Antikorruptionstag: Vier Grundsätze im Kampf gegen Bestechung

Was Unternehmen tun können, um Korruption vorzubeugen

Keyfacts

  • Die Vereinten Nationen haben im Jahr 2003 den 9. Dezember zum internationalen Antikorruptionstag erklärt.
  • Korruption ist nicht nur eine Herausforderung in Entwicklungs- und Schwellenländern.
  • Um Korruption in Unternehmen zu verhindern, sollte dessen Führung Werte glaubwürdig vorleben. Mitarbeiter sollten Bedenken ansprechen können.
Christoph Kampmeyer
  • Director, Compliance & Forensic
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Feier-, Gedenk- und Aktionstage geben dem Alltag Struktur, erzeugen in unserem Leben eine gewisse Beständig- und Planbarkeit. Am 21. Januar ist beispielsweise der Weltknuddeltag, den wir hoffentlich bald wieder unbeschwert begehen können. Am 13. Mai steht der internationale Tag des Cocktails im Kalender, am 6. Juli der Welttag des Kusses. Solche Tage ziehen meist spurlos an uns vorüber, vielleicht werden sie auch mit einem Schmunzeln abgetan.

Bei manchen Tagen jedoch sollten wir aufhorchen, da sie für bzw. gegen ein ernstes Thema stehen, etwa der internationale Tag gegen Homophobie (17. Mai) oder der Tag für die Erhaltung der Ozonschicht (16. September). Ein solcher Tag findet auch am 9. Dezember statt: der Welt-Antikorruptionstag.

Globale Korruption in Billionenhöhe

Der internationale Antikorruptionstag wurde von den Vereinten Nationen 2003 ins Leben gerufen, in Erinnerung an die Unterzeichnung des Übereinkommens der UN gegen Korruption. Ziel ist es, auf das Ausmaß und die Konsequenzen von Korruption aufmerksam zu machen.

Daten belegen, wie wichtig dieses Thema nach wie vor ist – auch jetzt, da wir scheinbar genügend andere Sorgen haben. Das Weltbank-Institut geht von Bestechungsgeldern in Höhe von jährlich einer Billion US-Dollar aus. Entwicklungs- und Schwellenländern sollen in jedem Jahr 20 bis 40 Millionen US-Dollar durch Korruption verloren gehen – das entspricht 20 bis 40 Prozent der öffentlichen Mittel für Entwicklungszusammenarbeit.

Acht von zehn Unternehmen sehen hohes Risiko

In unserer diesjährigen Studie zur Wirtschaftskriminalität in Deutschland schätzen 78 Prozent der befragten Unternehmen das Risiko, von wirtschaftskriminellen Handlungen betroffen zu sein, als hoch ein. Daneben steigen die durch Wirtschaftskriminalität verursachten Kosten. Vor allem große Unternehmen verzeichneten oftmals Schäden von mehr als einer Million Euro.

Es handelt sich somit nicht um ein spezifisches Phänomen in Entwicklungs- und Schwellenländern, sondern um eine weltweite Herausforderung, die gelöst werden muss. Deshalb ist es wichtig, dass über den Schaden von Korruption berichtet wird – nicht nur am Welt-Antikorruptionstag.

Eine weitere Erkenntnis aus unserer Studie zur Wirtschaftskriminalität in Deutschland aus diesem Jahr: Je besser ein Unternehmen seine Schutzmaßnahmen gegen Wirtschaftskriminalität bewertet, desto niedriger wird auch das Risiko eingeschätzt, von Wirtschaftskriminalität betroffen zu werden.

Aber wie schafft es ein Unternehmen, dass seine Schutzmaßnahmen mehr sind als ein Feigenblatt? Oder ist es angesichts der bekannten Zahlen nicht nur eine Frage der Zeit, wann es zu korrupten Handlungen kommt?

Im Kampf gegen Korruption mit gutem Beispiel vorangehen

Hier gilt wie zum Beispiel in der Kindererziehung: Sei ein gutes Vorbild, dann bist Du auch glaubwürdig. Hierfür sollten ein paar einfach zu lebende Grundsätze beachten werden:

  1. Von oben nach unten vorleben

Der Volksmund sagt etwas derbe: Der Fisch stinkt vom Kopf her. Damit dies nicht über ein Unternehmen gesagt wird, sollte dessen Führung für Werte und Verlässlichkeit stehen – also die Grundsätze leben, vertreten und auch im Alltag durchsetzen. Hierfür gilt es, ein Leitbild, ein Selbstverständnis zu haben. Die Ethik eines Unternehmens ist entscheidend für die Glaubwürdigkeit von jedem Handeln.

  1. Offene, ehrliche und wertschätzende Kommunikation

Es ist zwingend, dass Probleme angesprochen werden können. Mitarbeiter sollten bei einem schlechten Bauchgefühl einen Ansprechpartner finden können, der ihre Bedenken anhört und ernst nimmt. Hinweisgebersysteme können hierbei eine wesentliche Unterstützung bieten.

  1. Klare Vorgaben

Unternehmen legen viele interne Regeln fest, die den Mitarbeitern Orientierung bei Entscheidungen geben sollen. Aus meiner täglichen Arbeit weiß ich jedoch, dass diese Regeln teilweise sehr abstrakt sind, da sie weite Bereiche eines Unternehmens abdecken sollen. Eine abstrakte Leitlinie kann aber nur schlecht umgesetzt werden. Besser ist es, die Mitarbeiter problemlösungsorientiert auf Situationen vorzubereiten und entsprechend zu sensibilisieren. Hier geben bewährte Standards, wie zum Beispiel das Antikorruptionssystem nach ISO 37001, Orientierungshilfe.

  1. Nachverfolgung

Sollte es trotz allem zu einem Korruptionsfall kommen, dann ist eine umfassende Aufklärung für die Glaubwürdigkeit und die Reputation des Unternehmens wesentlich. Dies hat einen positiven Effekt nach innen, aber auch nach außen. Eine unabhängige Untersuchung verstärkt den positiven Effekt.

Ein mühsamer, aber lohnender Kampf

Diese Liste ist selbstverständlich nicht abschließend. Sie liefert lediglich Eckpfeiler für den Kampf gegen Korruption. Diese ähnelt leider der Schlange Hydra aus der griechischen Mythologie, der immer zwei neue Köpfe nachwuchsen, wenn ein Kopf abgeschlagen wurde. Herkules gelang es letztlich Hydra zu besiegen, und auch Korruption ist eine Herkulesaufgabe.

Deshalb ist es wichtig, immer wieder auf die negativen Folgen von Korruption hinzuweisen. Auch und gerade am internationalen Antikorruptionstag.

Christoph Kampmeyer
  • Director, Compliance & Forensic
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