Blockchain – Hype der Stunde?

Wann sich der Einsatz der Technologie in Handel und Logistik lohnt – und wann nicht

Keyfacts

  • Blockchain hat bisher noch keine große Bedeutung für Unternehmensprozesse in Handel und Logistik.
  • Alltägliche unternehmerische Herausforderungen werden aktuell mit bekannter Technologie gelöst.
  • Blockchain-Technologie kann für Produkttransparenz sowie eine transparente Lieferkette sorgen.
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Stephan Fetsch
  • Partner, Head of Retail, Head of Consumer Markets
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Alle reden darüber, viele wünschen sie sich, aber nur wenige nutzen sie bereits: die Blockchain-Technologie. Wo man im Finanzsektor schon von einer Revolution spricht, ist man in der Konsumgüterindustrie und im Handel eher verhalten. Das Interesse an Blockchain ist zwar da, aber wirklich eingesetzt wird die Technologie noch nicht. Das zeigen die Ergebnisse unserer Befragung für das aktuelle Consumer Barometer. Woher kommt diese Zurückhaltung? Meiner Meinung nach gibt es dafür verschiedene Gründe.

Unternehmen verspüren keinen Leidensdruck

Erstens hat es bisher auch ohne diese Technologie gut funktioniert. Große Traditionsunternehmen und Konzerne verfügen meist über gut eingespielte Prozesse. Alltägliche unternehmerische Herausforderungen werden mit bekannter Technologie, wie beispielweise dem Project-Information Management-System (PIM), gelöst. Warum etwas ändern, wenn alles doch reibungslos läuft?

Neue Technologien ins Haus zu holen ist ein zusätzlicher Kostenfaktor

Zudem ist Blockchain eine weitere Technologie, die es in die Strukturen der bestehenden genutzten Technologien einzubinden gilt. Und bezüglich neuen Technologien besteht bei den Unternehmen derzeit keine Langeweile. Neben Blockchain sind auch künstliche Intelligenz und Robotik ein großes Thema, IT- und Technologieressourcen allenthalben Mangelware.

Ohne Kooperationen können Prozesse nicht standardisiert werden

Die meisten Zukunftstechnologien erfordern ein hohes Maß an Kooperationsbereitschaft, nicht nur intern, sondern auch extern. Denn letztendlich geht es Unternehmen darum, Prozesse und auch informatorische Inhalte durch Standardisierung effizienter zu gestalten. Standards können aber nur implementiert werden, wenn sich große Player aus einer Industrie zusammenschließen und sich gemeinschaftlich dafür entscheiden, eine neue Technologie zu adaptieren.

Wenn das eine Unternehmen mit der einen Technologie arbeitet und das andere Unternehmen mit einer anderen, wird es schwer, einheitliche Standards zu schaffen und Prozesse zu automatisieren. Bis jetzt ist die Blockchain-Technologie nur in Pilotprojekten zum Einsatz gekommen und ist somit weit entfernt vom unternehmensübergreifenden Alltag.

Nicht die Technologie steht im Vordergrund, sondern die Anwendungsbereiche

Blockchain sollte – und das ist ein zentraler Punkt – einen echten, fassbaren und kurzfristig erschließbaren ökonomischen Mehrwert bieten und nicht nur als technisch bessere Lösung umsetzbar sein. Die Technologie ist das eine, viel wichtiger ist doch aber die Frage: Welche Anwendungsbereiche möchte ich mit welchem Nutzen für wen verbessern? Im zweiten Schritt kann dann entschieden werden, mit welcher Technologie das gelingt. Dann wird sich schnell herausstellen, wo Blockchain sinnvoll eingesetzt werden kann und wo die Technologie vielleicht nur zusätzlicher Aufwand ist.

Blockchain kann Geschäfte im Bereich Handel und Logistik sicherer machen

Die Technologie hat durchaus das Potenzial, Geschäfte im Bereich Handel und Logistik erheblich sicherer zu machen und Vorgänge rechtskonform zu archivieren. Hier denke ich beispielsweise an die Themen Reimporte von Arzneimitteln, Originalitätszertifikate von hochwertigen Gebrauchsgütern, die Zuordnung einer Zollklasse oder die Entrichtung von Zöllen. Zugleich kann sie für eine transparente Lieferkette für den Konsumenten sorgen. Das ist vielleicht sogar eine ihrer wichtigsten Eigenschaften.

Währung der Zukunft ist Vertrauen

Denn die Währung der Zukunft gegenüber dem Kunden ist Vertrauen. Und Transparenz von Unternehmen gegenüber ihren Kunden zahlt im hohen Maße auf das Vertrauen ein. Im Idealfall leistet Blockchain genau dies, indem sie alle relevanten Daten aller Beteiligten verknüpft. Vom Anbau über Herstellung, Weiterverarbeitung und Logistik bis zum Verkauf. So können beispielsweise Markenartikel besser geschützt oder Vorgaben für Zertifikate und Qualitätssiegel – zum Beispiel Fair Trade – überprüft werden. Sowohl Kunde als auch Geschäftspartner profitieren davon.

Wenn ein Unternehmen es also schafft, mithilfe von Blockchain die Transparenz nach innen wie nach außen zu erhöhen, dann bietet die Technologie in diesem Fall einen echten Mehrwert. Aber auch hier gilt wieder, Blockchain ist eine von vielen Möglichkeiten und jedes Unternehmen sollte in Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen aus der Branche entscheiden, was die beste Lösung ist und nicht nur aufgrund eines Hypes eventuell bewährte Prozesse verändern. Und nicht vergessen: Das finale Urteil fällt im Konsumentenzeitalter des 21. Jahrhundert stets der Verbraucher. Wenn die Technologie bei ihm durchfällt, nutzt der schönste B2B-Anwendungsfall wenig.

Bei welchen Pilotprojekten aus Konsumgüterindustrie und Handel die Blockchain-Technologie schon erfolgreich implementiert wurde, erfahren Sie in unserer Studie.

Stephan Fetsch
  • Partner, Head of Retail, Head of Consumer Markets
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Consumer Barometer 02/19

Bei welchen Pilotprojekten aus Konsumgüterindustrie und Handel die Blockchain-Technologie schon erfolgreich implementiert wurde und wie Blockchain dabei unterstützt, Warenströme in der Lieferkette vollständig abzubilden, erfahren Sie in unserem neuen Consumer Barometer

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