Mobilität auf zwei Rädern – Hype oder neues Geschäftsfeld

Der Fahrradmarkt boomt und lockt auch Automobilhersteller und Zulieferer.

Keyfacts

  • In Deutschland hat sich der Umsatz mit Fahrrädern und Zubehör innerhalb von zwei Jahren verdoppelt.
  • Der Trend geht zur nachhaltigen Fortbewegung zulasten des eigenen PKW.
  • Die Mikromobilität ist auch für Autobauer attraktiv.
Angelika Huber-Straßer
  • Bereichsvorstand Corporates, Head of Automotive Deutschland, Head of Automotive EMA
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Dieses Wachstum kann sich sehen lassen: Laut Zweirad-Industrie-Verband ZIV nahm der Umsatz mit neuen Fahrrädern im Jahr 2020 um 61 Prozent auf 6,44 Milliarden Euro zu. Einschließlich Zubehör schätzt der Verband den Umsatz der Radbranche in Deutschland nun auf zehn Milliarden Euro – mehr als doppelt so viel wie vor zwei Jahren.

Der Fahrradboom beschränkt sich nicht auf Deutschland. So lag laut der US-amerikanischen Community-Plattform People for Bikes das Plus bei den Fahrradverkäufen in den USA bei etwa 80 Prozent.

Gefragt sind Mobilitätsformen, die platzsparender und effizienter sind als ein Auto. Elektro-Fahrräder nehmen hierbei die wichtigste Rolle ein, wobei deren Bedeutung durch die Pandemie noch zusätzlich verstärkt wurde. Arbeitnehmer wollen zur Arbeit radeln, da der öffentliche Nahverkehr mit vielen Mitmenschen auf engem Raum in Pandemiezeit nicht einladend ist. Und wer die Ferien aus Vernunftgründen in Deutschland verbringt, entdeckt nicht selten das Rad für sich neu.

Die Digitalisierung des Fahrrads

Die Mobilität der Zukunft setzt auf elektrifizierte Verkehrsträger und eine hohe Konnektivität innerhalb der Systeme. Dazu gehört auch, dass digitalisiert wird, was digitalisiert werden kann. Das macht vor dem Fahrrad keinen Halt. Tatsächlich werden die Erwartungen der Kunden vom PKW auch auf andere Fortbewegungsmittel übertragen. Dies gilt einerseits für die technischen Anforderungen im Hinblick auf den elektronischen Antrieb, Brems- und Schutzsysteme.

Zurück in die Zukunft: Warum Autobauer wieder Zweiräder herstellen

Die hohen Wachstumsraten und die Verschiebung zu hochwertigen, kostspieligen Fahrrädern wecken das Interesse aller Mobilitätsanbieter, insbesondere von Unternehmen, die bereits in der Vergangenheit Fahrräder hergestellt haben. Eine Vielzahl der großen Automobilhersteller hat eine Historie als Fahrradfabrikant – und kehrte somit zur eigenen Wurzel zurück.

Heute haben Unternehmen wie unter anderem Audi, BMW und Porsche das Potenzial von elektrisch angetriebenen Rädern erkannt und steigen ins E-Bike-Geschäft ein – oder bauen dies aus. Und auch die Zulieferer habe den Markt als attraktives Betätigungsfeld entdeckt.

Die Vorteile gehen dabei über den bloßen Umsatz hinaus: Das Angebot von E-Bikes eröffnet neue Zielgruppen und unterstützt Autohersteller und Zulieferer dabei, ein umweltfreundliches Image aufzubauen.

Ein wenig bekannter Aspekt ist in dieser Beziehung auch, dass in Deutschland jährlich zwischen 350.000 und 400.000 Diensträder zum Einsatz kommen. Hier könnte sich ein interessantes Geschäftsmodell entwickeln.

Kurzlebiger Hype oder echtes Potenzial?

Für einige könnte eine echte Erfolgsstory entstehen, vor allem, wenn es ihnen gelingt sich mit der eigenen Marke für bestimmte Teile zu positionieren, wie z.B. Shimano oder Campagnolo für Bremsen und Gangschaltung oder Bosch für Elektromotoren. Andere werden sich eher auf das Kerngeschäft konzentrieren oder anderen Geschäftsmodellen zuwenden.

Angelika Huber-Straßer
  • Bereichsvorstand Corporates, Head of Automotive Deutschland, Head of Automotive EMA
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