Embargo: Wie wichtig ist Kohle aus Russland für Deutschland?

Auswirkungen des geplanten Kohlestopps aus Russland für Deutschland

Deutschland hängt erheblich von Importen von Steinkohle aus Russland ab. Sie machen etwa 50 Prozent des deutschen Steinkohleverbrauchs aus, wobei der Anteil an russischer Kohle im Kraftwerksbereich noch höher liegt. Für die EU liegt der Anteil der Importe aus Russland bei etwa 28 Prozent des Steinkohleverbrauchs. Die EU-Kommission hat den Mitgliedsländern nun im Rahmen der Sanktionen gegen Russland ein Embargo vorgeschlagen, also auf den Import von Steinkohle zu verzichten.

Welche Auswirkungen dürfte ein Importstopp von Kohle aus Russland für Deutschland haben?

Grundsätzlich gehen wir, wie das Bundeswirtschaftsministerium davon aus, dass ein abruptes Energieembargo zu hohen wirtschaftlichen Schäden für Bevölkerung und Unternehmen führen dürfte. Es muss mit einem deutlichen Einbruch des Wirtschaftswachstums, weiter steigenden Preisen, dem Abbruch von Lieferketten und drohenden Insolvenzen gerechnet werden. Das hat dann nicht nur eine ökonomische Dimension, sondern auch eine soziale Konsequenz.

Im Bereich Kohle gibt es keine Reserve in Deutschland. Es gibt zwar einen grundsätzlich liquiden Weltmarkt für Kohle. Die Umstellung der Lieferketten ist aber noch nicht vollzogen, so dass es bei einem sofortigen Lieferstopp nach wenigen Wochen zu Kohleknappheit kommen könnte.

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Kraftwerke lagern Steinkohle in Häfen

Würden die russischen Importmengen kurzfristig ausfallen, würde für die Stromerzeugung auf vorhandene Vorräte an den Kraftwerksstandorten und zwischengelagerte Steinkohle in den Häfen zurückgegriffen. Diese knappen Vorräte sind recht unterschiedlich und reichen jedoch nur für etwa vier bis sechs Wochen. Nach einem Verbrauch der Vorräte wären voraussichtlich einzelne Kraftwerke abzuschalten. Die dann noch verfügbare Kohle müsste ggf. priorisiert eingesetzt werden, um die Netzstabilität zu gewährleisten.

Das heißt, wir sollten die Leistung der Braunkohlekraftwerke ggf. hochfahren und/oder kurzfristig als bevorzugte Bereiche priorisieren. Das betrifft nicht nur die Stromproduktion im Allgemein, sondern auch betroffene Industrien im Speziellen, insbesondere die Stahlindustrie, die bevorzugt werden sollte, weil sie wichtige Komponenten für die Energieinfrastruktur (etwa Ferngasnetze oder Anlagen) produziert.

Welche Lösungsansätze hat Deutschland?

Umstellung der liefernden Länder: Durch kurzfristige Umstellungen kann die Abhängigkeit bei Kohle bereits in den nächsten Wochen von 50 Prozent auf rund 25 Prozent sinken; dies ist schon ab April Schritt für Schritt wirksam. Bis zum Herbst gehen Regierungskreise davon aus, dass Deutschland unabhängig von Kohle aus Russland sein kann.

Anlegen von Reserven: Die Bundesregierung hat zusammen mit der Bundesnetzagentur einen Prozess aufgesetzt, um gemeinsam mit den Kraftwerksbetreibern die Beschaffung und Reservebildung bei Kohle voranzutreiben.

Ausstieg: Die beste mittelfristige Antwort auf die Importabhängigkeit ist der Ausstieg aus der Kohle, der schrittweise bis 2030 erfolgen soll.