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Cashback für Daten: Im Gesundheitsbereich eröffnet sich ein riesiger Markt

Das Datengeschäft im Einzelhandel ließe sich auf den Gesundheitsmarkt übertragen.

Keyfacts

  • Cashback-Systeme sind ein Milliardengeschäft, bislang aber nur im Einzelhandel.
  • Dabei wären Nutzer:innen bereit, auch ihre Gesundheitsdaten abzugeben.
  • Neue Technologien ermöglichen sicheren und einfachen Datentransfer.
Studie "Trends in the Life Sciences Industry" herunterladen
Uwe Meyer
  • Senior Manager, Consulting
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Cashback-Karte oder -App an der Kasse vorzeigen und dafür Produkte, Bargeld oder Gutscheine erhalten. So funktionieren unzählige Cashback- und Bonussysteme in Supermärkten oder Drogerien.

Dabei liefern Kund:innen Informationen über ihr Kaufverhalten, welche die Einzelhändler meist gegen Provision einsammeln und an den Cashback-Betreiber weiterleiten. Dieser kann sie mit hohem Gewinn an Dritte verkaufen. Die Übermittlung läuft dabei problemlos über das Kassensystem.

Am Geschäft mit diesen Daten nehmen in Deutschland mittlerweile Millionen Nutzer:innen teil. Anbieter vor allem im Einzelhandel gibt es Dutzende. Hier hat sich ein Milliardenmarkt entwickelt.

Kostbares Gut: medizinische Daten und Geschäftsmodelle im Gesundheitswesen

Jetzt ist der Gesundheitsmarkt dran

Mit Ausnahme der Apotheken ist dieser Markt im Bereich Gesundheitswirtschaft noch so gut wie ungenutzt. Für Unternehmen, die Cashback-Systeme hierhin übertragen, dürften sich daher große Marktchancen auftun.

Hier könnten es die Patient:innen sein, die, entsprechend ihrem Einverständnis, Daten mit Bezug zu ihrer Gesundheit liefern: zu Krankheiten, Alter, Geschlecht oder Medikamentennutzung, Behandlungs- oder Labordaten. Statt Einzelhändlern, könnten es Praxen oder Krankenhäuser sein, die diese gegen Provision einsammeln und an Cashback-Anbieter weiterleiten.

Dabei sind die Einsatzmöglichkeiten dieser Gesundheitsdaten vielfältig – und machen den Verkauf zu einer große Geschäftsmöglichkeit. Sie können für klinische Studien und die Versorgungsforschung verwendet werden. Sie könnten – mit Hilfe künstlicher Intelligenz – auch Diagnosen und Therapieentscheidungen vereinfachen und sicherer machen.

Dass Patient:innen zur Freigabe zumindest einiger Daten tatsächlich bereit wären, zeigt eine repräsentative Umfrage  des  Digitalverbands Bitkom. Zwei Drittel der Interviewten gaben an, ihre Daten spenden zu wollen, wenn sie der Forschung dienten. Anreize wie Gratisprodukte, Gutscheine oder Bargeld würden die Motivation sicher weiter steigern.

Datenschutz und Vertrauen sind essenziell

Dabei ist es essenziell, hohe regulatorische Datenschutzhürden zu beachten und sicher einzuhalten. Dies gilt umso mehr, da Cashback-Systeme aller Art auf dem Vertrauen der Kund:innen bzw. Patient:innen basieren. Mit Hilfe der neuen Technologien kann das gelingen: Datenfreigaben könnten einfach und fallbezogen bequem über eine App eingeholt werden.

Außerdem helfen Transparenz und offene Kommunikation, die Vorzüge dieses Systems vor allem im Gesundheitsbereich zu betonen. Immerhin unterstützen Patient:innen, die Informationen freigeben, die Entwicklung neuer Therapien, von welchen sie möglicherweise selbst profitieren.

Gesundheitsdaten: Wie funktionieren Datenfreigabe und Transfer?

Die seit einem Jahr verfügbaren elektronischen Patientenakten der Krankenkassen könnten als Apps künftig auch von Cashback-Anbietern und -nutzenden verwendet werden. Allerdings stockt die Etablierung hier gerade aufgrund von Datenschutzbedenken des Bundes. Sie wird wohl erst in den Jahren 2025/2026 vollumfänglich einsatzfähig sein.

Cashback-Anbieter könnten mit Hilfe ihrer Kommunikations- und Marketingexpertise deutlich schneller sein. Und das sollten sie auch, denn hier eröffnet sich ein vielversprechender Markt hochwertiger Daten.

 

Uwe Meyer
  • Senior Manager, Consulting
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