Digitalisierung des Gesundheitswesens: Wer abwartet, verliert

Das deutsche Gesundheitswesen sollte die digitale Transformation zügig vorantreiben.

Keyfacts

  • Das Gesundheitswesen ist längst inmitten der digitalen Transformation – Deutschland hinkt aber hinterher.
  • „Abwarten, was die Politik vorgibt“ oder „wir haben kein Geld dafür“ sind Ausreden: Man kann auch im Kleinen anfangen zu digitalisieren.
  • Es existieren bereits viele Lösungen. Es lohnt sich, diesen mehr Beachtung zu schenken.
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Axel Bindewalt
  • Partner, Head of Healthcare
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Robotics hier, künstliche Intelligenz (KI) dort: Der digitale Wandel ist längst zum Buzzword geworden. Es gibt kaum eine Gesundheitskonferenz, in deren Programmheft nicht Digitalisierungsthemen auftauchen oder gar dominieren. Dabei darf man sich nicht täuschen lassen: Die Gesundheitswirtschaft steckt bereits mitten in der digitalen Transformation.

Das gilt allerdings nicht für jedes Land in gleichem Maße. „Digitale Gesundheit: Deutschland hinkt hinterher“, titelte die Bertelsmann Stiftung im Herbst 2018 in einer internationalen Vergleichsstudie. Dort landete Deutschland auf Rang 16 von 17 untersuchten Ländern. Spitzenreiter waren Estland, Kanada und Dänemark. Dort werden beispielsweise Rezepte bereits digital übermittelt, während in Deutschland nach wie vor Papiere durch verschiedene Hände gehen.

Viele Softwarelösungen existieren – schauen Sie sich diese an

Es wird Zeit, sich an den guten Vorbildern zu orientieren und den Rückstand aufzuholen. Denn es wäre schade, wenn Deutschland weiter zurückliegt: Wenn wir den Weg in Richtung digitale Versorgung und KI nicht konsequent weitergehen, verpassen wir als Bürger und Patienten ungeahnte neue Versorgungsmöglichkeiten.

Aber auch Mediziner und Krankenkassen können davon profitieren. Hinzu kommt: Der demografische Wandel und der Fachkräftemangel stellen wachsende Herausforderungen dar, die sich mit digitalen Lösungen angehen lassen.

Alle beteiligten Stakeholder sollten den jetzt schon existierenden Lösungen und Ideen, unter anderem von innovativen Healthcare Start-ups, mehr Beachtung schenken. Es gibt bereits eine Vielzahl von Lösungen: Software zur Online-Terminvereinbarung, zu Meldungen von Nebenwirkungen, Apps zur Einsicht in seinen Krankenverlauf und noch vieles mehr.

Der Patient wird aktiv

Manches mag auf den ersten Blick vor allem auf eine Steigerung des Komforts zielen, doch es gibt auch Technologien, die der Gesundheit dienen: In elektronischen Patientenakten werden wichtige Gesundheitsdaten gespeichert, auf die unterschiedliche Ärzte im Versorgungsprozess zugreifen können – das kann etwa bei Medikamentenverschreibungen gefährliche Wechselwirkungen verhindern.

Entscheidend ist ohnehin, dass der Patient im Mittelpunkt steht. Wir Bürger sind heute in vielen Bereichen des Lebens online und mobil unterwegs und genießen ganz selbstverständlich die hohe Kunden- und Serviceorientierung, die uns viele Unternehmen bieten.

Damit wachsen auch die Ansprüche an das Gesundheitssystem: Der Patient von heute wird zunehmend mündiger und souveräner, er fordert den Einbezug in den Versorgungsprozess. Andere Länder sind hier schon weiter. In Estland etwa können Patienten die Ergebnisse ihrer Untersuchungen oder Medikationspläne direkt online einsehen. Dies verbessert zugleich den Informationsfluss zwischen Patient und Arzt sowie die Patientenzufriedenheit.

Der Rückstand lässt sich aufholen

Jeder Akteur im Gesundheitswesen hat jetzt die Chance, die digitale Transformation mitzugestalten. Das Argument „Abwarten, was die Politik vorgibt“ sollte man nicht gelten lassen. Gewiss, die Politik hat eine entscheidende Funktion, sie gibt den gesetzgeberischen Rahmen vor. Doch Leistungserbringer und Kostenträger können bereits von sich aus viel tun, um den digitalen Wandel voranzubringen.

Gleiches gilt für die Erwartung, für den digitalen Wandel fehle das Geld. Man kann auch im Kleinen anfangen und muss nicht gleich zum Hochglanz-KI-Krankenhaus werden. Es gibt zahlreiche kleine Pilotprojekte in verschiedenen Fachbereichen, sowohl bei Leistungserbringern als auch bei Kostenträgern. Schritt für Schritt, lautet die Devise.

Ganz entscheidend ist dabei allerdings, Mittel für die Digitalisierung in der Investitionsplanung zu hinterlegen – genauso wie man dort seine Gebäudeinstandsetzungen oder Neuanschaffungen medizinischer Geräte berücksichtigt. Denn klar ist: Alles kostet Geld, auch die digitale Transformation.

Es wäre ein Fehler, jetzt den Kopf in den Sand zu stecken. Der gegenwärtige Rückstand des deutschen Gesundheitswesens bedeutet nicht, dass man die Digitalisierung nicht noch angehen kann. Wichtig ist, sein Netzwerk für dieses Thema auszuweiten und sich auszutauschen. Alle Beteiligten sollten von Pilotprojekten und Best Practices lernen (wollen). Wer sich verändert, überlebt.

Axel Bindewalt
  • Partner, Head of Healthcare
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