Medizintechnik: Kosten senken für den Preiskampf

Wie Medizintechniker den Nachfrage-Schwankungen durch Corona begegnen sollten.

Keyfacts

  • Der Bedarf für Medizintechnik hat sich durch das Coronavirus schlagartig verändert.
  • Stark gesunken ist die Nachfrage nach Technik, die für die Covid-19-Behandlung unwichtig ist, was die Liquidität stark belastet.
  • Mit der Normalisierung der Nachfrage könnte es zu einem Preiskampf kommen, für den niedrige Kosten essenziell sind.
Sebastian Korporal
  • Senior Manager, Value Chain Transformation
Mehr über meine Themen Nachricht schreiben

Die Corona-Pandemie hat den Ablauf in Krankenhäusern komplett verändert. Um auf exponentiell wachsende Patientenzahlen vorbereitet zu sein, wurden nicht lebensnotwendige OPs abgesagt und die Intensivstationen voll auf die Behandlung von Corona-Infizierten ausgerichtet. Dadurch hat sich auch die Nachfrage nach Medizintechnik schlagartig verschoben und zu starken Verwerfungen geführt.

Den Nachfrage-Schwankungen folgt der Preiskampf

Bei den Herstellern von Atemgeräten beispielsweise ist die Nachfrage förmlich explodiert. Innerhalb von Wochen mussten Jahresbedarfe gefertigt werden. Bei vielen anderen Herstellern der gleichen Branche stehen allerdings aufgrund der abgesagten Plan-OPs die Bänder still, was die Liquidität enorm belastet.

Mit der Normalisierung des Krankenhausbetriebs wird sich die Nachfrage abermals verschieben. Wir werden eine Hochlaufkurve sehen, die allerdings mit einem ausgeprägten Preiskampf einhergehen wird. Weshalb jene Unternehmen, die durch die Corona-Krise starke Umsatzeinbußen erlitten haben, unter zusätzlichen Kostendruck geraten.

Fokussierung auf profitable Kunden und Produkte

Ziel sollte es hier sein, die Kosten so zu reduzieren, dass die Unternehmen nach der Krise mit reduzierten Preisen an den Markt gehen können, um dem bevorstehenden Preiskampf entsprechend zu begegnen. Daher ist es wichtig eine Fokussierung auf die tatsächlich profitablen Kunden und Produkte vorzunehmen.

Die Problematik betrifft durchaus auch die Unternehmen, deren Medizintechnik mit dem Coronavirus stärker nachgefragt wurde. Wenn sich der Effekt abschwächt, werden sie sich fragen, was sie mit den freigesetzten Kapazitäten machen und wie sie ihre Prozesse anpassen. Zudem sind viele neue Wettbewerber in den Markt gedrängt, um die große Nachfrage zu bedienen. Dadurch rücken auch für die Hersteller die Kosten in den Blickpunkt, die bei der Bekämpfung der Pandemie wichtig sind.

Prozesskosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette optimieren

Medizintechnik-Unternehmen sollten daher insbesondere die aktuelle Zeit vor dem bevorstehenden Umschwung in beide Richtungen als Chance nutzen und Transparenz über ihre Prozesskosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette erlangen. Der Fokus sollte auf den Prozesskosten liegen, da diese in den meisten Fällen schneller zu beeinflussen sind als die Herstellkosten. Von hoher Bedeutung ist hier vor allem die verursachungsgerechte Kostenverteilung auf Aufträge, Kunden und Produkte.

Ein prozessübergreifendes Steuerungsinstrument entlang der Wertschöpfungskette ist damit für die Unternehmen der Medizintechnik-Branche wichtiger denn je. Denn eine isolierte oder verallgemeinerte Betrachtung der einzelnen Prozesskosten verschleiert Handlungsbedarfe.

Unternehmen der Medizintechnik sollten frühzeitig ein geeignetes Steuerungstool für Kunden und Produkte aufsetzen. Dieses ermöglicht nicht nur Transparenz über die Prozesskosten zu erlangen, sondern schafft es diese zu minimieren, sowie die Kunden- und Produktprofitabilität zu maximieren.

Sebastian Korporal
  • Senior Manager, Value Chain Transformation
Mehr über meine Themen Nachricht schreiben