Blick auf einen großen Containerhafen bei Dämmerung mit gestapelten Frachtcontainern und Kränen. Über der Szene liegen leuchtende, vernetzte Linien und Knotenpunkte, die digitale Verbindungen und Datenströme in globalen Lieferketten symbolisieren.

5 Maßnahmen gegen Cyberrisiken in der Supply Chain

Vom Sicherheitsgefühl zur Resilienz: So schützen Sie Ihre Lieferkette.

Keyfacts:

  • Fast drei Viertel der Unternehmen weltweit waren in den letzten Jahren von Störungen durch Ihre Dienstleister betroffen.
  • Gezielte Maßnahmen im Third Party Risk Management können dieses Risiko deutlich reduzieren.
  • Ihr erstes Ziel: Verschaffen Sie sich Transparenz über Ihre Supply Chain. Sowohl mit Blick auf die eigenen Prozesse als auch die Dienstleisterbeziehungen.

Vom trügerischen Sicherheitsgefühl zur Resilienz

Viele Unternehmen investieren durch Firewalls, Endpoint Protection oder Zero Trust mit hohem Aufwand in ihre eigene IT-Sicherheit. Doch Risiken entstehen nicht nur in der eigenen Infrastruktur, sondern auch über Lieferanten und Dienstleister. Das heißt selbst wenn Ihr eigenes Netzwerk sicher scheint, kann Ihnen ein kompromittierter Dienstleister jederzeit schaden. Oft entsteht der Eindruck, dass zur Absicherung der Lieferkette sofort ein vollständiges Third Party Risk Management (TPRM) implementiert werden sollte. Und langfristig ist die Investition in ein TPRM auch sicher der beste Weg, wie etablierte Best Practices für TPRM zeigen (Third Party Risk Management (TPRM) – KPMG in Deutschland). Aber Sie können schon heute anfangen, mit gezielten Maßnahmen die größten Risiken mit weit weniger Aufwand einzudämmen.

Hier sind fünf Schritte, mit denen Sie Ihre Supply Chain deutlich widerstandsfähiger machen können:

 

1. Mit einem Scoring-System Klarheit über Risiken schaffen

Verschaffen Sie sich im ersten Schritt einen vollständigen Überblick über Ihre externen Dienstleister, die in Ihre kritischen Geschäftsprozesse eingebunden sind. Durch eine strukturierte Erfassung Ihrer Dienstleister legen Sie die Grundlage für eine objektives Risikobeurteilung.

Ein guter Ansatz zur Beurteilung ist es, ein Scoring festzulegen, mit dem Sie Ihre Dienstleister anhand zentraler Kriterien wie finanzielle Stabilität, Compliance-Historie und operativer Risiken bewerten können. So erkennen Sie frühzeitig potenzielle Schwachstellen Ihrer Dienstleister und können aktiv Gegenmaßnahmen ergreifen.

Tipp: Nutzen Sie digitale Plattformen oder TPRM-Tools, um die Bewertung automatisiert und regelmäßig zu aktualisieren.

 

2. Lieferantenverträge als Sicherheitsnetz nutzen

Überprüfen Sie, ob in den Verträgen mit Ihren Dienstleistern zentrale Punkte wie Sicherheitsanforderungen, Reaktionszeiten bei Vorfällen, Meldepflichten, Business-Continuity-Klauseln und Sicherheits-KPIs eindeutig geregelt sind. Nutzen Sie Vertragsprüfungen auch, um Mindeststandards wie Verschlüsselung, Zugriffsbeschränkungen oder Incident-Response-Prozesse festzuschreiben. Diese Mindeststandards sind aktuell zu halten, um sich an die ständig ändernde Bedrohungslage anzupassen. Ihre Dienstleister sind nicht nur informiert, sondern rechtlich verpflichtet, Ihre Sicherheitsstandards einzuhalten.

Tipp: Integrieren Sie Sicherheitsanforderungen in die Vertragsgestaltung von Anfang an, nicht erst bei der Verlängerung.

 

3. Risikoprüfungen als festen Bestandteil etablieren

Planen Sie regelmäßige Third Party Risk Assessments ein, die sie an das jeweilige Risikoniveau des jeweiligen Dienstleisters anpassen. Nutzen Sie bewährte Standards wie ISO 27001 für den Aufbau und Betrieb eines Informationssicherheitsmanagementsystems oder NIST SP 800-53 als Katalog konkreter Sicherheits- und Datenschutzkontrollen, um technische und organisatorische Maßnahmen zu bewerten.

Tipp: Kombinieren Sie Selbstauskünfte der Dienstleister mit unabhängigen Audits oder TPRM- Assessments, um ein realistisches Bild zu erhalten.

 

4. Mit Incident Management handlungsfähig bleiben

Kein System ist zu 100 Prozent sicher. Deshalb sind sowohl Incident Management als auch Business Continuity Management (BCM) entscheidend, um im Ernstfall schnell und effektiv reagieren zu können.

Incident Management stellt sicher, dass Sicherheitsvorfälle zeitnah erkannt, bewertet und bearbeitet werden. Legen Sie klare Prozesse für das Melden, Bewerten und Bearbeiten von Sicherheitsvorfällen fest, die auch Zuständigkeiten, Eskalationswege und Kommunikationspläne umfassen.

BCM hingegen sorgt dafür, dass kritische Geschäftsprozesse auch bei Störungen oder Ausfällen fortgeführt werden können. Auch wenn in vielen Unternehmen ein gut etabliertes BCM vorhanden ist, gilt dies nicht automatisch für die Zusammenarbeit mit Dienstleistern. Prüfen Sie deshalb, ob Ihre Dienstleister in Ihre Notfall- und Wiederanlaufpläne integriert sind und ob Ersatz- oder Ausweichlösungen definiert wurden.

Tipp: Führen Sie regelmäßige Übungen mit Ihren wichtigsten Lieferanten durch, um die Abläufe beider Systeme unter realistischen Bedingungen zu testen. So bleibt Ihr Unternehmen auch dann handlungsfähig, wenn ein wichtiger Dienstleister durch einen Angriff teils oder komplett ausfällt.

 

5. Sicherheitsbewusstsein durch kontinuierliche Schulung verankern

Trotz aller Technologie ist der Mensch oft noch immer ein großer Risikofaktor. Führen Sie deshalb regelmäßige Schulungen durch, die nicht nur interne Teams, sondern auch externe Dienstleister einbeziehen – mit praxisnahen Inhalten zu aktuellen Bedrohungen, Social-Engineering-Taktiken, sicherer Datenverarbeitung und klaren Meldewegen.

Tipp: Nutzen Sie praxisnahe Szenarien, um das Gelernte zu verankern – etwa Simulationen von Phishing-Angriffen oder Tabletop-Übungen.

 

Handlungsbedarf: Jetzt die Lieferkette widerstandsfähiger machen

TPRM ist längst kein „Nice-to-have“ mehr. Angriffe über Lieferketten können nicht nur zu finanziellen Verlusten führen, sondern auch Ihre Reputation, regulatorische Compliance und Kundenbeziehungen massiv gefährden.

Diese fünf Schlüsselmaßnahmen helfen Ihnen, die größten Risiken zu entschärfen, Sicherheitslücken zu schließen und gleichzeitig die Basis für ein umfassendes TPRM zu legen. Wer jetzt handelt, verschafft sich nicht nur mehr Sicherheit, sondern auch einen Wettbewerbsvorteil, denn resiliente Lieferketten bedeuten stabile Geschäftsprozesse und langfristiges Vertrauen.

Tipp: Nutzen Sie bestehende Prozesse und erweitern Sie diese gezielt um TPRM-Elemente. Kleine, gezielte Schritte bringen oft schneller sichtbare Ergebnisse als monatelange Vorbereitungen auf ein vollständiges TPRM-Framework.