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Neue Normalität: Auf dem Weg zu einem flexibleren Gesundheitswesen

Lehren aus Covid-19: Was Gesundheitseinrichtungen jetzt angehen sollten

Keyfacts

  • Nach der Sicherung der Handlungsfähigkeit und Erprobung der Resilienz während der Krise ist das Gesundheitswesen nun gefordert, die neue Normalität schnellstmöglich zu gestalten.
  • Personalplanung und -einsatz sollten flexibler werden, um auf Veränderungen schnell reagieren zu können.
  • Für ein zukunftsfestes, vernetztes Gesundheitssystem gilt es, neue Technologien zeitnah zu integrieren.
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Axel Bindewalt
  • Partner, Head of Healthcare
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Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Gesundheitssektor haben aus direkter Nähe erlebt, wie nachhaltig die Corona-Pandemie ihre Arbeitswelt prägt. Es wurden notwendige Maßnahmen getroffen, um Personal sowie Patientinnen und Patienten zu schützen und gleichzeitig weiterhin eine stabile Versorgung zu gewährleisten.

Zugleich hat die Krise aber auch Defizite im Personalwesen sichtbar gemacht. Diese sollten behoben werden, um die Leistungserbringung in der neuen Normalität aktiv gestalten zu können.

Welche Lehren können aus der Krise gezogen werden?

  1. Vorausschauende Personalplanung

Die Pandemie hat die Grenzen vieler Personalplanungs- und Einsatzmodelle – wie beispielsweise normaler Schichtplanungsmodelle – aufgezeigt und verdeutlicht, wie notwendig eine flexible und anpassungsfähige Personalplanung ist.

Es ist elementar, mögliche Fehlzeiten, die durch Quarantäne oder Ansteckung entstehen, bereits im Vorhinein einzuplanen und die Ausfallquote mithilfe einer wohl überlegten Schichtplanung möglichst gering zu halten.

Dabei ist die Komplexität der Personalplanung nicht zu unterschätzen. Unterschiedliche Qualifikationen, Bereitschafts- und Schichtmodelle führen bei ineffizienten Softwaresystemen zu einem erheblichen Planungsaufwand und einer hohen Fehleranfälligkeit.

  1. Agilität und Reaktionsschnelligkeit

Das Thema agile Belegschaft gewinnt beim medizinischen Fach- und Pflege- sowie beim Verwaltungspersonal in Gesundheitseinrichtungen an Bedeutung. Weltweit haben diese Bereiche durch die Krise erkannt, dass bestehende Versorgungsmodelle nicht ausreichen und zwingend weiterzuentwickeln sind. In den USA zum Beispiel führten die Zentren für Medicare und Medicaid Services Ausnahmeregelungen ein, die durch eine verstärkte Telemedizin-Nutzung den Leistungsumfang von Praxen erweitern.

Außerdem hat die teilweise abrupte Umstellung administrativer Tätigkeiten auf Home- und Remote-Working gezeigt, dass schnellere und gezieltere technische Vorbereitungen für diese Formen des Arbeitens immens wichtig sind – auch wenn sie im Gesundheitswesen „nur“ für Verwaltungstätigkeiten und Unterstützungsprozesse relevant sind.

Auch den Kommunikationsaspekt in der neuen Arbeitswelt möchte ich hervorzuheben. Eine schnellere Bekanntmachung von Ad-Hoc-Mitteilungen – beispielsweise über Einsatzzeiten, Auslastungen oder die Infektionslage – an Pflegerinnen und Pfleger sowie Ärztinnen und Ärzte ist immens wichtig.

Wie kann die neue Arbeitswelt im Gesundheitswesen nachhaltig gestaltet werden?

Das entscheidende Fundament, um auch nach der Krise Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten, ist eine erfolgreiche digitale Transformation. Erste Schritte in diese Richtung wurden beispielsweise mit dem E-Health-Gesetz, dem Digitale-Versorgung-Gesetz und dem Krankenhauszukunftsgesetz unternommen.

Um ein zukunftsfestes Gesundheitssystem zu erreichen, benötigt man jedoch folgende Grundpfeiler:

  • eine funktionierende und sektorenübergreifende Telematik-Infrastruktur,
  • gut vernetzte Einheiten und Fachabteilungen innerhalb der eigenen Einrichtung,
  • eine sektorübergreifende Vernetzung,
  • niederschwellige und einfach nutzbare Technologien für Patientinnen und Patienten,
  • ausgebildetes Personal, welches die neuen digitalen Möglichkeiten zur Verfügung hat und einsetzt.

Diese technologischen Neuerungen in Kombination mit einer agileren, interprofessionellen Belegschaft und einer aus persönlichen Besuchen und Online-Sprechstunden zusammengesetzten hybriden Versorgung sind essenziell für eine gute Weiterentwicklung unserer Gesundheitssysteme.

In Anbetracht des weitläufig bekannten Fachkräftemangels im Gesundheitssektor ist die Attraktivität als Arbeitgeber wichtiger als je zuvor und für manche Kliniken existenziell. Insbesondere Einrichtungen mit nachteiligen regionalen Faktoren wie Lage und Erreichbarkeit sind im Vergleich mit großen Maximalversorgern – zum Beispiel großstädtischen Unikliniken – gefordert, sich durch andere Personalangebote attraktiver für potenzielle Mitarbeitende zu machen.

Zu möglichen Maßnahmen zählen:

  • innovative Arbeitszeitmodelle mit flexiblen Anstellungsverträgen und Arbeitszeiten, die für Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie eine ausgeglichene Work-Life-Balance sorgen,
  • ein gutes betriebliches Gesundheitsmanagement (gerade in Zeiten der Pandemie),
  • individuelle Entwicklungsmöglichkeiten und
  • eine bessere Bezahlung.

Fazit

Alle Beteiligten sind gefragt, das Potenzial der Erfahrungen der vergangenen Monate für eine positive Gestaltung der neuen Normalität zu nutzen. Neue Technologien sollten zeitnah in den Arbeitsalltag integriert werden, um die Arbeitsweisen des Fachpersonals effizienter und agiler zu gestalten. Dazu sollten unter anderem die aktuell zur Verfügung stehenden Mittel, beispielsweise des Krankenhauszukunftsgesetzes, beantragt und zielführend für die Planung der „digitalen Agenda“ eingesetzt werden

Axel Bindewalt
  • Partner, Head of Healthcare
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Gesundheitsbarometer 02/20: Neue Normalität

Im Gesundheitsbarometer 02/20 beschreiben wir an konkreten Beispielen, wie die Covid-19-Pandemie zum Beschleuniger von Digitalisierung im Gesundheitswesen wird.

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