschiedener Assets. Assets sind überall und so gibt es eine Vielzahl von Unternehmen, die davon profitieren würden, ihre Assets zu vernetzen, um diese simultan steuern und managen zu können. Dabei sollte Connected Asset Management nicht nur als Selbstzweck für Hersteller verstanden werden. Erfolgreiches Connected Asset Management stellt den Kunden in das Zentrum der Überlegungen und schafft so kundenzentrierte Produkte und Services, die einen echten Mehrwert darstellen und Kundenprobleme lösen.

Jedes vernetzte Asset wird dabei als „Digitaler Twin“ in einem System gespiegelt, die generierten Daten ausgelesen, in Abhängigkeiten gesetzt, visualisiert und so Erkenntnisse für eine optimale Steuerung gewonnen. So kann aus jedem Endgerät, wie einem Laptop, die eigene Steuerungszentrale werden.

Wenn Sie auf einen Blick Engpässe und Ineffizienzen in der Steuerung identifizieren, können Sie direkt zielgerichtete Maßnahmen ergreifen, um Verbesserungen zu erzielen. Diese kurz- oder langfristigen Maßnahmen können Hebel zur unmittelbaren Problemlösung bis hin zu neuen, auf die Kundenbedürfnisse abgestimmten Produkte und Services sowie Geschäftsmodelle sein.

Wie sieht es aber in der Realität aus? Wird Connected Asset Management wirklich als Lösung zur Optimierung der Asset-Steuerung genutzt?

Asset Management bringt unzählige Möglichkeiten zur Optimierung eines Asset-Portfolios mit sich. In der Realität gibt es allerdings noch viele Assets, die nicht oder nicht ausreichend vernetzt sind, um solche umfangreichen Erkenntnisse über Zustand und Nutzungsverhalten zu erlangen. Dadurch wird das volle Potenzial durch Unternehmen und Betreiber oft noch nicht ausgeschöpft.

Zudem sehen wir in der Industrie 4.0 zwar schon heute viele vernetzte Maschinen, aber die gesammelten Daten werden oft nur genutzt, um punktuell Effizienzen zu steigern und Kosten zu reduzieren. Was fehlt ist der nächste Schritt: Das aktive Managen des Assets über den gesamten Lebenszyklus.

Infografik
Quelle: KPMG, Vergleich Asset Lifecycle Heute vs. Morgen

Um ein konkretes Beispiel zu geben: Bei Fluggesellschaften werden Wartungszyklen akribisch verfolgt, damit der Flugplan eingehalten und ungeplante teure Ausfälle vermieden werden können. Die veranschlagten Zyklen basieren dabei auf Erfahrungswerten. Welche Verschleißteile nutzen sich nach wie vielen Flugstunden oder Touchdowns ab, wann hat das Flugzeug das Ende seines Lebenszyklus erreicht, wann wird es ersetzt oder ausrangiert? Neben diesen operativen Auswirkungen bilden Finanzkennzahlen (Bilanz, Restwert, Abschreibungen etc.) eine essenzielle Basis für die Gesamtbetrachtung und Steuerung. Auch hier sind die verarbeiteten Daten der Schlüssel, um den Betrieb zu optimieren, zu verbessern und zu prognostizieren.

Ohne diese Transparenz und die damit einhergehende effektive Datenakkumulation wird es schwer, den Asset-Lebenszyklus erfolgreich zu managen. Anstatt proaktiv Maßnahmen zu gestalten, geraten Besitzer und Betreiber heute noch viel zu oft in eine reaktive Position, die unmittelbar zu Ineffizienzen, unvorhergesehenen Kosten, Unzufriedenheit bei Kunden bis hin zu Reputationsverlust führen kann.

Welche drei Herausforderungen müssen bewältigt werden, um mit Connected Asset Management erfolgreich zu sein?

1. Data Enablement – Grundlagenaufbau

Alle involvierten Assets müssen mit entsprechenden technologischen Komponenten ausgestattet werden, damit eine zielgerichtete Verarbeitung der gesammelten Daten ermöglicht werden kann.

  • Welche technischen Möglichkeiten gibt es, um Daten aus Assets zu erheben?

Immer mehr Technologien wie RFID, die eSIM und Cloud Economics drängen in den Markt und eröffnen vielseitige Möglichkeiten digitaler Vernetzungen. So lassen sich mit dem Einsatz solcher neuen Technologien Daten aus den Assets erfassen und gewinnbringend nutzen. Bei der Datengenerierung muss zudem darauf geachtet werden, dass die richtigen Daten im benötigten Format zur Verfügung gestellt werden.

Darüber hinaus weisen viele Unternehmen heute noch nicht die erforderliche technische Infrastruktur auf, um die neuen Datenmengen speichern und verarbeiten zu können. Das bedeutet, dass neben einer Investition in die technische Ausstattung der Assets auch der Ausbau der technischen Infrastruktur zur Verarbeitung der Daten vorgenommen werden muss. Außerdem muss die Infrastruktur sicher vor Angreifern sein, denn oftmals werden die Daten in Cloud-Lösungen gespeichert und weiterverarbeitet. Zugriff Dritter oder gar Missbrauch der Daten muss zuverlässig ausgeschlossen werden.

 2. Operational Enablement – Mehrwert generieren

 Der korrekte Umgang mit Daten stellt eine weitere Herausforderung dar.

  • Welche Daten und von wem dürfen zu welchem Zweck erfasst, verarbeitet und verwendet werden?

Dies sind Fragen, die sich zahlreiche Unternehmen stellen und gleichzeitig vielfach als gefundene Ausrede nutzen, um rechtfertigen zu können, dass eine Vernetzung von Assets derzeit zu komplex und aufwendig sei. Aber auch Unternehmen, die die technischen und rechtlichen Voraussetzungen für die Erfassung und Verwendung der Daten erfüllen, sind meist noch nicht in der Lage, daraus auch wertvolle Erkenntnisse abzuleiten, da es an Umsetzungs-Know-how fehlt. Hier müssen Data & Analytics-Kompetenzen im Unternehmen aufgebaut werden, um die wertvollen Daten in einen Mehrwert für Asset-Eigentümer und -Nutzer umwandeln zu können.

3. Business Enablement – Nachhaltigkeit schaffen

Als dritte Herausforderung sind die nachhaltige Nutzung der neu erzielten Mehrwerte sowie die Einbeziehung in das Geschäftsmodell zu nennen.

  • Wie kann aus den Daten langfristig ein Mehrwert für das Geschäftsmodell erzielt werden? Welche strategischen Initiativen werden benötigt?

Wurden die richtigen Daten der verschiedenen Assets identifiziert und in die Infrastruktur überführt, ist nur der erste Schritt der Transformation erfolgt. Sobald die ersten Erkenntnisse aus den Daten der Assets abgeleitet wurden, stellt sich die Frage wie diese Datenvielfalt ganzheitlich und gewinnbringend für das Unternehmen orchestriert werden kann. Es muss abgestimmt werden, inwiefern sich das aktuelle Produkt- und Service-Portfolio effizienter steuern lässt, um flexibel auf unvorhersehbare Ereignisse reagieren und mit sinnvollen Maßnahmen entgegenwirken zu können. Neben der Effizienzsteigerung steht eine Maximierung des Kundennutzens im Fokus, der durch die anwendungsbezogene Sammlung von Daten besser prognostiziert werden kann.

Aus dieser ganzheitlichen Vernetzung können neue nutzungsbasierte Geschäfts- und Abrechnungsmodelle wie beispielsweise Pay-per-Use realisiert werden. Produzenten von physischen Assets bieten hierzu ihre Produkt nutzungsbasiert an und bieten ihren Kunden eine höhere Flexibilität.

Der Weg zu einem Connected Asset Management führt über drei Kompetenzstufen, die Unternehmen auf- und kontinuierlich ausbauen müssen.

Infografik
Quelle: KPMG, Die drei Stufen der Evolution

Was sind Möglichkeiten und Potenziale, die durch eine geschaffene, effizient genutzte Datenbasis freigesetzt werden können?

Um eine ganzheitliche Vernetzung eines Asset-Portfolios erreichen zu können, gilt es daher, die technologischen Voraussetzungen im Unternehmen zu schaffen. Gleichzeitig ist es unabdingbar, dass die verantwortlichen Entscheider Vertrauen in die erzeugten Daten entwickeln, um datenbasierte Entscheidungen treffen zu können. Denn je mehr Assets digital miteinander vernetzt sind, desto effizienter wird eine ganzheitliche Steuerung und der Mehrwert für ein Unternehmen.

Die neu geschaffene Datenbasis ermöglicht eine umfassende Transparenz über die Performance und den Einsatz jedes einzelnen Assets. Auswertungen von historischen Datentrends erlauben genaue Prognosen von Ausfallzeiten. Operative Erkenntnisse zu Kapazitäten oder Wartungszyklen helfen Ineffizienzen zu vermeiden und die Einhaltung von Service Level Agreements (SLAs) sicherzustellen.

Darüber hinaus lassen sich Aussagen über den tagesaktuellen Restwert eines Assets datenbasiert treffen. Unternehmen arbeiten mit Echtzeitdaten und haben damit volle Transparenz über die Vermögenswerte ihrer Assets. Dies kann sich beispielsweise positiv auf den Erhalt von Krediten oder dem Abschluss von Versicherungen auswirken. Das bedeutet, dass eine Großzahl an Stakeholdern im Unternehmen von der Asset-Vernetzung profitiert.

Der aus Connected Assets resultierende Mehrwert kann sogar noch weitergetrieben werden: Real-time Insights über die Nutzung der Assets im Zusammenspiel mit der Verteilung und Voraussage der Nachfrage können dazu genutzt werden, um das Pricing einzelner Assets dynamisch zu gestalten. Ist zum Beispiel in einer bestimmten Region die Nachfrage für ein Asset besonders hoch, aber alle verfügbaren Assets sind örtlich weit entfernt davon eingesetzt, lässt sich der Preis dynamisch anheben. Auch ein Einsatz in Regionen, der eine außerordentliche Belastung, bzw. Abnutzung für ein Asset beinhaltet, könnte mit dynamischen Aufschlägen bepreist werden.

Werden diese Kriterien berücksichtigt und erfolgreich umgesetzt, erreichen Unternehmen ein Connected Asset Management, das eine proaktive und ganzheitliche Steuerung ermöglicht. Die Überführung in Pay-per-Use-Abrechnungsmodelle kann für viele Unternehmen zudem eine Weiterentwicklung des bestehenden Geschäftsmodells einschließlich neuer Marktchancen bedeuten.

Was ist zu tun, um den Wandel zu einem Connected Asset Management zu vollziehen?

Wettbewerbsvorteile entstehen durch Antizipation von Kundenbedürfnissen. Durch vernetzte Produkte und die Priorisierung der Fähigkeiten hinsichtlich Connected Asset Management wird genau dies möglich. KPMG hat acht Grundfähigkeiten definiert, welche sich auf das gesamte Unternehmen beziehen, ganzheitlich greifbar sind und dazu dienen, das Geschäftsmodell so auszurichten, dass es sich auf die Generierung eines Mehrwerts für den Kunden und die Unternehmen konzentriert. Unternehmen, die all acht Grundfähigkeiten erfüllen, können so ihre Erfolgschancen verdoppeln.

Quelle: KPMG, Acht Grundfertigkeiten für ein Connected Asset Management

Wenn sich Unternehmen kundenzentriert ausrichten, bedeutet das die Verlängerung der Wertschöpfungskette bis zum Endverbraucher. Durch Insights-driven-Strategien entstehen innovative Produkte und Dienstleistungen bis hin zur Transformation von Geschäftsmodellen. Davon können Unternehmen und Kunden gleichermaßen profitieren.

Jede der acht Grundfähigkeiten wird durch eine Reihe von Teilfähigkeiten untermauert. Der erste Schritt bei der Definition eines Erfolgsmodells besteht darin, den relativen Reifegrad der einzelnen Fähigkeiten im Vergleich zum erforderlichen Reifegrad für die Umsetzung des Erfolgsmodells zu evaluieren.

KPMG bietet Ihnen verschiedene Reifegraddiagnosen an, die sich nach den spezifischen Bedürfnissen Ihres Unternehmens richten.

Lassen Sie uns den Wandel Ihres Asset-Portfolios gemeinsam angehen.

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Gestalten der Kundeninteraktion entlang aller Touchpoints eines Unternehmens

In der heutigen Zeit sind Kunden besser informiert, vernetzt und haben höhere Erwartungen an Produkte und legen mehr Wert auf das Kundenerlebnis als je zuvor. Hinzu kommt eine stetig steigende Vielfalt an Produkten, Informationen und Diensten – und das 24/7. In diesem Umfeld wird es für Unternehmen zunehmend schwerer, Kunden zu gewinnen und vor allen Dingen diese auch langfristig zu halten. Daher ist es umso wichtiger für Unternehmen, jede Interaktion mit ihren Kunden möglichst zur vollsten Zufriedenheit zu gestalten. Dafür ist es essentiell, nicht nur den komplexen Kundenlebenszyklus von Anfang bis Ende zu orchestrieren, sondern auch seine Kunden sowie deren Bedürfnisse zu kennen, zu verstehen und in den Fokus zu rücken.

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