Energiewende: Wenn alte Geschäftsmodelle auf neue Impulse treffen

Wie große Energieversorger mithilfe von Start-ups die Energiewende gestalten können

Keyfacts

  • Kooperationen von EVUs und Start-ups nehmen zu.
  • Strom als Verkaufsprodukt reicht nicht mehr aus, um rentabel zu bleiben.
  • Energiemessen setzen verstärkt auf Einbindung von Start-ups.
Michael Salcher
  • Partner, Head of Energy & Natural Resources
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Geld verdienen war mal viel einfacher; das hat sich das ein oder andere große Energieversorgungsunternehmen (EVU) sicherlich in den vergangenen Jahren gedacht. Denn lange Zeit funktionierte der Energiemarkt nach einem simplen Prinzip: Die EVUs produzierten, handelten und lieferten Strom. Innovationen und Neuerungen? Waren nur begrenzt nötig. Der Markt funktionierte so wie er war.

Ohne neue Ideen geht es nicht weiter

Doch die Energiewende hat die Branche auf den Kopf gestellt. Neue Ideen mussten her, um mit sauberen, effizienten Alternativen die Republik mit Energie zu versorgen und dabei trotzdem Geld zu verdienen.

Zeit also, Bilanz zu ziehen, ob die EVUs mittlerweile die richtigen Weichen gestellt haben, um in den nächsten Jahren weiterhin erfolgreich am Markt agieren zu können. Meiner Meinung nach sind die meisten zumindest auf einem guten Weg.

Energiewende braucht mehrere Lösungen

Denn die großen EVUs haben verstanden: Es wird nicht die eine Energiewende geben – die Zukunft von Strom, Wärme und Mobilität braucht viele gute Ideen. Auch die Veränderungen in Bereichen wie Mobilität, Gebäudebewirtschaftung, Städteversorgung und ländliche Versorgung werden vielfältige Änderungen und Innovationen mit sich bringen. Und diese Vielfalt von Ideen entsteht durch viele Akteure aus verschiedenen Unternehmensformen.

Neue Geschäftsmodelle werden nicht mehr wie früher kategorisch ausgeschlossen, sondern es entsteht eine Innovationskultur in der Energiebranche, sowohl intern als auch extern.

Kulturwandel innerhalb der EVUs

Zum einen erleben wir einen starken Kulturwandel innerhalb der Unternehmen: Die Mitarbeiter, die vielleicht die letzten 20 Jahre ihren Job auf immer die gleiche Art und Weise erbracht haben, entwickeln sich zu Unternehmern im Unternehmen: Sie müssen agil und offen sein für neue Inhalte und Prozesse.

Kooperationen von Unternehmen und Start-ups nehmen zu

Und zum anderen passiert auch außerhalb der EVUs sehr viel: Start-ups mischen seit einigen Jahren die Energiebranche auf und helfen dabei, dass Innovationen im Markt etabliert werden und größere Wirkung entfalten können.

Das zeigt sich in der Zusammenarbeit von Unternehmen und den neuen Marktteilnehmern: Die wurde in den letzten Jahren deutlich intensiviert. Und auch sämtliche Branchenveranstaltungen – wie die Energiemesse e-world oder das KPMG Energy Dinner – fördern inzwischen ganz gezielt die Zusammenarbeit mit jungen Gründern. Beide Seiten haben gemerkt, dass sie voneinander lernen und gemeinsam wachsen können.

Verknüpfung von Erfahrung und neuen Perspektiven

Etablierte Unternehmen verfügen über das Fachwissen, die Netzwerke und Ressourcen, um den unabdingbaren Umbau im Energiesektor voranzutreiben – und ihnen ist bewusst, wie wertvoll beim Thema Innovationen ein Blick nach außen ist.

Start-ups bieten den Unternehmen neue Perspektiven, vor allem im Bereich der erneuerbaren Energien und der datenbasierenden Geschäftsmodelle. So werden neue Ansätze für den Umbau des Energiemarkts finanziell ermöglicht, die schnell Marktreife erlangen.

Aufbau von Innovationshubs

Zudem werden Wagniskapital-, Accelerator-Programme und Innovationshubs aufgesetzt. Diese Innovationsschmieden stellen Finanzierungsmittel bereit, geben Mentoring-Programme und verstehen sich als Plattform für die gemeinsame Gestaltung der neuen Energiewelt.

Nur Strom zu verkaufen reicht nicht mehr aus

Im Fokus der Energie-Start-ups stehen Energieeffizienz und die Einbindung von digitalen Lösungen. Es geht längst nicht mehr nur um dem Verkauf von Strom, sondern um die Verschmelzung von Strom, Wärme und Mobilität.

Während die erste Generation von Neugründungen im Energiemarkt ihr Geschäftsmodell hauptsächlich rundum die begonnene Energiewende ansiedelte, geht es in der zweiten Generation eher um datenbasierende Mehrwertdienstleistungen, Netzwerk- und Community-Lösungen.

Energiewende: Nicht nur auf Veränderungen reagieren, sondern diese gestalten

Nur wer bei Geschäftsmodellen, Produkten und Dienstleistungen neue Wege geht, wird sich in der Energiewelt von morgen behaupten können. Die Einstellung „Wir machen alles so wie immer“ wird nicht mehr funktionieren. Hier sind Unternehmen und Start-ups durch zunehmende Kooperationen auf einem guten Weg.

Doch Branchengrenzen verschwimmen zunehmend und neue Wettbewerber treten in den Markt ein. Veraltete Prozesse müssen durch die Digitalisierung von Netzen und Handelssystemen optimiert werden, sei es durch virtuelle Kraftwerke, intelligente Stromnetze und Prognoseoptimierung durch KI.

An diesen Stellen denken junge Unternehmen zukunftsorientiert und sind zielstrebig, die Transformation zu gestalten, anstatt nur darauf zu reagieren. Die Energiewirtschaft sollte dieses Potential jetzt stärker denn je nutzen.

Sie möchten mehr darüber erfahren, wie zukunftsfähig die Energiebranche ist? Dann laden Sie sich hier den Future Readiness Index herunter.

Michael Salcher
  • Partner, Head of Energy & Natural Resources
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